Politik

Family Affairs in den USA Warum Familienclans die Politik dominieren

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Zwei Wahlkampfmaschinen: Hillary und Bill Clinton vor Stars and Stripes.

(Foto: REUTERS)

Nur an Genen, Erfahrung oder Netzwerken liegt es nicht. Die Kandidatur von Hillary Clinton für das Präsidentenamt zeigt: Die US-Politik krankt an Vetternwirtschaft in beispiellosem Ausmaß.

Von 2049 bis 2057 wird Jenna Bush das Land führen. Als Vizepräsidentin holt die Enkeltochter von George Bush ihre Zwillingsschwester Barbara ins Weiße Haus. Die erste reine Geschwister-Herrschaft in der Geschichte der Vereinigten Staaten ist perfekt. Vor einigen Jahren ging die Seite www.bushandclintonforever.com online. Angefangen mit George Bush 1989 und Bill Clinton 1993 listet sie die US-Präsidenten bis zum Jahr 2057 auf. Den aktuellen Amtsinhaber Barack Obama übergeht sie. Auf der Liste finden sich nur Bushs und Clintons.

Die Parodie im Netz ist beliebt - aus gutem Grund. In den USA dominieren Familienclans die Politik. Mit großer Wahrscheinlichkeit wird die frühere First Lady Hillary Clinton, die am Wochenende ihre Kandidatur bekanntgab, 2016 gegen Jeb Bush, den Sohn von George W. Bush, antreten. Denn es gilt als sicher, das auch der seine Kandidatur in Kürze bekanntgeben wird. Clinton-Bush - schon wieder. Von Zufall kann keine Rede sein. Die US-Politik krankt in beispiellosem Ausmaß an Vetternwirtschaft.

Die Familien Bush und Clinton sind keineswegs die ersten Dynastien. Mit John Quincy Adams übernahm 1825 erstmals der Sohn eines Präsidenten das Amt. Zwischen ihm und Vater John Adams lag allerdings ein Vierteljahrhundert.

Wirklich augenscheinlich wurden Formen des Nepotismus erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts - mit den Kennedys. John F. Kennedy schrieb während seiner Präsidentschaft fast prophetisch: "Wenn mir etwas zustößt, wird Bobby an meine Stelle treten. Und wenn Bobby geht, haben wir noch Teddy." Zwar wurde Bobby nach seiner Kandidatur für das höchste Amt erschossen, und auch Bruder Edward schaffte es nicht in das Weiße Haus. Als Justizminister und Senator waren sie dennoch politische Schwergewichte. Und bis heute mischen Kennedys in der amerikanischen Politik mit - mittlerweile in der Generation der Enkelkinder JFK's.

Die Bushs könnten diese Dynastie allerdings übertrumpfen. Sollte es Jeb Bush gelingen, die Wahlen 2016 zu gewinnen, wäre er das dritte Familienmitglied im höchsten Amt. Das hat es in der amerikanischen Geschichte noch nicht gegeben. Der Autor des Buches "Amerikanische Dynastie", Kevin Phillips, schrieb schon vor Jahren: "Mehr und mehr nimmt die nationale Politik die Aura einer großen Familienarena an."

Geld ist Macht

Die "New York Times" hat sich vor einigen Wochen die Mühe gemacht, zu berechnen, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, ein politisches Amt zu ergattern, wenn schon der Vater Amtsträger war. Angesichts der kleinen Stichprobe ist die Zahl statistisch zwar angreifbar, doch laut dem Blatt ist es 1,4 Millionen Mal wahrscheinlicher Präsident zu werden, wenn es der Vater schon gewesen ist. Bei Senatoren ist die Wahrscheinlichkeit 8500 Mal höher, bei Gouverneuren 6000 Mal.

Natürlich geben erfolgreiche Politiker ihre Gene, Netzwerke und viel ihrer Erfahrung an ihre Sprösslinge weiter. Sie können ihren Kindern auch eine Elite-Ausbildung ermöglichen. Laut der Untersuchung der "New York Times" klafft aber eine gewaltige Kluft zwischen dem Polit-Betrieb und anderen gesellschaftlichen Feldern, in dem diese Mechanismen greifen können. Zum Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit, als Sohn eines Trägers des Pullitzer-Preises ebenfalls diese Ehrung zu erfahren ist nur 1600 Mal größer als bei jemanden, der keinen derart erfolgreichen Journalisten als Vater hat. Ähnlich verhält es sich bei Grammy-Gewinnern und ihren Kindern.

Gründe für die ausufernde Vetternwirtschaft im Weißen Haus und dem Kongress gibt es viele: Medien stilisieren die Familienclans zum Adelsersatz für das geneigte Publikum. In der Politik ist außerdem schon viel gewonnen, wenn der Name eines Kandidaten schon bekannt ist. Vor allem gründet sich die erfolgreiche Vetternwirtschaft aber auf eines: Geld.

Hillary Clinton gab bei ihrer Kandidatur 2008 fast 200 Millionen US-Dollar für den Vorwahlkampf aus. Ohne den Rückhalt einer wohlhabenden Familie und die Fähigkeit Spenden einzutreiben besteht praktisch keine Chance auf einen Sieg. Und so verwundert kaum, dass mehr als die Hälfte aller Senatoren und Abgeordneten des Kongresses Millionäre sind. Dass Kennedys, Bushs oder Clintons alle fünf Jahre den am besten geeigneten Kandidaten für das umkämpfte Amt stellen ist dagegen sehr unwahrscheinlich.

Quelle: ntv.de

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