Politik

+++ Flüchtlingskrise in Europa +++ Ungarn droht mit Abschiebung

An dieser Stelle beendet n-tv.de seinen Liveticker vom 3. September 2015. Über die aktuellen Ereignisse informieren wir Sie hier.

+++ Ungarn droht mit Abschiebung  +++
In Bicske liefern sich Flüchtlinge eine Geduldsprobe mit der Polizei. Sie waren zuvor in einen Zug Richtung Westen gelockt worden, der aber dann von der Polizei gestoppt wurde. Nach aktuellen Angaben soll es sich um 500 Personen handeln. Ihnen droht nun die Abschiebung zurück nach Südosten. Die Polizei erklärte ihr Vorgehen damit, dass sie nur die Personalien der Flüchtlinge habe kontrollieren wollen. Dies sei wegen der chaotischen Zustände am Budapester Ostbahnhof nicht möglich gewesen. Diejenigen, die sich jetzt in Bicske freiwillig kontrollieren lassen, würden in ein Aufnahmelager gebracht. Jene, die die Kontrolle verweigerten, würden nach Serbien abgeschoben.

+++ Weißes Haus: Das ist allein Europas Problem +++
Europa muss nach Ansicht des Weißen Hauses mit dem Ansturm von Flüchtlingen aus dem Mittleren Osten und Nordafrika selber fertig werden. Zwar stünden die USA mit Wissen und Rat zur Verfügung, sagt der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest. Gefragt, ob die USA mehr Flüchtlinge aus den betreffenden Regionen aufnehmen würden, sagt er: "Europa hat die Kapazität, dieses Problem selber zu lösen." Andere Ankündigungen habe er nicht zu machen.

3rj84745.jpg3685597149735527384.jpg

(Foto: dpa)

+++ Flüchtlinge treten in Hungerstreik +++
Im ungarischen Bicske in der Nähe von Budapest wehren sich vermutlich mehrere Hundert Flüchtlinge gegen ihren Transport in ein Flüchtlingslager. Etliche von ihnen verweigern die Nahrungsaufnahme. Sie waren am frühen Nachmittag in Budapest in einen Zug gestiegen, in der Hoffnung, von dort nach Österreich zu fahren. Unterwegs, 37 Kilometer westlich von Budapest, stoppte die Polizei den Zug und forderte die Reisenden auf, auszusteigen. In 20 Bussen sollten die Migranten in Flüchtlingslager gebracht werden. Ein Teil von ihnen wurde tatsächlich auch abtransportiert. Genaue Zahlen gibt es nicht.

+++ Schlepper: Habe nichts von Menschen in Lkw gewusst +++
Nach der Flüchtlingstragödie in Österreich mit 71 Todesopfern in einem Kühllastwagen sagt einer der beiden Fahrer vor einem bulgarischen Gericht aus, nichts von Menschen an Bord seines Lasters gewusst zu haben. Der Bulgare, der in Hand- und Fußfesseln zu der Anhörung in der Stadt Montana gebracht wird, bleibt auf Anordnung des Gerichts in U-Haft. Die bulgarische Justiz wirft ihm vor, den Lkw, in dem die Flüchtlinge erstickten, zumindest auf einem Teil der Strecke zwischen Ungarn und Österreich gesteuert zu haben.

+++ Milliardär will Insel für Flüchtlinge kaufen +++
Mit einem ungewöhnlichen Beitrag will ein ägyptischer Milliardär bei der Eindämmung der Flüchtlingskrise helfen: Naguib Sawiris will eine ganze Insel im Mittelmeer kaufen, um dort Flüchtlinge unterzubringen. "Griechenland oder Italien verkaufen mir eine Insel, ich rufe die Unabhängigkeit aus, bringe die Migranten unter und verschaffe ihnen Arbeitsplätze beim Aufbau ihres neuen Landes", so der Telekommunikations-Unternehmer. Es gebe "dutzende verlassene Inseln, auf denen Hunderttausende Flüchtlinge leben könnten". Nach Sawiris Schätzung dürfte eine Insel bis zu 90 Millionen Euro kosten. "Das Wichtigste sind aber Investitionen in die Infrastruktur", sagte er.

