Politik

Obama und der Zauberer von Oz US-Demokraten zeigen bei TV-Debatte Zähne

Trumps Gegner für die Präsidentschaftswahl 2020 gesucht, Runde drei. Bei der TV-Debatte der Demokraten ist Ex-Präsident Obama in aller Munde. Ein Außenseiter attackiert Favorit Biden rüde. Trump wird in den "Zauberer von Oz" versetzt.

Bernie Sanders tönt: "Ich habe mich mit dem ganzen verdammten Establishment angelegt!" Da ist er schon längst von der Bühne der dritten TV-Debatte im texanischen Houston heruntergestiegen und sitzt mitsamt Mikrofon bei Journalisten. Vor vier Jahren sei er wegen Themen wie Klimawandel und Krankenversicherung von den US-Demokraten nicht ernst genommen worden. Nun gibt es genau bei diesen Inhalten einen fundamentalen Richtungsstreit zwischen dem linksprogressiven Flügel um ihn und Elizabeth Warren und dem gemäßigten Teil um Ex-Vizepräsident Joe Biden - und damit um die Ausrichtung der gesamten Partei.

Sanders und Warren waren bei der letzten Umfrage vor der Debatte gemeinsam im Schnitt auf 34,1 Prozent Zustimmung unter Demokraten gekommen, Biden auf 26,8 Prozent, Harris auf 6,5 und Pete Buttigieg auf 4,8 Prozent. Bei der Fernsehdebatte ging es unter manchen der zehn verbliebenen möglichen Trump-Bezwinger konfrontativ zu. Alle wollen für die Demokraten bei der Präsidentschaftswahl 2020 antreten. Biden hatte dabei trotz kleiner sprachlicher Aussetzer seinen bislang stärksten Auftritt im parteiinternen Kampf um die Präsidentschaftskandidatur. Zugleich war er wieder das Ziel der meisten Attacken. Für manche Bewerber, etwa Julián Castro, der aktuell auf 1 Prozent Zustimmung kommt, oder Amy Klobuchar (1,2 Prozent), könnte ein farbloser TV-Auftritt das Ende ihres Rennens einleiten. Entsprechend aggressiv verhielten sich die Bewerber.

Die Debatte begann mit dem umstrittensten Thema: der Krankenversicherung. Eine halbe Stunde lang ging es insbesondere zwischen Sanders, Biden und Warren hin und her. Die Diskussion drehte sich vor allem um die Frage, ob die Privatversicherer in Konkurrenz zu einer öffentlichen Krankenkasse bestehen bleiben sollten oder nicht. Für den linken Sanders ist die Sache klar: Die 100 Milliarden Dollar Gewinn der privaten Versicherer zahlten die US-Amerikaner mit doppelt so hohen Pro-Kopf-Kosten wie anderswo, also dürfe es nur ein Krankenversicherungssystem für alle geben. Biden argumentierte, jeder könne seine Versicherung behalten, wenn er sie möge. Warren antwortet darauf zynisch: Sie kenne niemanden, der seinen Krankenversicherer möge, nur seinen Arzt.

Castro besonders aggressiv

In einem denkwürdigen Moment warf Ex-Minister Julián Castro dem 76-jährigen Biden lauthals vor, innerhalb von zwei Minuten seine eigene Äußerung vergessen zu haben. Es ist eine eindeutige Anspielung: Der Vize von Ex-Präsident Barack Obama wäre bei einem möglichen Amtsantritt 78 Jahre alt, Castro nur 46. Ohnehin war der Außenseiter aus Texas sehr präsent und griff Biden mehrfach an. Als etwa Biden gefragt wurde, ob er Massenabschiebungen in Obamas Amtszeit im Nachhinein für einen Fehler halte, antwortete der ausweichend, er sei Vize und nicht Präsident gewesen. Castro warf Biden daraufhin vor, er könne sich nicht je nach Gusto für die Obama-Jahre rühmen oder wegducken.

Kamala Harris hingegen griff ihre Mitbewerber nicht an, sondern verpasste keine Gelegenheit, US-Präsident Trumps Verfehlungen und auch ihn persönlich anzusprechen. "Wir alle wissen, dass er zuguckt", sagte sie. Trump hatte zuvor mitgeteilt, er werde sich nur eine Aufzeichnung ansehen. "Er erinnert mich an diesen Typen im 'Zauberer von Oz'", spottete die kalifornische Senatorin und einzige schwarze Frau im Bewerberfeld: "Wenn du den Vorhang zur Seite ziehst, ist er ein richtig kleiner Kerl." Das Publikum, die Moderatoren und Harris amüsierten sich.

Obama fand mehrfach einen Weg in die Diskussion. Der Ex-Präsident hatte eine öffentliche Krankenkasse geplant, die er aber im Rahmen von Obamacare nicht durchsetzen konnte. Dies wollen die gemäßigten Demokraten nun nachholen, falls einer von ihnen ins Weiße Haus einzieht. Immer wieder bezogen sich die Bewerber auf Obama und lobten dessen Verdienste. Obamas Freund und Vize Biden war die Genugtuung darüber deutlich anzusehen. Biden wirkte wesentlich angriffslustiger als in den vorangegangenen Debatten. Als ihm einer der Moderatoren nach abgelaufener Redezeit das Wort abschneiden wollte, giftete der Demokrat, er werde weiterreden wie die anderen, "doppelt so lange". Was er dann zwar nicht wirklich tat, aber das Signal war gesetzt.

Lauten Applaus bekam der Texaner Beto O'Rourke, als er bei der Diskussion um eine Waffenrechtsänderung emotionsgeladen ankündigte: "Verdammt, ja, wir werden euch eure AR-15 und AK-47 wegnehmen!" AR-15 ist ein halbautomatisches Gewehr, die AK-47 ein Sturmgewehr ähnlich der Tatwaffe, mit dem ein US-Amerikaner Anfang August in El Paso in einem Supermarkt 22 Menschen erschossen hatte, darunter acht Mexikaner und einen Deutschen. O'Rourkes Chancen, dies im Weißen Haus umzusetzen, sind klein. Er kam vor der Debatte nur auf 2,8 Prozent Zustimmung.

Neben dem parteiinternen Richtungsstreit schielen die Demokraten auch darauf, ob sich ein Bewerber gut gegen Trump auf der Bühne schlagen könnte und wie er derzeit in Umfragen gegen den US-Präsidenten abschneidet. Ergebnissen der "Washington Post" und des Fernsehsenders ABC zufolge hätte demnach Biden die besten Chance, gegen Trump zu gewinnen - mit 15 Prozent Vorsprung. Bei Sanders wären es 9 Prozent, bei Warren und Harris 7 Prozent. Bis die US-Amerikaner jedoch an die Wahlurnen gehen werden, dauert es noch mehr als ein Jahr.

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Quelle: n-tv.de

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