Österreich-Newsletter

Österreich verfällt dem Voodoo Beine zusammen in Wiens U-Bahnen!

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Servus und herzlich willkommen zur neuen Ausgabe von "Jetzt ist schon wieder was passiert", dem Österreich-Newsletter bei n-tv.de!

Endlich ist Schluss mit Abtasten! Heute sondieren Sebastian Kurz und die Grünen zum allerletzten Mal, bevor sich die beiden Parteien bekennen müssen: Wollen wir ernsthafte Koalitionsgespräche wagen? Was dafür und was dagegen spricht, habe ich für n-tv.de hier analysiert. Für ganz Eilige hier ein kleiner Spoiler: Der inhaltliche Dissens zwischen Kurz' ÖVP und den Grünen könnte bei vielen Themen kaum größer sein. Versuchen werden sie es wohl trotzdem, allein schon, weil es an Alternativen fehlt.

Im Newsletter beschäftigen wir uns heute mit Österreichs Version von Tom Waits: Voodoo Jürgens bringt ein neues, fantastisch schräges Album raus. In Deutschland hat ihn schon ein Millionenpublikum gesehen, vielleicht auch Sie - und wahrscheinlich haben Sie es gar nicht bemerkt. Außerdem: eine ungewöhnliche Erziehungsmaßnahme für Männer in den Wiener U-Bahnen.

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Ohrwaschlkräuler: Ohrwurm

An österreichischem Pop kam kein deutsches Radio vorbei in den vergangenen Jahren. Bands wie Bilderbuch und Wanda spielen umjubelte Konzerte von München bis Flensburg; als es den "Echo" noch gab, waren Wanda als "Newcomer international" nominiert. Der Liedermacher Voodoo Jürgens lässt sich von Erfolgs wegen auch in diese Liste einsortieren, musikalisch passt er eher nicht hinein. Während viele Bands Made in Austria "mit Exportschlagern zu Exportschlagern wurden" (SZ), übersetzt Voodoo Jürgens den räudigen Charme der Tschocherln (Kneipen) in seine schräge Spielart des traditionellen Wienerlieds. Heute erscheint sein zweites Album "'S klane Glücksspiel" und auch wenn es von vorn bis hinten einfach urleiwand ist, sei an dieser Stelle ein dringlicher Hinweis ausgesprochen: Ohne Wörterbuch "Deutsch - Österreichisch" dürfte der durchschnittliche Deutsche nur den halben Schmäh verstehen und das wäre jammerschade.

Voodoo Jürgens, bürgerlich David Öllerer, Markenzeichen fettige Vokuhila und Schnauzbart, erzählt Geschichten von unten, von windigen Typen auf der Suche nach dem kleinen Glück, von ihrem unvermeidlichen Scheitern und von kleinen Triumphen, wenn sie im Titelsong aus dem Automaten "a schönes Knödl aussezahn" und der Geliebten Schmuck kaufen können, falls nicht im nächsten Moment eh schon wieder alles dahin ist. Auf dem "Eislaufplotz" hat sich der Horstl mit der Skukarek geschlichen und natürlich gab's dann Ärger, irgendwer zieht ein Butterfly, aber alles halb so wild. In "2 Liter Eistee" besingt Voodoo Jürgens eine verwahrloste Jugend in Airmax-Schuhen, die von einem Drittklässler "gefladert" (geklaut) sind. Wobei "singen" die Sache eh nicht trifft, eher nölt, jammert und raunzt sich Öllerer durch seine Texte, meist begleitet von Kontrabass, Ziehharmonika und Bläsern, die vortrefflich windschief durch den Raum schwanken.

Mit seinem Album geht Voodoo Jürgens bald auf Tour, in Deutschland spielt er Ende November unter anderem in Hamburg, Berlin, Essen und Köln. Und wenn Sie dieser Tage ein Foto von ihm sehen und sein Gesicht Ihnen irgendwie bekannt vorkommt, schauen Sie doch nochmal die hervorragende "Tatort"-Folge "Her mit der Marie!": Die Episode taucht tief ein ins Wiener Rotlicht-Milieu aus Strizzis und Kiberern, Voodoo Jürgens spielt eine Nebenrolle als Musikant auf dem Hoffest eines Gangsterbosses. 