+++ Ungarn denkt über Zaun zu Kroatien nach +++
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orban kündigt den Bau eines weiteren Zauns an der Grenze zum EU-Mitglied Kroatien an, wenn die Flüchtlinge versuchen sollten, über diesen Weg ins Land zu kommen. Er wolle keine große Zahl Muslime in Ungarn haben. Von Deutschland verlangte Orban eine Klarstellung zum Umgang mit den Flüchtlingen aus Syrien. Die Äußerungen aus Deutschland, dass Syrer auch in der Bundesrepublik Asyl beantragen könnten, sei von den Flüchtlingen als "Einladung" verstanden worden. Das verstoße allerdings gegen das sogenannte Dublin-Verfahren. Wenn Deutschland das so wolle, dass müsse Berlin Visa für die Syrer ausstellen. Dann könnten sie sofort aus Ungarn ausreisen.

+++ Ertrunkener Junge soll in Kobane beigesetzt werden +++
Der vor der türkischen Küste ertrunkene Flüchtlingsjunge Aylan soll nach dem Willen seines Vaters in seiner Heimat Syrien beigesetzt werden. Der Dreijährige und sein fünf Jahre alter Bruder waren zusammen mit ihrer Mutter und weiteren Flüchtlingen ums Leben gekommen, weil ihr Boot auf dem Weg zur griechischen Insel Kos kenterte. Das Bild von Aylans durchnässter Leiche mit dem Kopf im Sand des türkischen Touristenorts Bodrum hatte weltweit Entsetzen ausgelöst. Derweil bereitete der Vater als einziger Überlebender der Familie die Rückführung der Leichen in ihre Heimatstadt Kobane an der Grenze zur Türkei vor.

+++ Polnische Bahn fährt nicht mehr nach Budapest +++
Die polnische Bahngesellschaft PKP Intercity steuert wegen der Verhältnisse auf dem Ostbahnhof in Budapest die ungarische Hauptstadt bis auf Weiteres nicht mehr an. Die Verbindungen von Polen nach Ungarn enden am Grenzbahnhof Szob. Von dort können Reisende mit Regionalzügen weiterfahren. Im Keleti-Bahnhof von Budapest warten derzeit Tausende Flüchtlinge auf eine Weiterreise. Die polnische Bahn steuert regulär mit ihren Zügen "Silesia" und "Chopin" von Krakau und Warschau aus die ungarische Hauptstadt an.

+++ Transport von Flüchtlingen aus Ungarn gesichert +++
Die österreichische Bundesbahn (ÖBB) will bei Bedarf Flüchtlinge an der ungarischen Grenze aufnehmen und weiter nach Wien transportieren. "Welcher Zug auch immer an die Grenze geführt wird, wir sind bereit, die Fahrgäste aufzunehmen", berichtet ein Bahnsprecher. Es solle damit vermieden werden, dass Hunderte Flüchtlinge etwa am kleinen Grenzbahnhof Hegyeshalom übernachten müssten. Entscheidend sei zudem, dass die Sicherheit im Bahnbetrieb gewährleistet sei.

+++ Mehr als 180 Flüchtlinge in Bayern gerettet +++
Die verstärkten Fahrzeugkontrollen der Polizei im Raum Passau zeigen Wirkung: Innerhalb von 24 Stunden befreien Beamte mehr als 180 Flüchtlinge aus Schleuserfahrzeugen. Elf Männer werden festgenommen. Allein in einem Kleintransporter waren 39 Asylbewerber auf der Ladefläche zusammengepfercht, darunter 12 unbegleitete Jugendliche. Die Kontrollen finden an der Autobahn 3 - eine der Hauptschleuserstrecken - sowie auf sogenannten Ausweichrouten statt.

