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Auch Impfpass soll aufs Handy Spahn plant Gesundheits-Apps auf Rezept

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Digitale Blutdruck-Tagebücher oder Diabetiker-Aufzeichnungen: Solche Apps sollen künftig die Kassen bezahlen können.

(Foto: picture alliance / Hendrik Schmi)

Medizinische Start-ups haben es in Deutschland schwer, weil die Krankenkassen ihre Leistungen nicht anerkennen. Das will Gesundheitsminister Spahn ändern. Ärzte sollen Gesundheits-Apps künftig so verschreiben können wie etwa eine Zahnspange. Auch die digitale Patientenakte will der Minister aufwerten.

Gesundheits-Apps sollen wie Arzneimittel künftig vom Arzt verschrieben werden, der Einsatz der elektronischen Patientenakte soll forciert werden - das sind zwei Ziele eines neuen Digitalisierungsgesetzes, das Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als Referentenentwurf vorgelegt hat. Die Krankenkassenzulassung soll medizinischen Start-ups den Zugang ins deutsche Gesundheitssystem erleichtern. Die neuen Angebote sollten schnell, aber nach festgelegten Kriterien in die Versorgung kommen, versprach der Minister. Ziel sei es, den digitalen Wandel im Gesundheitswesen "zu gestalten und ihn nicht zu erleiden", sagte Spahn. Dabei seien Datenschutz und Datensicherheit "von höchster Priorität".

Als Beispiele für Gesundheits-Apps, die von den Krankenkassen gezahlt werden könnten, nannte Spahn digitale Tagebücher für Diabetiker oder Bluthochdruckpatienten. Der Referentenentwurf, der nun in die Ressortabstimmung geht, sieht zudem vor, dass telemedizinische Angebote wie Videosprechstunden leichter genutzt werden können. Nicht gelten soll die neue Erstattungsregel für Apps, die dabei helfen, medizinische Diagnosen zu erstellen.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) freute sich über den "Rückenwind", den die Kassen beim Ausbau ihrer digitalen Angebote bekämen. GKV-Sprecher Florian Lanz erklärte, das Angebot vieler Kassen reiche "schon heute von Apps für die Unterstützung der Behandlung von Depressionen über welche zur Hilfe bei der Rauchentwöhnung bis hin zur Linderung der Beschwerden bei einem Tinnitus". Digitalisierung und Modernisierung des Gesundheitswesens gingen bereits heute Hand in Hand. "Wer Interesse an digitaler Unterstützung hat, sollte sich an seine Krankenkasse wenden", so Lanz.

Die Krankenkasse DAK-Gesundheit begrüßte die Vorlage ebenfalls als "wichtigen Schritt, die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens voranzubringen". Das Gesetz "stellt den Nutzen für Patienten konsequent in den Mittelpunkt", lobte DAK-Chef Andreas Storm das Vorhaben Spahns. "Nur wenn wir mit der Digitalisierung einen Nutzen für Versicherte und Patienten schaffen, werden digitale Lösungen Akzeptanz bei den Nutzern finden und die großen Potenziale für eine bessere Versorgung zum Tragen kommen", hob er hervor.

Kassen müssen elektronische Patientenakte anbieten

Die elektronische Patientenakte wird nach den Plänen des Gesundheitsministers umfangreicher. Sie soll auch Impfausweis, Mutterpass oder Zahn-Bonusheft speichern können. Der Hausarzt bekomme dafür eine "angemessene Vergütung", sagte Spahn. In einem bereits beschlossenen Gesetz ist geregelt, dass die Kassen ihren Versicherten spätestens ab 2021 eine elektronische Patientenakte anbieten müssen, auf die sie mit Smartphone oder Tablet zugreifen können.

Das neue Digitalisierungsgesetz sieht nach Informationen aus dem Ministerium auch Honorarkürzungen für Ärzte vor, die sich nicht an der digitalen Versorgung beteiligen. Ab März 2020 droht ihnen die Kürzung ihres Honorars um 2,5 Prozent, wenn sie sich nicht an die entsprechende Telematik-Infrastruktur anschließen lassen.

"Der Patient von morgen wird immer noch einen Arzt brauchen, aber er wird keinen Arzt mehr ernst nehmen, der nur noch über Karteikarten arbeitet", sagte Spahn. Der Minister rief Ärzte, Klinikleitungen, Therapeuten und andere Leistungserbringer im Gesundheitswesen auf, den digitalen Wandel "aktiv zu begleiten".

Er verwies darauf, dass es gerade im Bereich von Gesundheit und Pflege massive Investitionen auch von Großkonzernen außerhalb Europas gebe. Es gehe darum, einen Rahmen zu setzen für digitale Gesundheitsversorgung in Deutschland mit den Standards und der Datensicherheit, "die wir hier gewohnt sind", sagte der Minister. Das Gesetz könnte bereits 2020 in Kraft treten, nachdem Bundeskabinett und Bundestag zugestimmt haben.

Quelle: n-tv.de, mau/AFP/dpa

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