Person der Woche

Personen der Woche Was für Laschet, was für Söder spricht

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Armin Laschet und Markus Söder melden jeweils Ansprüche auf die Kanzlerkandidatur der Union an.

(Foto: imago images / Sven Simon)

Die Union sucht in einem spektakulären Showdown den besten Kanzlerkandidaten. Armin Laschet hat die Rückendeckung der CDU-Führung. Söder ist Favorit der Basis und will nun die Fraktion entscheiden lassen - genau wie Franz Josef Strauß 1979. Warum Laschet trotzdem gewinnen wird.

"Unterschätzen sollte man Armin Laschet nicht", hört man seit Monaten aus seinem rheinischen CDU-Freundeskreis, wenn schlechte Nachrichten, schlechte Presse und schlechte Umfragen auf den NRW-Ministerpräsidenten herniederprasseln. Seit dieser Woche wissen sie dort, dass man aber auch Markus Söder nicht unterschätzen sollte. Laschet wähnte sich mit seiner Kanzlerkandidatur am Montag schon am Ziel, als das CDU-Präsidium ihm einhellig Rückendeckung zusicherte. Söder wirkte damit besiegt, es könne nur noch Stunden dauern, bis aus München die Niederlage akzeptiert würde.

Doch so leicht besiegt man Söder nicht. Der CSU-Chef konterte die eine Präsidiumsentscheidung mit der anderen und erklärte den Spielstand forsch auf unentschieden. Das ist er natürlich nicht, die CDU ist ungleich größer, die Zustimmung für Laschet war einhellig, und Söder hatte von Anfang an klargestellt, dass er sich dem CDU-Votum beugen werde.

In Wahrheit verfolgt Söder eine andere Strategie. Er will die Entscheidung aus den Parteigremien in die Fraktion verlegen - so wie Franz Josef Strauß (CSU) im Jahr 1979 Ernst Albrecht (CDU) die Kandidatur über eine Fraktionsabstimmung abnahm. Um diese Option zu öffnen, musste Söder Laschet erst einmal dessen größten Trumpf aus der Hand nehmen - eben die Abstimmung im Präsidium. Dieser Trumpf ist nun ausgespielt, die Entscheidung aber noch nicht da. Damit hat Söder ein scheinbar aussichtsloses Spiel wieder geöffnet. Nun rückt die Fraktion ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Söder hat noch eine Chance und nun seinerseits drei Trümpfe im Ärmel. Was spricht für den Bayern, was für den Rheinländer?

Söder weiß Umfragen zu nutzen

Für Söder sprechen erstens seine glänzenden Umfragewerte. Er liegt nicht bloß knapp vor Laschet, sondern haushoch. Er führt nicht nur momentan, sondern seit Monaten stabil und mit steigender Tendenz. In dieser Woche meldet Forsa sogar einen gigantischen Vorsprung Söders. Hätten die Deutschen die Möglichkeit, einen Kanzler frei zu bestimmen, würden sich 36 Prozent für Söder, aber nur 3 Prozent für Laschet aussprechen. Söder liegt nicht um das Doppelte oder Dreifache, sondern nun gar um das Elffache vorne. Jeder unabhängige Wahlkampfprofi würde der Union daher dringend Söder als Kanzlerkandidaten empfehlen.

Für Söder spricht zweitens, dass er bei der Basis von CDU und CSU der klare Kandidatenfavorit ist. Nur 32 Prozent der Wähler, die bei der Bundestagswahl 2017 CDU oder CSU gewählt haben, würden jetzt wieder CDU wählen, wenn Laschet Kanzlerkandidat der Union wäre. Würde Söder als Kanzlerkandidat aufgestellt, gäben derzeit 73 Prozent der damaligen Wählerinnen und Wähler ihre Stimmen erneut CDU oder CSU. Bei einem Mitgliederentscheid über den Kanzlerkandidaten würde Söder deutlich gewinnen, darum hat er diese Option am Montag noch einmal thematisiert. Für einen erfolgreichen Wahlkampf ist zudem eine motivierte Basis besonders wichtig.

Drittens hat Söder deutlichen Rückhalt in der Bundestagsfraktion. Von den 245 Abgeordneten gehören 45 der CSU an, sie stehen geschlossen hinter Söder, dazu sind erklärtermaßen etwa 60 CDU-Abgeordnete offen für Söder, mindestens weitere 30 neigen ihm zu. Sollte die Fraktion offen abstimmen, würde Söder wahrscheinlich gewinnen. Die Fraktion ist nicht nur das bundespolitische Machtzentrum der Union, sie verkörpert für einen Wahlkampf auch das Gremium mit höchster Legitimität, denn just um diese Mandate geht es. Sollte die Fraktion Söder zum Kandidaten ausrufen, könnte die CDU-Führung das nicht übergehen - sie wäre aber auch beschädigt.

Loyalität gilt viel in der CDU

Genau darum hat Laschet in der Woche der Entscheidung die besseren Karten. Und zwar aus zwei Gründen. Zum einen gilt in der CDU Loyalität mehr als in anderen Parteien. Die stille Hoffnung der CSU, dass sich die CDU-Basis für Söder motivieren ließe, verkennt das unterschiedliche Temperament beider Parteien. Die CSU ist wesentlich wilder und basisbewegter als die CDU. Dort herrscht eine große institutionelle Grundruhe und Loyalität zu gewählten Vorsitzenden. Selbst wenn einige CDUler Laschet nicht für den besten Kandidaten halten, wollen sie ihn doch nicht beschädigen und entmachten.

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Zum anderen zeigt das einhellige Votum des CDU-Präsidiums, dass Laschet seinem Ruf als guter Brückenbauer gerecht wird und seit dem CDU-Parteitag geschickt die zerstrittenen Flügel der Partei wieder zusammen geführt hat. Ihm ist es gelungen, den Wirtschaftsflügel, die Ostdeutschen und die Südwestdeutschen wieder hinter sich zu bringen. Sogar Friedrich Merz und Wolfgang Schäuble stellen sich demonstrativ auf Laschets Seite. Gerade diese beiden verschaffen Laschet im entscheidenden Moment wichtige Rückendeckung.

Das wirkt tief in die Partei hinein und wird es unwahrscheinlich machen, dass sich größere Verbände und Gruppierungen nun auf Söders Seite schlagen. Eine breite Pro-Söder-Bewegung kann in der CDU nicht entstehen, solange der Wirtschafts- und Mittelstandsflügel Ruhe gibt. Es wird zur Ironie der CDU-Geschichte: Ausgerechnet Friedrich Merz rettet Armin Laschet die Kandidatur.

Quelle: ntv.de

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