+++ Erdogan: Europa verwandelt Mittelmeer in "Grab" +++
Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat den Westen scharf für seine Flüchtlingspolitik kritisiert. Europa habe das Mittelmeer in ein "Grab" verwandelt und trage damit die Mitschuld an dem Tod "jedes einzelnen Flüchtlings, der sein Leben gelassen hat", sagte Erdogan in Ankara. "Im Mittelmeer sind nicht nur Flüchtlinge ertrunken. Im Mittelmeer ist unsere Menschlichkeit ertrunken, unsere Menschlichkeit!" Am Mittwoch waren zwei Flüchtlingsboote vor der türkischen Küste gekentert. Zwölf Menschen ertranken, darunter mehrere Kinder. Die Boote waren vom westtürkischen Akyarlar im Bezirk Bodrum aus gestartet. Ziel sollte die griechische Insel Kos sein.

+++ Fotografin: "Mir gefror das Blut in den Adern" +++
Die türkische Fotografin Nilüfer Demir von der Nachrichtenagentur DHA hat die Bilder von dem syrischen Flüchtlingsjungen Aylan Kurdi gemacht, dessen Leiche an den Strand von Bodrum gespült wurde. Jetzt erzählt sie, was bei ihr in dem Moment vor sich ging: "Als ich den dreijährigen Aylan Kurdi gesehen habe, gefror mir wirklich das Blut in den Adern.  (…)  Ich konnte nichts für ihn tun. Das einzige, wozu ich noch fähig war, war, seinem Schrei - dem Schrei seines am Boden liegenden Körpers - Gehör zu verschaffen. Ich musste den Auslöser betätigten. Hundert Meter weiter lag sein Bruder Galip am Boden. Ich bin zu ihm gegangen. Auch sein T-Shirt war hochgerutscht. Bei keinem von beiden, auch nicht bei der 150 Meter weiter von Galip entfernt liegenden Mutter Rehan, konnte man Schwimmwesten, Schwimmflügel oder etwas, was sie über Wasser hätte halten können, vorfinden."

+++ Vier-Sterne-Hotel für syrische Flüchtlinge +++
Brandenburg will ein Vier-Sterne-Hotel bei Frankfurt (Oder) komplett für Flüchtlinge anmieten. "Die Verhandlungen mit den Betreibern laufen", so das Innenministerium. Seit vergangenem Freitag leben dort bei laufendem Hotelbetrieb bereits 100 syrische Flüchtlinge, weil in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt Plätze fehlen. In dem Vier-Sterne-Haus gibt es etwa 350 Zimmer. Die übrigen Hotelgäste reagierten sehr verständnisvoll auf die Flüchtlinge, sagte Hotel-Sprecherin Iliane Dingel-Padberg. "Es hat niemand einen gebuchten Aufenthalt oder eine Veranstaltung storniert." So werde am Wochenende wie geplant ein Paar seine Hochzeit in dem Hotel feiern. "Die Brautleute haben extrem positiv reagiert" und sogar um Spenden für die Gäste aus Syrien gebeten.

+++ Reisende werden am Brenner kontrolliert +++
Urlaubsrückkehrer aus Italien müssen in den kommenden Tagen mit Grenzkontrollen am Brenner rechnen. Nach Angaben des ADAC könnte das längere Wartezeiten bedeuten. Wegen der erwarteten Ankunft Hunderter Flüchtlinge plant die italienische Polizei stichprobenartige Grenzkontrollen. Diese richteten sich auf Fahrzeuge, in denen "blinde Passagiere" transportiert werden könnten, also in erster Linie Lastwagen, Kleintransporter und Minivans. Jedoch müssten sich auch Fahrer von größeren Autos und Wohnwagen auf Behinderungen einstellen. Die Brennerautobahn gilt als eine der Hauptrouten für Schleuser in Europa.

