Politik

Völkermord-Erklärung in Österreich Türkei beordert Botschafter zurück

Ankara reagiert verstimmt auf die Völkermord-Erklärung von Österreichs Parlament und zieht Konsequenzen. Auch in Deutschland wird der Massaker an den Armeniern gedacht - erstmals dürfte an höchster Stelle von einem Völkermord die Rede sein.

Die türkische Regierung hat nach der österreichischen Parlamentserklärung zum "Völkermord" an den Armeniern ihren Botschafter in dem Land zu Beratungen zurückbeordert. "Es ist klar, dass die Erklärung des österreichischen Parlaments die türkisch-österreichische Freundschaft dauerhaft beflecken wird", heißt es in einer Mitteilung des türkischen Außenministeriums.

Österreichs Außenminister Sebastian Kurz wies den Protest zurück. "Die Erklärung des österreichischen Parlaments ist zu respektieren", sagte er der Nachrichtenagentur APA. "Jetzt gilt es, in die Zukunft zu schauen und an einer Aussöhnung zwischen Türken und Armeniern zu arbeiten."

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In der armenischen Hauptstadt Eriwan erinnert eine ewige Flamme an den Völkermord.

(Foto: dpa)

Das Parlament in Wien hatte am Dienstag in einer gemeinsamen Erklärung aller Fraktionen die Massaker an den Armeniern vor 100 Jahren einen Völkermord genannt. Im Ersten Weltkrieg waren Armenier im Osmanischen Reich als vermeintliche Kollaborateure mit dem Feind systematisch vertrieben und umgebracht worden. Zwischen 200.000 und 1,5 Millionen Menschen kamen nach Schätzungen ums Leben. Die Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reichs lehnt die Bezeichnung "Völkermord" vehement ab.

In Deutschland erinnern heute die christlichen Kirchen zusammen mit Bundespräsident Joachim Gauck mit einem ökumenischen Gottesdienst an die Massaker. Sowohl die evangelische als auch die katholische Kirche bezeichnen die Gräueltaten des damaligen Osmanischen Reiches ausdrücklich als Völkermord. Es wird erwartet, dass auch der Bundespräsident, der im Berliner Dom eine kurze Rede hält, diese Bewertung übernimmt. Türkische Verbände hatten zuvor davor gewarnt.

Deutsche Untätigkeit

Grünen-Chef Cem Özdemir forderte die Bundesregierung zu einer Entschuldigung für die deutsche Mitverantwortung an dem Verbrechen auf. "Sie sollte sich dafür entschuldigen, dass der Rechtsvorgänger - das Deutsche Kaiserreich - damals untätig geblieben ist", sagte Özdemir in Istanbul. Aus Dokumenten im Auswärtigen Amt in Berlin gehe eindeutig hervor, dass das Kaiserreich nicht nur von den Massakern gewusst, sondern sie "bewusst vertuscht" habe.

Die Regierungsfraktionen von Union und SPD stufen die Gräueltaten in einem Papier für eine Gedenkstunde im Bundestag nach einigem Hin und Her erstmals als Völkermord ein. Die Bundesregierung unterstützt das. Bisher hatte sie ebenso wie der Bundestag diese Wortwahl aus Rücksicht auf den Nato-Partner Türkei vermieden.

Özdemir kritisierte, zwar "erlaubt" die Bundesregierung den Parlamentariern der Regierungsfraktionen, von Genozid zu sprechen, aber: "Sie selber meidet den Begriff des Völkermords hartnäckig." Özdemir führte das auf falsche Rücksichtnahme von Kanzlerin Angela Merkel und Außenminister Frank-Walter Steinmeier auf den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zurück. "Ich halte die Meinung von Frau Merkel und Herrn Steinmeier für grundlegend falsch. Hasenfüßigkeit und Kuscheln mit Herrn Erdogan beeindrucken ihn nicht." Der Grünen-Chef nahm am Mittwochabend in Istanbul an einer Gedenkveranstaltung zu den Massakern an den Armeniern teil.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

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