US-Wahl 2020

Zurück im Weißen Haus Jill, die Frau an Joes Seite

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In ihrer "natürlichen" Umgebung: Jill Biden will weiter unterrichten.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Joe Biden wird der 46. Präsident der USA. Und mit ihm zieht seine Frau ins Weiße Haus: Jill Biden - eine interessante, engagierte, liebevolle Frau, die Zeit hatte, viel von ihren Vorgängerinnen zu lernen, um nicht deren Fehler zu machen.

First Lady zu werden, sucht man sich nicht aus. Eine First Lady hat sich zwar den Mann ausgesucht, der Präsident der Vereinigten Staaten wird, das aber meist vor langer Zeit, als noch gar nicht abzusehen war, in welche Richtung sich das Leben entwickelt. Und dann ist es, wie es nun mal ist, die Dinge nehmen ihren Lauf. In Jill Bidens Fall wirkt es gar nicht so, als hätte sie sich jemals große Gedanken darüber gemacht, was ihr Mann alles werden könnte.

Sie hat sich wahrscheinlich, als sie ihn kennenlernte, erst einmal gefragt, was sie tun kann, um ihn mit seiner schwierigen Vergangenheit in die Zukunft zu begleiten. "Wie kann ich eine zerbrochene Familie wieder heil, eventuell sogar glücklich machen?", wird ihr Thema gewesen sein, als sie den alleinerziehenden Joe 1975 bei einem von seinem Bruder arrangierten Blind Date kennenlernte.

Die Rolle der First Lady ist schon immer anspruchsvoll gewesen. Wie sehr man beäugt wird an der Seite des mächtigsten Mannes der Welt, wissen wohl vor allem die Frauen, die seit Jackie Kennedy diese Rolle eingenommen haben. Denn entweder müssen sie sich mit ihr vergleichen lassen, oder sie wollen sich mit ihr vergleichen. Dass eine FLOTUS ("First Lady of the United States") dabei mehr können muss, als hübsch auszusehen, Geschirr zu kaufen (Nancy Reagan), den Weihnachtsbaum zu dekorieren (Melania Trump) oder - nach Meinung anderer - einfach zu viel zu wollen (Hillary Clinton) macht das "Amt" nicht leichter. Nur wenige bekamen es so geradlinig und natürlich hin wie Michelle Obama - doch wer ihre Biografie "Becoming" gelesen hat, der weiß, dass es einer riesigen Kraftanstrengung bedurfte, zwei Amtszeiten durchzuhalten.

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Sie liebt Blümchenkleider - und er liebt sie.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Nun also Jill Biden, 69 Jahre alt, natürlich und jugendlich wirkend, Großmutter, Lehrerin, immer an der Seite ihres Mannes Joe und wenn nicht, dann per Zoom dazu geschaltet. Sie hat sich in den Wahlkampf eingebracht, ohne dominant zu sein, sie wirkt interessiert an ihm, aber auch an dem, was er vorhat. Da sind zwei Teamplayer unterwegs, ganz anders als bei den Trumps. Es wirkt nicht so, als hätten diese beiden Frauen sich viel zu erzählen. Was bestimmt nicht an Jill Biden liegt - denn wie schon erwähnt, sie ist Lehrerin, und Lehrer haben bekanntermaßen immer was zu sagen.

Gleichzeitig der Secret Service

Jill Biden hat übrigens angekündigt, weiter arbeiten zu wollen. Damit würde das "Philly Girl" - wie sie sich selbst nennt, da sie in Philadelphia aufgewachsen ist - einen Meilenstein setzen: die erste First Lady, die im Weißen Haus ihren Beruf behält. Warum auch nicht? Die Kinder sind - anders als bei den Obamas bei ihrem Einzug ins Weiße Haus - erwachsen, und überhaupt wirkt sie so, als würde sie alles spielend leicht hinkriegen.

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Freunde für's Leben: Barack und Joe.