+++ Merkel weist Orbans Vorwürfe zurück +++
Bundeskanzlerin Angela Merkel weist die Vorwürfe des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban wegen der deutschen Flüchtlingspolitik scharf zurück. Bei einem Besuch in der Schweiz sagt die CDU-Chefin: "Deutschland tut das, was moralisch und was rechtlich geboten ist. Und nicht mehr und nicht weniger." Orban hatte den Zustrom von Flüchtlingen als "deutsches Problem" bezeichnet. Die Migranten wollten nicht in Ländern wie Ungarn, Polen oder Estland bleiben. "Alle würden gerne nach Deutschland gehen." Merkel entgegnet bei einem Treffen in der Schweiz: Das ist ein "Problem, was uns alle in Europa angeht". Darin sei sie sich auch mit Frankreichs Präsident François Hollande einig.

+++ Juncker plant Umverteilung von 120.000 Flüchtlingen +++
EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will den Mitgliedstaaten vorschlagen, weitere 120.000 Flüchtlinge auf die EU-Länder zu verteilen. Damit solle auf die "sehr dringliche Situation in Italien, Ungarn und Griechenland" reagiert werden. Die 120.000 Menschen sollten über ein Quotensystem verteilt werden - zusätzlich zu der angestrebten Aufnahme von 40.000 Flüchtlingen, die auf freiwilliger Basis bereits vorgesehen ist.

+++ Ungarische Polizei verprügelt Journalisten +++
Die ungarische Polizei hat den Bahnhof im Budapester Vorort Bicske zum Einsatzgebiet erklärt. Alle Medienvertreter wurden zum Verlassen aufgefordert. Nach Angaben eines Reuters-Reporters setzt die Polizei auch Schlagstöcke ein, um Journalisten aus dem Bahnhof rund 35 Kilometer vor Budapest zu vertreiben. Eine Gruppe von Migranten protestiert an der Station dagegen, in ein nahe gelegenes Aufnahmelager gebracht zu werden.

3rib3454.jpg5389531132153337191.jpg

(Foto: dpa)

+++ Bosbach: Wertegemeinschaft funktioniert nicht mehr +++
Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach, hat kein Verständnis für das Verhalten der meisten EU-Länder in der Flüchtlingskrise. "Deutschland nimmt über 40 Prozent aller Flüchtlinge auf, die nach Europa gelangen. Das sind fast so viele, wie die anderen 27 EU-Länder zusammen", sagte Bosbach bei n-tv. An diesem Beispiel zeige sich, dass die europäische Wertegemeinschaft nicht mehr funktioniere. Es gebe viele EU-Länder, die die Hilfen aus Brüssel für ihre Landwirtschaft oder andere Bereiche gerne in Anspruch nähmen. Bei humanitärer Hilfe hielten sie sich aber zurück. "Mit einer Wertegemeinschaft hat das nichts zu tun", so der CDU-Politiker.

+++ Totes Kind am Strand: Mutmaßliche Schleuser gefasst +++
Nachdem Fotos eines ertrunkenen Flüchtlingskindes aus Syrien weltweit Betroffenheit ausgelöst haben, sollen die mutmaßlichen Schleuser des Kindes in der Türkei festgenommen worden sein. Das melden türkische Medien. Die Leiche des kleinen Jungen war an einem Strand nahe dem Ferienort Bodrum gefunden worden. Er saß vermutlich in einem Flüchtlingsboot, das am Mittwochmorgen sank.

+++SPD lehnt Mindestlohn-Ausnahmen für Flüchtlinge ab +++
Der Deutsche Landkreistag will Ausnahmen vom Mindestlohn für Flüchtlinge. Die SPD wendet sich nun strikt dagegen: Katja Mast, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion sagt: "Wir wollen keine Arbeitnehmer erster und zweiter Klasse", erklärte sie. "Wir wollen Lohndumping verhindern." Der Vorschlag der Landkreise sieht vor, den Mindestlohn für Flüchtlinge für drei Monate auszusetzen.

