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Anschlag von Köln Jetzt bitte keine Vorwürfe

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Als Sozialdezernentin war Henriette Reker in Köln auch zuständig für die Unterbringung von Flüchtlingen.

(Foto: REUTERS)

Bevor jemand auf die Idee kommt, der CSU eine Mitverantwortung für den schrecklichen Anschlag auf die Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker zu geben: Tut es nicht.

Fremdenfeindliche Motive habe der Mann genannt, der am Samstag die Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Henriette Reker mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt hat, sagt die Polizei. So ein Glück. Man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, hätte er nicht, wie von Augenzeugen berichtet, "ich rette den Messias" gerufen, sondern "Allahu akbar".

Viel Phantasie ist nicht nötig, um sich ein solches Szenario auszumalen. Die muslimischen Verbände wären aufgerufen worden, sich von dieser Tat zu distanzieren. Bald hätte der erste Politiker gefordert, schnellstmöglich die Grenzen für Flüchtlinge zu schließen.

Und jetzt? Wird jemand auf die Idee kommen, die christlichen Kirchen zu einer Distanzierung aufzurufen? Natürlich nicht – es wäre auch ein grenzenlos dummes Ansinnen. Wird ein Politiker einzelnen CDU-Politikern oder der CSU vorwerfen, sie hätten dazu beigetragen, ein Klima von Angst und Hass zu schaffen, in dem dieser schreckliche Anschlag möglich war?

Hoffentlich nicht. Es stimmt, Leute wie der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer haben in den vergangenen Tagen nicht jedes Wort auf die Goldwaage gelegt – von Notwehr zu sprechen beispielsweise war fahrlässig. Wahr ist aber auch: Die weitaus meisten Politiker, auch aus CSU und CDU, sind bemüht, die Flüchtlinge nicht als anonyme, bedrohliche Masse darzustellen, sondern als Menschen mit Einzelschicksalen. Zuletzt tat dies etwa Innenminister Thomas de Maizière in seiner Rede im Bundestag. Am selben Tag forderte Seehofer nicht nur eine Begrenzung der Zuwanderung, sondern betonte auch, Bayern sei ein Land der gelingenden Integration.

Und noch etwas ist richtig: Würde die Politik die Probleme verschweigen, die sich ja durchaus aus der hohen Zahl von Flüchtlingen ergeben, wäre dies ein sehr viel stärkerer Nährboden für Angst und Hass, als es irgendeine Politiker-Rede sein könnte.

Der Attentäter soll psychiatrisch untersucht werden, das Ergebnis liegt noch nicht vor. Unabhängig von dieser Untersuchung darf man ganz laienhaft wohl feststellen: Wer mit einem Messer auf Politiker losgeht, ist geistig verwirrt. Verantwortlich für das Attentat auf Henriette Reker ist weder der Messias noch die CSU, sondern nach allem, was bisher bekannt ist, allein der Attentäter. Die Attacke sei ein Angriff auf alle, die sich öffentlich für das Gemeinwohl einsetzen, twitterte der nordrhein-westfälische Grünen-Chef Sven Lehmann kurz nach der Tat. "Gut, wenn jetzt alle zusammenrücken!" So ist es.

Quelle: n-tv.de

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