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In einer Nato-Erklärung zu dem Luftangriff auf das Krankenhaus in Kundus war von einem "Kollateralschaden" die Rede.
In einer Nato-Erklärung zu dem Luftangriff auf das Krankenhaus in Kundus war von einem "Kollateralschaden" die Rede.(Foto: dpa)
Samstag, 03. Oktober 2015

Ban will "unabhängige Untersuchung": Uno spricht von möglichem Kriegsverbrechen

Mindestens 19 Menschen sterben bei dem Luftangriff auf ein von Ärzte ohne Grenzen geführtes Krankenhaus. Pentagonchef Ashton Carter spricht von einem "tragischen Vorfall". Die Vereinten Nationen verurteilen den Angriff scharf - und fordern Aufklärung.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Luftangriff auf eine Klinik der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen im afghanischen Kundus scharf verurteilt. Wie sein Büro mitteilte, forderte er zugleich eine "gründliche und unabhängige Untersuchung", um festzustellen, wer verantwortlich sei.

Der Vorfall sei "absolut tragisch, unentschuldbar und vielleicht sogar kriminell", erklärte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Seid al-Hussein. Seid forderte eine transparente Untersuchung des Angriffs. Sollte dieser sich vor einem Gericht als vorsätzlich herausstellen, "könnte ein Luftangriff auf ein Krankenhaus ein Kriegsverbrechen darstellen".

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Die Zahl der Todesopfer bei dem Angriff auf das von der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) geführte Krankenhaus erhöhte sich unterdessen auf mindestens 19. Darunter seien zwölf MSF-Mitarbeiter, sagte eine Sprecherin der Organisation. Weitere 37 Menschen - 19 Klinikmitarbeiter und 18 Patienten sowie Angehörige - wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt.

Pentagonchef spricht von "tragischem Vorfall"

US-Verteidigungsminister Ashton Carter sprach nach dem Bombenangriff von einem "tragischen Vorfall". Dieser werde jetzt untersucht, hieß es in einer schriftlichen Mitteilung. "Während wir noch herauszufinden versuchen, was genau passiert ist, möchte ich allen Betroffenen sagen, dass ich ihnen meine Gedanken und Gebete widme."

Carter zufolge wurde in dem Gebiet in den vergangenen Tagen heftig gekämpft. Zum Zeitpunkt des Beschusses hätten US-Kräfte und Taliban-Kämpfer in der Nähe operiert. "Eine volle Untersuchung ist in Abstimmung mit der afghanischen Regierung im Gange", erklärte der Pentagonchef weiter. "Zu diesem schwierigen Zeitpunkt werden wir weiterhin mit unseren afghanischen Partnern zusammenarbeiten, um zu versuchen, die andauernde Gewalt in und um Kundus zu beenden."

GPS-Koordinaten waren bekannt

Die Nato erklärte, möglicherweise sei die Klinik bei einem Luftangriff der Allianz getroffen worden. In einer Erklärung war von einem möglichen "Kollateralschaden" die Rede. Es seien Ermittlungen eingeleitet worden.

US-Militärflugzeuge hatten das Krankenhaus der Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) offensichtlich versehentlich getroffen. Laut MSF dauerte der Angriff in der Nacht zum Samstag eine halbe Stunde an - auch noch nach einer Mitteilung an die afghanische und die US-Armee über einen ersten Einschlag. Zudem sei die genaue Lage der Klinik mit GPS-Koordinaten an alle Konfliktparteien kommuniziert worden, auch an Kabul und Washington, hieß es.

Quelle: n-tv.de