+++ Angst vor Lager: Flüchtlinge springen von Zug ab +++
Die Nachricht, dass Ungarn einen ersten Zug Richtung Österreich auf Höhe eines Aufnahmelagers gestoppt hat, spricht sich am Budapester Ostbahnhof herum. Als ein zweiter Zug den Bahnhof Richtung Westen verlässt, springen noch etliche Menschen in letzter Minute ab, als sie die Nachricht erreicht.

+++ Ungarn verstärkt Sicherheitskräfte an Grenze zu Serbien +++
Der Grenzzaun verfehlt offenbar seine Wirkung, alleine gestern sind über 2000 Flüchtlinge in Ungarn angekommen - die meisten über die Grenze zu Serbien. Zum 15. September könnte es für Flüchtlinge schwerer werden, einzureisen. Ab dann will Ungarn die Grenzlinie mit einem verstärkten Aufgebot von Polizei und Militär sichern. Dazu soll es in den kommenden Tagen eine entsprechende Gesetzesänderung geben.

+++ Unionsfraktionschef Kauder kontert Aussage Orbáns +++
In Berlin ist man über die Aussage Viktor Orbáns, die Flüchtlingskrise sei "ein Problem Deutschlands", nicht besonders erfreut. Unionsfraktionschef Volker Kauder sagt, die Aussage sei falsch: "Dublin ist nicht außer Kraft gesetzt." Flüchtlinge müssten weiterhin in dem Land registriert werden und verbleiben, in dem sie die EU betreten. "Wenn Ungarn Dublin infrage stellt, dann müssen wir ernsthaft miteinander über den Zustand in der Europäischen Union reden", sagte Kauder.

+++ Familie des ertrunkenen Jungen wollte nach Kanada +++
Die Familie von Ailan Kurdi wollte offenbar nach Kanada fliehen. Die Zeitung "Ottawa Citizen" berichtet, der Vater des toten syrischen Jungen am Strand habe mit seiner Frau und seinen drei Söhnen nach Vancouver reisen wollen. Dort lebt seit 20 Jahren die Tante von Ailan. Nur der Vater überlebte, als das Boot auf dem Weg Richtung Kos kenterte.

+++ Pro Asyl fordert Aufnahme der Budapest-Flüchtlinge +++
Die Nichtregierungsorganisation Pro Asyl fordert Kanzlerin Angela Merkel dazu auf, die in Budapest festsitzenden Flüchtlinge nach Deutschland ausreisen zu lassen. "Humanität ist das Gebot der Stunde", sagte  Pro-Asyl- Geschäftsführer Günter Burkhardt. "Es geht aber auch um die Grundwerte der Europäischen Union."

+++ War Öffnung des Bahnhofs ein politischer Schachzug? +++

Was bezweckt Viktor Orbán mit der Öffnung des Bahnhofs in Budapest? n-tv Reporter Dirk Emmerich hat sich unter den Ungarn umgehört: 

+++ Zug zur Grenze stoppt auf Höhe eines Aufnahmelagers +++
War die Öffnung des Bahnhofs nur eine Finte? Wie die ungarische Agentur MIT meldet, hat die Polizei einen Zug mit bis zu 300 Flüchtlingen nach rund 40 Kilometern in Bicske wieder gestoppt. Dort wies die Polizei die Menschen demnach an, den Zug zu verlassen und in bereitstehende Busse zu steigen. Diese brachten die Flüchtlinge in eines der größten Aufnahmelager Ungarns. Die seit zwei Tagen in Budapest gestrandeten Menschen waren in dem Glauben in den Zug gestiegen, an die Grenze zu Österreich gebracht zu werden.

