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Konfrontation im Golf von Aden USA verlegen Flugzeugträger

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Der verlängerte Arm der US-Außenpolitik: Die "Theodore Roosevelt" vor der Küste des Oman.

(Foto: (U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class Scott Fenaroli/Released))

Vor der Küste des Jemen fahren zusätzliche Kriegsschiffe auf: Das Pentagon schickt einen Flugzeugträger ins Kriegsgebiet. Hinter vorgehaltener Hand ist von einer Art Abfangmission die Rede. Saudi-Arabien bietet eine Feuerpause an.

Die Vereinigten Staaten verstärken Berichten zufolge aus Sorge vor iranischen Waffenlieferungen an die schiitischen Huthi-Rebellen ihre Flotte vor der jemenitischen Küste. Das US-Militär habe den Flugzeugträger "USS Theodore Roosevelt" (CVN 71) in den Golf von Aden geschickt, um die amerikanische Präsenz dort zu auszubauen, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Pentagon-Mitarbeiter.

Mit der Entsendung dürfte sich das US-Engagement vor Ort erheblich ausweiten. Denn Flugzeugträger bewegen sich im Operationsgebiet nicht alleine. In der Regel werden sie von zahlreichen Versorgungs- und Begleitschiffen eskortiert. Teil einer solchen sogenannten Trägerkampfgruppe sind neben Lenkwaffenzerstörern auch Spezialschiffe zur U-Boot-Abwehr und zur elektronischen Fernaufklärung. Von Bord des Trägers selbst können zudem Hubschrauber, Kampfjets und Aufklärungsflugzeuge starten, um einen weiten Umkreis rund um das Mutterschiff zu überwachen.

Zwei Kernreaktoren an Bord

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Die "USS Theodore Roosevelt" ist ein mehr als 330 Meter langer, nuklear betriebener Schiffsgigant aus Aluminium und Stahl, hier kurz vor dem Ablegen in seinem Heimathafen Norfolk, Virginia.

Aufgabe des Trägers sei es, so berichten US-Medien, bis zu neun iranische Schiffe zu beobachten, die möglicherweise Waffen in den Jemen bringen könnten. Der Iran bestreitet, die Huthi-Rebellen mit Waffen auszurüsten. In den vergangenen Wochen hatte Teheran eigene Marine-Einheiten in den Golf von Aden entsandt - offiziell zum Schutz der Handelsschifffahrt vor Piraten.

Die US-Marine stellt den Einsatz eines ihrer zehn nuklear angetriebenen Flugzeugträger anders dar: Offiziell dient die Verlegung zusätzlicher Marineeinheiten in die Region lediglich dazu, die Routen der zivilen Handelsschifffahrt vom Indischen Ozean durch den Golf von Aden ins Rote Meer zu schützen und für die kommerzielle Seefahrt offen zu halten. Ein nicht unwesentlicher Teil der Container- und Rohöltransporte aus der Golfregion muss den Golf von Aden und vor allem die Meerenge Bab-el Mandeb am Eingang zum Roten Meer passieren, um durch den Suezkanal ins Mittelmeer zu gelangen.

Viel befahrene Schifffahrtsroute

Der Krieg im Jemen spielt sich damit in unmittelbarer Nachbarschaft zu einer der wichtigsten Schifffahrtsstraßen des weltweiten Seehandels ab. Die Sicherung der Küstengewässer hat durchaus strategische Bedeutung. Die Aufständischen kämpfen in dem Land gegen Anhänger des geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Das benachbarte Saudi-Arabien, das mit dem Iran um die Vorherrschaft in der Region ringt, unterstützt Hadi. Internationale Beobachter sehen in der Auseinandersetzung im Jemen eine Art Stellvertreterkrieg zwischen den beiden islamischen Glaubensrichtungen der Schiiten und der Sunniten.

Seit Wochen bombardiert eine von Riad geführte regionale Allianz Stellungen und Waffenlager der Huthis. Die USA unterstützen das Bündnis mit Waffen und Geheimdienst-Erkenntnissen. Die Verlegung weiterer Kampfeinheiten in die Region könnte die USA tiefer in den Konflikt hineinziehen - etwa, wenn US-Kampfpiloten in den Flugabwehrbereich iranischer Überwassereinheiten eindringen sollten.

"Wir wollen alle ein baldiges Ende"

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition erklärte unterdessen den Abzug der Huthi-Rebellen im Jemen zur Voraussetzung für eine Feuerpause. "Wir wollen alle ein baldiges Ende der militärischen Auseinandersetzung, aber es gibt zuträgliche Bedingungen für ein baldiges Ende der Auseinandersetzung", sagte der saudische UN-Botschafter Abdallah al-Muallimi nach einem Gespräch von Botschaftern der Mitgliedsländer des Golfkooperationsrats mit UN-Generalsekretär Ban Ki Moon in New York. Die Bedingungen seien in der Resolution formuliert, die der UN-Sicherheitsrat vergangene Woche zum Jemen verabschiedet habe.

In der Resolution werden die Huthi-Rebellen im Jemen zum Rückzug aus den von ihnen besetzten Gebieten aufgefordert. Außerdem belegte der UN-Sicherheitsrat sie mit einem Waffenembargo. Die Ernennung eines neuen UN-Sondergesandten für den Jemen wollte al-Muallimi nicht kommentieren.

Neuer UN-Gesandter für den Jemen?

Nach Angaben eines UN-Diplomaten soll der mauritanische Diplomat Ismail Ould Cheikh Ahmed den Posten übernehmen. Bans Personalentscheidung werde "in den Hauptstädten geprüft und wir werden so schnell wie möglich eine Reaktion haben", sagte der saudische Botschafter. Der bisherige Jemen-Gesandte Jamal Benomar hatte vergangene Woche seinen Rücktritt eingereicht. Nach Angaben eines UN-Vertreters hatte der 58-jährige marokkanische Diplomat den Rückhalt der arabischen Golfstaaten verloren.

Ban hatte am vergangenen Donnerstag ein sofortiges Ende der Kämpfe im Jemen gefordert. Das Land stehe "in Flammen", sagte er. Tags darauf hatte der iranische Außenminister einen Vier-Punkte-Plan zur Beendigung der Kämpfe vorgestellt. Die darin aufgelisteten Bedingungen für einen schnellen Frieden scheinen zumindest in US-Regierungskreisen niemanden überzeugt zu haben.

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Quelle: n-tv.de, mmo/AFP/dpa

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