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Ein Bundespräsident, der mit der U-Bahn fährt, das sehen die Bürger und vor allem die Social-Media-Abteilung der Wiener Linien natürlich sehr gern. Als Alexander Van der Bellen, übrigens Inhaber einer Jahreskarte, am Donnerstag im Wiener Untergrund gesichtet wurde, verbreiteten die PR-Profis das Foto flugs über Twitter, Tausende klickten auf "Gefällt mir". Balsam für die Wiener Linien, die wegen einer Erziehungsmaßnahme für Männer ordentlich Gegenwind bekommen haben: eine Kampagne wendet sich gegen das "Manspreading", also gegen die Angewohnheit einiger Männer, die Beine sehr weit auseinanderzuspreizen und damit sehr viel Platz zu beanspruchen. Slogan: "Sei ein Ehrenmann und halt deine Beine zam!"

Eine Blitzumfrage des "Standard" zeigt, Überraschung, dass Frauen dieses Phänomen eher bemerken, viele Männer haben sich noch keine Gedanken darüber gemacht. Höchste Zeit für Aufklärung und Sensibilisierung also? Nun, im Netz hatten die Wiener Linien alle Hände voll zu tun, aufgebrachte User zu besänftigen. Dabei handelt es sich noch nicht mal um ein Verbot, wie es etwa in Madrid schon erlassen wurde. In den Wiener U-Bahnen gilt allerdings seit Anfang des Jahres ein Essverbot, beschlossen auf Grundlage einer Umfrage unter 50.000 Öffi-Benutzern, die eine Zwei-Drittel-Mehrheit für die Verbannung von Döner, Nudelbox und Leberkässemmel ergab.

Van der Bellen, das nur nebenbei, verhielt sich übrigens vorbildlich: Er suchte sich einen Stehplatz.

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++ Österreichs Stahlriese Voestalpine vermeldet einen Gewinneinbruch: In der ersten Jahreshälfte schrieb der Konzern 115,2 Millionen Euro Profit, 64 Prozent weniger als zuletzt. Der Hauptgrund: die schwächelnde Autoindustrie. Die Voest will nun Kosten sparen, aber ohne Massenentlassungen. ++ Unsern wöchentlich' Strache gib uns heute: Laut "Presse" bietet Heinz-Christian Strache eine hohe sechsstellige Summe für die Vollversion des Ibiza-Videos. Bislang ohne Erfolg. ++ Zwei unbelehrbare Raucher randalierten in einem Lokal in Wien und wurden festgenommen, ansonsten verlief die Einführung des Rauchverbots in der Gastronomie am 1. November problemlos: Bei den ersten 247 Kontrollen in Wien wurde nur in einem Betrieb gepofelt. ++ Der Österreicher Damir Canadi ist nicht mehr Trainer beim Bundesliga-Zweitligisten 1. FC Nürnberg. Ein 1:3 in Bochum bedeutete das Aus nach nur fünf Monaten Amtszeit. ++ Die Lufthansa verordnet ihrer Problem-Tochter Austrian Airlines einen Sparplan: Die Österreicher rutschen wohl in diesem Jahr wieder in die roten Zahlen, nun soll jede zehnte der rund 7000 Vollzeitstellen bis 2021 abgebaut werden. ++ Auf wenig Gegenliebe trifft in Österreich die Ankündigung von Bundesinnenminister Horst Seehofer, die Grenzen noch stärker zu kontrollieren. Oberösterreich droht nun mit Gegenmaßnahmen wie in Tirol und Salzburg, wo teilweise Straßen für den Transitverkehr gesperrt werden, was vor allem deutsche Autofahrer auf dem Weg nach Süden trifft. ++

An dieser Stelle möchte ich mich für die Zuschriften bedanken, die mich regelmäßig erreichen. Einige davon sind besonders wertvoll: So klärte mich ein Leser vor einigen Tagen darüber auf, dass ich mein Leben lang den Begriff "Panade" falsch benutzt habe. Damit wird streng genommen eben nicht, wie ich immer dachte, die Umhüllung etwa eines Wiener Schnitzels bezeichnet, sondern das Füll- und Lockerungsmittel für zum Beispiel Hack. Die korrekte Übersetzung für das österreichische Wort "Panier" lautet also nicht "Panade", wie im letzten Newsletter geschrieben, sondern "Panierung". Wieder was gelernt!

Wenn Sie Lob, Kritik, Wünsche oder Anregungen loswerden möchten, schreiben Sie mir gern eine Mail. Wenn Sie diesen Newsletter bequem jeden Freitag per Mail erhalten wollen, tragen Sie sich bitte einfach hier in den Verteiler ein.

Servus und Baba, bis nächsten Freitag

Ihr Christian Bartlau

Quelle: n-tv.de

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