+++ Österreichs Bahn erwartet Umsteiger an der Grenze +++
An der ungarisch-österreichischen Grenze erwarten die Österreichischen Bundesbahnen die Ankunft mehrerer Züge mit Flüchtlingen aus Budapest. In Sopron könnten die Menschen dann in Züge umsteigen, die sie nach Wien bringen, so eine Sprecherin. Zuvor sollen sie noch einmal von den ungarischen Behörden kontrolliert werden. In Budapest war am Morgen der Bahnhof wieder für Flüchtlinge geöffnet worden. Grenzüberschreitende Verbindungen Richtung Westen gibt es jedoch nicht.

imago_st_0903_10210001_65588819.jpg5627605313664475170.jpg

(Foto: imago/CTK Photo)

+++ Tschechien nummeriert Flüchtlinge nicht mehr +++
In Tschechien verzichten Polizisten künftig auf die Nummerierung von Flüchtlingen - eine Praxis, die zuvor viel Kritik in sozialen Netzwerken ausgelöst hatte. "Die Einsatzregeln sind präzisiert worden, so dass es nicht mehr zu ähnlichen Situationen kommen kann", teilt das Innenministerium in Prag mit. Zuvor waren Fotos durchs Netz gegangen, auf denen Polizisten mit Filzstiften Zahlen auf die Hände von Flüchtlingen schrieben. Kritiker erinnerte das an die Kennzeichnung von Häftlingen in deutschen Konzentrationslagern während der NS-Diktatur. "Es kam dazu wegen der Zeitnot, in der sich die Polizisten befanden, und vor allem, damit Kinder in der großen Menge nicht von ihren Eltern getrennt werden", versuchen die Behörden das Vorgehen zu erläutern.

+++ "Keine Party neben Flüchtlingen": Bread & Butter abgesagt +++
Die Berliner Modemesse Bread & Butter im Januar fällt aus. Grund seien die Überlegungen des Senats, in zwei der sieben Hangars Flüchtlinge unterzubringen. "Wir können keine Party neben traumatisierten Flüchtlingen machen", sagte ein Sprecher des Modehändlers Zalando, der die insolvente Messe im Juni gekauft hatte. Nun werde für Anfang 2016 eine Wohltätigkeitsveranstaltung zugunsten von Flüchtlingen vorbereitet, sagte der Sprecher. Das Unternehmen wolle zudem dem Land helfen, die Hangars für die Unterbringung auszurüsten.

+++ Profiboxer Harutyunyan trainiert Flüchtlinge +++
Schöne Geste von Profiboxer Artem Harutyunyan: In einer Hamburger Erstaufnahmeeinrichtung trainiert er syrische Flüchtlinge. Harutyunyan ist selbst 1991 mit seinen Eltern aus dem armenischen Eriwan nach Deutschland gekommen. Er ist heute eine der deutschen Medaillenhoffnungen für die Olympischen Spiele 2016. Hier ein paar Bilder der gestrigen Aktion:

3rig3859.jpg1631332379103003470.jpg

(Foto: dpa)

3rig4444.jpg7551721800908182825.jpg

(Foto: dpa)

+++ Zug verlässt Budapester Bahnhof Richtung Grenze +++
Den Budapester Keteli-Bahnhof hat ein erster Zug mit Flüchtlingen verlassen. Die Bahn wird nach Sopron fahren, das liegt an der Grenze zu Österreich.

+++ Tusk: EU-Staaten müssen "Anstrengungen verdoppeln" +++
Auch EU-Ratspräsident Donald Tusk hat nun Viktor Orbán getroffen. Dabei fordert er die "faire Verteilung" von "mindestens 100.000 Flüchtlingen" in Europa. Die Staaten müssen die Krise "ernsthaft angehen", mahnt er an. Er rief alle EU-Staats- und Regierungschefs auf, "ihre Anstrengungen zu verdoppeln" und "Solidarität" mit den Staaten zu zeigen, die Hauptziel der Flüchtlinge seien.

