Ratgeber

Lohnlücke trotz Systemrelevanz Auch Heldinnen kommen zu kurz

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Frauen werden oft schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen.

(Foto: imago/Science Photo Library)

Dass Frauen im Schnitt weniger Gehalt als Männer beziehen, ist bekannt. Die Gründe dafür sind vielfältig, aber nicht immer nachvollziehbar. Auch in den derzeit besonders beachteten systemrelevanten Berufen zeigt sich eine Entgeltlücke zwischen den Geschlechtern, wie eine neue Untersuchung zeigt.

Wie hoch die Lücke zwischen den Gehältern von Frauen und Männern tatsächlich ist, lässt sich nicht immer klar erkennen. Meist wird nicht der Lohn einzelner Branchen oder Positionen, sondern der Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen miteinander verglichen. Entsprechend groß fällt der sogenannte Gender-Pay-Gap aus. Doch dieser Wert ist unbereinigt. Für eine präzise Überprüfung der Entgeltlücke müssen denn auch identische oder sehr ähnliche Stellenprofile miteinander verglichen werden.

Unstrittig ist, dass Frauen auf hochbezahlten Führungspositionen noch immer unterrepräsentiert sind und insgesamt weniger Geld verdienen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Aber besonders nach der Geburt eines Kindes treten Frauen beruflich eher kürzer als Männer. Sprich, sie arbeiten häufiger in Teilzeit, was Auswirkungen auf das Gehalt halt. Zudem verdienen Frauen häufiger in schlechter bezahlten Berufen - zum Beispiel im sozialen Bereich - ihr Geld. Womit wir bei den systemrelevanten Berufen sind. In vielen der momentan gefragten Berufsgruppen ist der Frauenanteil zwar wesentlich höher, aber die Frauen verdienen auch hier weniger als ihre männlichen Kollegen. Dies zeigt eine aktuelle Analyse der Vergleichsplattform Gehalt.de auf Basis von 22.097 Datensätzen. Die Gehälter wurden dabei für eine 40-Stunden-Woche berechnet. Wichtige Faktoren wie Region, Berufserfahrung und Bildungsabschluss wurden nicht berücksichtigt.

Besonders Fachärztinnen bekommen weniger

Demnach fällt der Einkommensunterschied am größten im Berufsbild der Fachärzte aus. Während Frauen hier ein Jahresbruttogehalt von 74.600 Euro verdienen, kommen ihre männlichen Kollegen auf ein Einkommen von 95.100 Euro – eine Differenz von 25,5 Prozent. Der Frauenanteil beträgt hier rund 61 Prozent.

Auch in weiteren Berufen der Pflege und medizinischer Vorsorge stellten die Analysten Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern fest. Krankenpflegerinnen (37.700 Euro) verdienen rund 11,6 Prozent weniger als Krankenpfleger (42.200 Euro), während bei Altenpflegerinnen (32.600 Euro) und Altenpflegern (33.800 Euro) die Differenz immerhin 3,5 Prozent beträgt. Es handelt sich hier um Arbeitsfelder, in denen vorwiegend Frauen beschäftigt sind (Gesundheits- und Krankenpflege 80 Prozent Frauenanteil; Altenpflege 77 Prozent Frauenanteil).

Corona-Helden sind vor allem eines: Heldinnen

Mit 88 und 77 Prozent sind auch die Berufe der Kassierer und die der Einzelhandelskaufleute von Frauen dominierte Arbeitsfelder. Eine Einzelhandelskauffrau in der Lebensmittelbranche verdient 27.100 Euro und ihr männlicher Kollege 32.700 Euro, also 19,8 Prozent mehr. Bei Kassiererinnen beträgt die Lohnlücke -7,1 Prozent (Frauen: 27.200 Euro; Männer: 29.200 Euro).

Auch bei anderen systemrelevanten Berufen zeigt sich eine Lohnlücke zulasten der Frauen. Etwa bei Apothekerinnen (-8,2 Prozent), Erzieherinnen (-5,8 Prozent), Online-Redakteurinnen (-14,3 Prozent) und Arzthelferinnen (-1,2 Prozent).

"Unsere Corona-Helden sind vor allem eines: Heldinnen. In vielen Branchen und Berufsbildern werden diese Heldinnen schlechter bezahlt als ihre männlichen Kollegen", sagt Dr. Philip Bierbach, Geschäftsführer von Gehalt.de. "Corona führt uns die Ungleichheit vor Augen – in Zukunft muss sich die aktuelle Wertschätzung dringend in mehr Gleichberechtigung äußern", so Bierbach abschließend.

Quelle: ntv.de, awi