(Foto: imago/ZUMA Press)

Dafür sprechen Tweets, die sie weit nach Mitternacht absetzt und ihre Fähigkeit, ihrem Mann so spielerisch leicht zur Seite zu stehen. Wie vor kurzem erst, als sie sich während einer Wahlkampfrede vor ihn gestellt hat, weil zwei Aktivisten auf die Bühne stürmten. "Ich bin wahrscheinlich der einzige Präsidentschaftsbewerber, dessen Ehefrau gleichzeitig der Secret Service ist", scherzte der Ex-Vizepräsident später über seine Frau mit Bodyguard-Qualitäten. Und vor wenigen Wochen sorgte sie für Aufsehen, als sie ihren Mann freundlich, aber bestimmt zurückzog, weil er inmitten der Corona-Krise zu nahe vor Journalisten stand. Anders als die Trumps demonstrieren die Bidens stets Nähe und neckische Zuneigung. "Ich bin Joe Biden und ich bin Jills Ehemann", stellt sich der designierte Präsident gerne vor, ganz Gentleman alter Schule.

Die Bidens bilden seit mehr als vier Jahrzehnten ein unzertrennliches Duo. Der damalige Senator und die Englischlehrerin, geborene Jacobs, heirateten 1977. Biden hatte fünf Jahre zuvor bei einem Autounfall seine erste Ehefrau Neilia und die gemeinsame Tochter Naomi verloren. Jill gab vorübergehend ihren Job als Lehrerin auf, um die Kinder großzuziehen: Bidens Söhne und später die gemeinsame Tochter Ashley.

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Kennen sich bereits bestens aus: Die Bidens übernehmen nun bald von ihren jüngeren "Vorfahren" das Mobiliar.

(Foto: imago stock&people)

Ruhe im Karton

Als Joe Biden 2008 dann an der Seite von Barack Obama das Weiße Haus eroberte, wurde Jill Biden Second Lady der USA. Eine herzliche Persönlichkeit, energiegeladen, eloquent, mit einer Vorliebe für farbenfrohe Kleider, Lederstiefel und Perlenschmuck. Mit Michelle Obama wirkte sie eng verbunden in ihren Zielsetzungen und herzlich, aber nie so, als würde sie sich einmischen. Auch damals blieb sie beruflich unabhängig: Die Doktorin der Erziehungswissenschaften unterrichtete an einem sogenannten Community College, einer Art Zwischenstufe zwischen Schule und Universität.

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Jill Biden kann anpacken, das zeigt sie immer wieder deutlich und gänzlich unaufgesetzt.

(Foto: imago images/ZUMA Wire)

Wenn man als Lehrerin übrigens eines kann, dann ist es, Ruhe in den Karton zu bringen - und damit ist Jill Biden die ideale First Lady, denn das ist Joe Bidens erstes Ziel: Die Versöhnung eines Landes, das zutiefst gespalten ist. Good luck, for both of you!

Major Champ

Der neugewählte US-Präsident Joe Biden will seinem Land nach eigenen Worten übrigens so wichtige Dinge wie Mitgefühl, Verantwortlichkeit, internationales Ansehen wiederbringen - und Hunde im Weißen Haus. Die Bidens besitzen zwei Schäferhunde: Champ ist seit 2008 bei den Bidens, kennt das Weiße Haus und alle Rasenflächen also dementsprechend gut, und kann Neuzugang Major, der 2018 aus einem Tierheim gerettet wurde, mit den Örtlichkeiten vertraut machen.

Hunde im Weißen Haus haben eine lange Tradition: Barack Obama hatte den portugiesischen Wasserhund Bo, George W. Bush den Scottish Terrier Barney, Bill Clinton den schokoladenfarbenen Labrador Buddy. Dann kam Donald Trump, der Hygienefanatiker. Er ist der erste US-Präsident seit mehr als einem Jahrhundert ohne Hund. "Wie würde das aussehen, wenn ich mit einem Hund über den Rasen des Weißen Hauses spazieren würde", fragt ein grimassierender Trump in einer Videoaufnahme, die Biden für einen Wahlkampfspot nutzte. "Wähle deinen Menschen mit Bedacht", heißt es in dem Spot weiter. Das scheinen die Menschen sich zu Herzen genommen zu haben.

Quelle: ntv.de