+++ CDU und CSU einigen sich auf Hürden in Asylpolitik +++
Die Unionsfraktion einigt sich bei ihrer Vorstandsklausur auf zwölf Eckpunkte, mit denen sie Hürden in der Asylpolitik aufbauen will. Es sollen Anreize für eine Flucht nach Deutschland verringert werden. So will die Unionsfraktion unter anderem bei der Erstaufnahme von Flüchtlingen in Zukunft nur noch Sachleistungen gewähren. Denn "Bargeld bildet für Menschen aus armen Ländern einen nicht zu unterschätzenden Anreiz, nach Deutschland zu kommen", meint die Union. Die Forderungen der Union müssen noch mit dem Koalitionspartner SPD abgesprochen werden. Dies soll beim Treffen der Koalitionsspitzen am Sonntag im Kanzleramt geschehen. Außerdem müssen die Länder ins Boot geholt werden.

imago_st_0903_07490001_65610061.jpg3930607669310046454.jpg

(Foto: imago/ZUMA Press)

+++ 4000 Flüchtlinge werden nach Piräus verschifft +++
Piräus bereitet sich auf die Ankunft von rund 4000 Flüchtlingen vor. Sie sollen von zwei Fähren von den Inseln Lesbos und Kos abgeholt werden. Am späten Abend werden sie in der Hafenstadt erwartet. Um sich ein Bild von der Lage zu machen, reisen EU-Kommissions-Vizepräsident Frans Timmermans und der für Migrationsfragen zuständige EU-Kommissar Dimitris Avramopoulos heute nach Athen. Am Freitag wollen sie auch Kos besuchen, teilt die griechische Regierung mit.

+++ In Budapest stehen Züge zur Grenze bereit +++
Womöglich gibt es nun doch Züge von Budapest Richtung Österreich. Am Morgen wurden auf dem Keleti-Bahnhof zwei Züge angekündigt, die nach Sopron fahren sollten. Das liegt an der Grenze zu Österreich. Ein Zug stand schon bereit, Flüchtlinge drängten sich in die Abteile. Der zweite Zug ist noch nicht da. Zuvor hieß es noch in Durchsagen, es gebe keine Verbindungen nach Westeuropa.

+++ Bevölkerung wächst durch Zuwanderung +++
So attraktiv wie letztes Jahr war Deutschland seit 1992 nicht mehr für Einwanderer: 2014 zogen 1,46 Millionen Menschen aus dem Ausland nach Deutschland. Das ist ein Anstieg von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl beinhaltet wohl gemerkt nicht ausschließlich Flüchtlinge, sondern auch Zuwanderer aus der EU oder deutsche Rückkehrer. Die Zahl der Asylbewerber weist die Zahl explizit nicht aus.

Im Gegenzug zogen 914.000 Menschen aus Deutschland fort - auch diese Zahl ist gestiegen, und zwar um 15 Prozent. Das ergibt ein Saldo von 550.000 Menschen, die Deutschland jetzt hinzugewonnen hat.

+++ Orbán: "Ein deutsches Problem" +++
Der ungarische Regierungschef Viktor Orbán sieht die Ursachen der jüngsten Zuspitzung der Flüchtlingskrise in Deutschland. "Das Problem ist nicht ein europäisches Problem, das Problem ist ein deutsches Problem", sagte Orbán bei einem Besuch in Brüssel. Keiner der Flüchtlinge wolle "in Ungarn bleiben", "alle wollen nach Deutschland gehen". Orbán erhofft sich von seinem Besuch bei der Europäischen Union mehr Hilfe bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise in seinem eigenen Land.

