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Telefonate mit Juncker und Draghi Tsipras geht auf Tuchfühlung mit Europa

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Alexis Tsipras trifft Mitte der Woche Jean-Claude Juncker.

(Foto: AP)

Nach seinem Amtsantritt hat Alexis Tsipras die europäischen Partner zunächst einmal verschreckt. Doch der Athener Regierungschef greift nun zum Hörer und versucht Brüssel davon zu überzeugen, dass Griechenland auch in Zukunft kooperieren will.

Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras sucht - nach anfänglichen Streitereien - den Kontakt zur Europäischen Union. Wie aus dem Umfeld von Kommissionschef Jean-Claude Juncker zu hören war, rief der Athener Regierungschef bei dem Luxemburger an, das Telefonat sei freundschaftlich verlaufen.

Ein Treffen zwischen Tsipras und Juncker sei für Mittwoch geplant. An dem Tag kommt der Chef der neuen Links-Rechts-Regierung auch mit dem französischen Präsidenten François Hollande zusammen.

Juncker hat nach Angaben aus EU-Kreisen Verständnis für Tspiras sozialpolitische Initiativen. Zur von Tsipras abgelehnten Geldgeber-"Troika" sagte Juncker in der vergangenen Woche im Gespräch mit der französischen Zeitung "Le Figaro", eine rasche Rückkehr der Troika in das Land könne von der griechischen Öffentlichkeit als "Provokation" empfunden werden. Ein Schuldenschnitt komme aber nicht infrage.

Im Umgang mit der neuen griechischen Regierung stimmt sich der Chef der EU-Kommission mit europäischen Politikern ab. Dazu gehören EU-Kreisen zufolge Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble, Bundeskanzlerin Angela Merkel, Italiens Regierungschef Matteo Renzi sowie Hollande.

"Brauchen Zeit zum Luftholen"

Angeblich telefonierte Tsipras bereits am Freitagabend auch mit Mario Draghi, dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank, wie es in Athener Regierungskreisen hieß. Dabei soll Tsipras seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit zugesichert haben. Bei dem Telefonat "wurde bestätigt, dass der Wille besteht, eine für Griechenland und Europa gleichermaßen vorteilhafte Lösung zu finden", verlautete aus den Kreisen.

Nach der Ablehnung der Troika, die für Missstimmung zwischen Athen und Brüssel gesorgt hatte, schlug Tsipras auch öffentlich versöhnlichere Töne an. Niemand wolle Streit, und es sei niemals die Absicht seiner Regierung gewesen, "einseitig auf Griechenlands Schulden zu reagieren", versicherte der Linkspolitiker in einer Erklärung. Darin bat Tsipras gleichzeitig um mehr Zeit für sein Reformprogramm.

Er fühle sich dem Mandat der griechischen Bevölkerung verpflichtet, die bisherige Sparpolitik durch eine Wachstumspolitik zu ersetzen, erklärte Tsipras. Dies habe jedoch "keineswegs zur Folge, dass wir unseren Verpflichtungen gegenüber der Europäischen Zentralbank oder dem Internationalen Währungsfonds nicht nachkommen werden". Vielmehr bedeute es, "dass wir Zeit zum Luftholen brauchen, um unser eigenes mittelfristiges Programm zur Erholung" von Wirtschaft und Finanzen aufzustellen. Dazu zählten unter anderem radikale Maßnahmen gegen Steuerflucht, Korruption, Klientelpolitik sowie für einen ausgeglichenen Haushalt.

Quelle: n-tv.de, jog/dpa

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