Pressestimmen

GDL und Bahn lassen schlichten "Die Kuh ist noch nicht vom Gleis"

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Seit über einem Jahr tobt der Tarifstreit zwischen GDL und Bahn. Jetzt geht der mittlerweile neunte Streik zu Ende und Bodo Ramelow und Matthias Platzeck sollen schlichten. Kann das klappen? Die Presse spricht von Durchbruch, Zwickmühle und Klassenkampf statt Kompromiss.

Hunderttausende Bahnkunden können aufatmen und die Schäden für die Wirtschaft halten sich dieses Mal in Grenzen. "Das war's dann auch schon mit den guten Nachrichten", so die Landeszeitung aus Lüneburg, denn die Schlichtung stehe bereits vor dem offiziellen Beginn unter keinem guten Stern. "Wenn der von der Gewerkschaft auserkorene Schlichter Ramelow verbal gleich auf Bund und Bahn einprügelt, kann man erahnen, dass diese Schlichtung alles andere als einfach und geräuschlos wird. Hinzu kommt die extrem verfahrene Situation, die sich aus den vielen Berufsgruppen der Bahn und den sich zum Teil überschneidenden Bereichen der konkurrierenden Gewerkschaften GDL und EVG ergibt. Am Ende könnte es also doch wieder Streiks geben."

"Eine Zwickmühle ist eine Zwickmühle und verschwindet nicht dadurch, dass man einen Dritten mit der Lösung beauftragt. Oder zwei", meint die Saarbrücker Zeitung. Den Streit endgültig zu befrieden, werde kompliziert, "weil so viele Beteiligte ihr Gesicht wahren müssen." Auch aus diesem Grund wäre es besser gewesen, "wenn der Schlichter Bodo Ramelow (…) geschwiegen hätte, statt sich auf Seiten der GDL zur Partei zu machen. Leute, die sich profilieren wollen, gibt es in diesem Konflikt wahrlich schon genug."

Der Münchner Merkur warnt: "Die Kuh ist noch nicht vom Gleis!" Die Zeitung sieht in der Schlichtung zwar einen Durchbruch, "weil dem bisher undurchsichtigen Ringen beider Partner hinter verschlossenen Türen quasi ein Richtergespann zugesellt wird, das die wahren Absichten transparenter machen und den Einigungsdruck bei den Gesprächen erhöhen kann." Der Konkurrenzkampf zwischen den Gewerkschaften GDL und EVG sowie die Problematik des Tarifeinheitsgesetzes seien aber noch lange nicht gelöst. "Das letzte Wort hierzu wird aller Wahrscheinlichkeit nach nicht im Schlichtungszimmer gesprochen, sondern im Sitzungssaal des höchsten deutschen Gerichts."

Es sei "ein erheblicher Fortschritt", letztendlich werde aber nur Zeit gewonnen, schreibt die Neue Ruhr-Zeitung: "Die GDL hat zwar das Zugeständnis erhalten, Verträge aushandeln zu dürfen, die von denen der Konkurrenz abweichen. Zugleich stellte die Bahn aber klar, dass sie keine Mitarbeiter erster und zweiter Klasse dulden wird. Streng genommen geht dieser Tarifstreit wieder bei null los. Platzeck und Ramelow stehen harte Wochen bevor."

Die Schlichtung sei "ein Hoffnungsschimmer für Millionen Bahnkunden - mehr aber nicht", kommentiert die "Bild"-Zeitung. Zu oft habe GDL-Chef Claus Weselsky die Öffentlichkeit bereits in die Irre geführt: "Mehrmals machte er Hoffnung auf ein Ende des Konflikts. Dann ließ er Knall auf Fall Gespräche platzen - und seine Lokführer streiken." Dass Weselsky als CDU-Mitglied mit Ramelow den ersten Ministerpräsidenten der Linkspartei zum Schlichter benennt, zeige: "Der Lokführer-Chef setzt weiter auf Klassenkampf, weniger auf Kompromiss. Doch ohne Kompromisse findet dieser Tarifkampf kein Ende. Es ist an der Zeit, dass die Lokführer das endlich begreifen - auch, um ihren Ruf zu retten."

Dass Ramelow und Platzeck vermitteln müssen, hält der Berliner Tagesspiegel für einen Offenbarungseid: "Nach einem Jahr stellen Bahn-Vorstand Ulrich Weber und der GDL-Vorsitzende Weselsky fest, dass sie es nicht können. Und an dieser Erkenntnis wird sich auch nichts ändern, wenn am 17. Juni die Schlichter einen grandiosen Kompromiss vorlegen und Weber und Weselsky freundschaftlich lächelnd den Tarifvertrag unterschreiben. Sie haben als Tarifpolitiker versagt, und man kann der Bahn und dem Land nur wünschen, dass sie es nicht noch einmal versuchen."

Zusammengestellt von Katja Sembritzki

Quelle: n-tv.de