Politik

Jung, radikal, kampferprobt Wer sind die Attentäter von Paris?

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Die Spuren der Männer führen nach Belgien.

(Foto: REUTERS)

Schritt für Schritt gelingt es den Sicherheitskräften, die Attentäter von Paris zu identifizieren. Es sind Männer Mitte 20, die von Belgien aus den Weg zum IS suchten und offenbar nach einem in Syrien geschmiedeten Plan handelten. Was die Ermittler inzwischen über die einzelnen Täter zusammengetragen haben.

Der erste Name, den die Polizei verifizieren konnte, war der von Omar Ismail Mostefai. Der 29-Jährige stammte aus der Nähe von Paris. Er hatte sich beim Überfall auf die Konzerthalle Bataclan in die Luft gesprengt. Mostefai konnte anhand von DNA-Spuren identifiziert werden.

Mostefai wurde am 21. November 1985 in Courcouronnes geboren, einem Neubaughetto im äußersten Süden von Paris. Er wuchs als einer von vier Brüdern und zwei Schwestern in dem Banlieu auf, brach die Schule ab. Zwischen 2004 und 2010 wurde er achtmal wegen kleinerer Vergehen verurteilt, Fahren ohne Führerschein, Beamtenbeleidigung, Verdacht auf Drogenvergehen. Eine Haftstrafe musste er aber nicht verbüßen.

Schon 2010 hatten ihn die Behörden wegen seiner Radikalisierung im Visier. Nach Angaben des Pariser Staatsanwalts François Molins sei gegen ihn aber nie wegen Terrorverdachts ermittelt worden. Inzwischen hatte der junge Mann eine Frau und eine Tochter, lebte in "La Madeleine", einer Sozialbausiedlung am Ostrand von Chartres. Nach Angaben aus Polizeikreisen besuchte Mostefai regelmäßig eine Moschee in Lucé, einem Vorort von Chartres, etwa 80 Kilometer südwestlich von Paris. Offenbar fiel niemandem auf, dass Mostefai 2014 über die Türkei nach Syrien reiste. Hier soll er seine Terror-Ausbildung absolviert haben.

Die Abdeslam-Brüder

Der zweite Name, den inzwischen jeder in Europa kennt, ist Salah Abdeslam. Nach dem 26-Jährigen wird international gefahndet. Der in Brüssel geborene Franzose ist 1,75 Meter groß, hat braune Augen und gilt als extrem gefährlich. Die Ermittler halten ihn für den Logistik-Koordinator der Anschläge, weil er unter anderem den VW Polo anmietete, der nahe der Konzerthalle Bataclan gefunden wurde. Abdeslam lebte im Brüsseler Vorort Molenbeek, einer der ärmsten belgischen Gemeinden mit einem hohen Ausländeranteil.

Salah Abdeslam konnte flüchten, obwohl er in der Nacht zum Samstag an der französisch-belgischen Grenze in eine Polizeikontrolle geriet. Sein Bruder Ibrahim Abdeslam starb als Selbstmordattentäter auf dem Boulevard Voltaire. Auch der 31-jährige lebte zuvor in Molenbeek. Ein dritter Abdeslam-Bruder, Mohammed, wurde in Belgien festgenommen. Auch er soll mutmaßlich in die Anschläge von Paris verwickelt sein.

Immer wieder Syrien

In Molenbeek lebte auch ein weiterer identifizierter Attentäter: Bilal Hadfi. Er gilt als Freund der Abdeslam-Brüder. Hadfi wurde am 22. Januar 1995 in Frankreich geboren. Offenbar kämpfte er mehrere Monate in Syrien in den Reihen des Islamischen Staates. Nach Angaben der "Washington Post" war er kurz vor den Anschlägen nach Belgien zurückgekehrt. Der 20-Jährige sprengte sich am Stade de France in die Luft.

Der Name eines zweiten Attentäters, der an dem Fußballstadion starb, in dem zu diesem Zeitpunkt die deutsche und die französische Nationalmannschaft gegeneinander spielten, wird mit Ahmad al-Mohammad angegeben. Bei ihm wurde ein syrischer Pass gefunden. Der Inhaber des Passes wurde 1990 im syrischen Idlib geboren. Er war im Oktober als Flüchtling in Griechenland registriert worden. Die Echtheit des Passes müsse aber noch bestätigt werden, betonte die Pariser Staatsanwaltschaft.

Noch ist offen, ob der Pass von dem Attentäter geklaut, gekauft oder gefälscht wurde. Allerdings stimmen die Fingerabdrücke des Mannes mit jenen überein, die bei der Registrierung des Flüchtlings in Griechenland aufgenommen wurden. Sollten sich diese Zusammenhänge bestätigen, könnte al-Mohammad direkt aus Syrien nach Europa gereist sein, um sich an den Anschlägen zu beteiligen.

Die französische Staatsanwaltschaft bestätigte zudem die Identität von Samy Amimour. Der 28-Jährige aus Drancy bei Paris war an dem Angriff auf die Konzerthalle Bataclan beteiligt. Er wurde demnach am 15. Oktober 1987 in Paris geboren und war im Oktober 2012 Ziel von Ermittlungen wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, weil er in den Jemen ausreisen wollte. Obwohl er unter richterlicher Überwachung stand, war es Amimour gelungen, sich abzusetzen. Gegen ihn bestand seit 2013 ein internationaler Haftbefehl. Die Nachrichtenagentur AFP berichtete unter Berufung auf Familienmitglieder, Amimour habe sich vor etwa zwei Jahren nach einer Phase der Radikalisierung in Syrien aufgehalten.

Grausamer IS-Mastermind

Wie viele Täter an den Angriffen beteiligt waren, ist noch unklar. Die Polizei geht bislang von drei Täterteams aus. Sieben Attentäter sind ums Leben gekommen. Das ist offiziell bestätigt. Sechs haben sich demnach nach dem Überfall auf die Konzerthalle Bataclan oder bei den Anschlägen in der Nähe des Stade de France in die Luft gesprengt. Einer wurde von Polizeikräften erschossen.

Als Hauptverantwortlichen für die Anschlagsserie sehen die Ermittler offenbar den Belgier Abdelhamid Abaaoud. Das berichteten die belgischen Tageszeitungen "De Standaard" und "Het Nieuwsblad" unter Berufung auf belgische Sicherheitsdienste. Mindestens einer, wenn nicht zwei der Selbstmordattentäter seien Freunde von Abaaoud gewesen. Auch Abaaoud stammt ursprünglich aus dem Brüsseler Problembezirk Molenbeek. Der 28-Jährige Belgier mit marokkanischen Wurzeln gilt bereits seit längerem als der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er soll sich zuletzt in Syrien aufgehalten und dort für die Terrormiliz Islamischer Staat gekämpft haben und sei für seine Brutalität bekannt gewesen. Möglicherweise plante er die Anschläge von Syrien aus.

Abaaoud soll auch Hintermann einer Terrorzelle gewesen sein, die in Belgien Anschläge gegen Polizisten plante. Bei einem Großeinsatz gegen die Gruppe im ostbelgischen Vervier waren im Januar zwei mutmaßliche Dschihadisten getötet worden.

Quelle: n-tv.de