+++ Flüchtlinge drängen in Budapest in Züge  +++

Live vor Ort berichtet Carsten Lueb:

 

+++ Rechter Wachmann in Heidenau fliegt raus +++
Ein Wachmann, der das Flüchtlingsheim in Heidenau bewachen sollte, ist aufgrund rechter Sympathien entlassen worden. "Gegenüber rechten oder gar fremdenfeindlichen Tendenzen haben wir eine Null-Toleranz-Politik", sagte ein Sprecher der Sicherheitsfirma Securitas. Der Mann sei in einem Subunternehmen angestellt gewesen. Nach einem Hinweis, dass der Wachmann in sozialen Medien mit rechtem Gedankengut sympathisiere, wurde er vom Wachdienst abgezogen.

tanea.JPG

+++ Athens Presse zu Foto des toten Jungen: "Es reicht" +++
Auch die Presse in Griechenland - dem Land, das der kleine Ailan Kurdi eigentlich per Boot erreichen sollte - ist schockiert von dem Foto, das derzeit viele Menschen bewegt. "Es reicht", titelt die Athener Zeitung "Ta Nea" über dem Bild des Kindes auf der ersten Seite. Europa zeige sich "unzulänglich" in dem Migrations-Drama.  Ähnlich die linke Zeitung "Efimerida ton Syntakton": "Was versteht Ihr denn nicht?", fragt das Blatt in Richtung Europa. Die Werte der Europäischen Kultur würden zu Land und zu Wasser auf die Probe gestellt, meint das Blatt.

+++ Zahl der Empfänger von Asylleistungen steigt +++
Ende des vergangenen Jahres haben rund 363.000 Menschen Asylbewerberleistungen bezogen. Das sind 61 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Damit steigt diese Zahl zum fünften Mal in Folge, so das Statistische Bundesamt. Die meisten der Bezieher kommen aus Europa und Asien - dahinter verbergen sich im Wesentlichen Asylbewerber aus den Balkanstaaten und Syrien sowie Afghanistan.

+++ Ungarn erreichen über 2000 Flüchtlinge an einem Tag +++
In Ungarn sind alleine am gestrigen Mittwoch 2061 illegale Einwanderer aufgriffen worden. Das berichtet die ungarische Agentur MTI. Die meisten der Flüchtlinge seien trotz des Grenzzauns über die serbische Grenze gekommen. Heute reist Regierungschef Viktor Orbán nach Brüssel, er will um Hilfe in der Flüchtlingskrise bitten.

+++ Regierung bereitet Anti-Schleppereinsatz vor +++
Die Bundesregierung bereitet nach einem Bericht von Spiegel Online ein Mandat für ein internationales militärisches Vorgehen gehen Schlepper im Mittelmeer vor. Das Auswärtige Amt und das Bundesverteidigungsministerium seien sich einig, dass dafür die Zustimmung des Bundestages erforderlich sei. Derzeit prüft der UN-Sicherheitsrat ein internationales Mandat für eine solche Mission unter Federführung der EU. Deutsche Marineschiffe sind zwar bereits im Mittelmeer im Einsatz, bislang beteiligen sich aber nur leicht bewaffnete Soldaten an Rettungseinsätzen für in Seenot geratene Flüchtlinge. Kritik an dem Vorhaben übte die Grünen-Verteidigungsexpertin Agniezka Brugger. "Die Ausweitung dieser Mission ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer", sagte sie Spiegel Online.

+++ Flüchtlinge besteigen falschen Zug +++
Nach dem Rückzug der ungarischen Polizei vom Budapester Ostbahnhof haben Flüchtlinge versucht, an Bord eines Zuges zu gelangen. Nach Informationen des ungarischen Nachrichtenportals "index.hu" stiegen sie am Donnerstagmorgen auf der Suche nach Zügen in Richtung Westen in einen Zug, der Richtung Serbien fahren sollte. Als sie ihren Irrtum bemerkt hätten, seien sie wieder ausgestiegen. Die ungarische Eisenbahngesellschaft MAV erklärte am Vormittag, es gebe keine direkten Züge von Budapest nach Westeuropa. Auf dem Bahnhof gab es entsprechende Durchsagen.

Quelle: ntv.de, ppo/jog/dpa/AFP/rts