Politik
Egal, was schief läuft - Donald Trump ist sich im Wahlkampf nie einer Schuld bewusst.
Egal, was schief läuft - Donald Trump ist sich im Wahlkampf nie einer Schuld bewusst.(Foto: imago/UPI Photo)
Mittwoch, 03. August 2016

Streit um getöteten Soldaten: Trump löst bei Hollande "Brechreiz" aus

Donald Trump bringt während seines Wahlkampfes viele Menschen gegen sich auf. Ungewöhnlich deutliche Worte für den provokanten Milliardär findet jetzt der französische Präsident. Auch mehrere Republikaner gehen auf Distanz.

Frankreichs Staatspräsident François Hollande ist in ungewöhnlich deutlicher Weise auf Distanz zu Donald Trump gegangen. Die Worte des republikanischen Präsidentschaftskandidaten erzeugten "ein Gefühl von Brechreiz", sagte Hollande am gestrigen Abend in Paris. Vor allem seine Aussagen über einen getöteten US-Soldaten seien "verletzend und erniedrigend". Hollande warf Trump zudem "Zügellosigkeit" vor.

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Anlass der Aussage war Trumps Streit mit den muslimischen Eltern eines US-Soldaten, der im Irak von einem Selbstmordattentäter getötet worden war. Der Vater des Soldaten warf Trump vor, im Gegensatz zu vielen anderen Amerikanern "nichts und niemanden geopfert" zu haben. Trump konterte daraufhin, er habe sehr wohl "eine Menge Opfer" erbracht. Er arbeite hart und habe zehntausende Jobs geschaffen.

Auch innerparteilich steht Trump für diese Aussagen in der Kritik. Die einflussreiche Republikanerin und Milliardärin Meg Whitman erklärte auf Facebook, bei der Präsidentschaftswahl die Seiten zu wechseln und die demokratische Kandidatin Hillary Clinton wählen zu wollen. Die Chefin des IT-Konzerns Hewlett Packard Enterprise begründete ihren Schritt damit, dass Trump ein "unehrlicher Demagoge" sei, der Wut und Fremdenfeindlichkeit ausnutze und als Präsident Wohlstand und Sicherheit der USA gefährden würde.

Nach Angaben der "New York Times" soll Whitman den Milliardär bei einem Treffen republikanischer Spender auch mit Diktatoren wie Adolf Hitler und Benito Mussolini verglichen haben. Infolgedessen wolle Whitman für Clintons Wahlkampf Geld spenden und versuchen, ihre republikanischen Freunde zu überzeugen, das auch zu tun.

Trump verliert in Umfragen

Zuvor hatte bereits der republikanische Abgeordnete Richard Hanna aus dem Bundesstaat New York angekündigt, für Clinton zu stimmen. Auf dem Portal Syracuse.com schrieb er am Dienstag, er erwarte keinen perfekten Kandidaten, "aber ich verlange mehr als die Verkörperung einer zumindest engeren Auswahl der sieben Todsünden."

Das Nervenkostüm von Trump scheint unter der harschen Kritik zu leiden. Bei einem Auftritt am Dienstag in Ashburn im Bundesstaat Virginia bekam das ein Säugling zu spüren. Als das Kind zu schreien begann, reagierte Trump anfangs noch ungewohnt milde. "Keine Sorge wegen des Babys. Ich liebe Babys (...). Was für ein hübsches Baby!", erklärte er. Wenig später verwies er Mutter und Kind allerdings des Saals: "Die Wahrheit ist, ich habe nur Spaß gemacht. Ihr könnt das Baby rausschaffen."

Ursache der Reizbarkeit könnten auch neueste Umfragen sein, in denen Trump wieder abbaut. In einer Untersuchung der Nachrichtenagentur Reuters und des Instituts Ipsos, die am Dienstag veröffentlicht wurde, steigerte sich Hillary Clinton auf etwa 43 Prozent der Stimmen. Trump wollten dagegen nur noch 35 Prozent der Befragten wählen. An der Umfrage beteiligten sich 1289 US-Bürger, die im November voraussichtlich zur Wahl gehen werden.

Quelle: n-tv.de