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Schlamperei bei der Zahnreinigung Auch Profis sind nicht gründlich

Eigentlich sollten nach einer professionellen Zahnreinigung gar keine Beläge mehr auf dem Gebiss zurückbleiben. Tatsächlich kann man aber schon froh sein, wenn der Großteil von Zahnstein und Plaque entfernt wird. Das ist nämlich keineswegs die Regel, stellt die Stiftung Warentest fest.

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Nicht jede Fachkraft im Test war überhaupt qualifiziert. Doch auch Spezialisten arbeiteten nicht besser.

(Foto: imago/Eibner)

Die Fachkraft fuhrwerkt mit diversen Geräten im Mund herum. Sie schabt, kratzt, rüttelt und poliert. Am Ende klettert man aus dem Zahnarztstuhl mit dem guten Gefühl, dass der Mundraum jetzt in porentiefer, bakterienfreier Reinheit erstrahlt. Doch man sollte sich keinen Illusionen hingeben. Richtig sauber werden die Zähne durch die Zahnreinigung nämlich nicht, moniert die Stiftung Warentest nach einer Stichprobe.

Zehn Testkunden hat die Stiftung zu Terminen in Zahnarztpraxen und sogenannten Prophylaxezentren in Berlin und Nordrhein-Westfalen geschickt. Keiner von ihnen verließ die Praxis am Ende mit durchwegs sauberem Gebiss. Insbesondere die Zahnzwischenräume – auch beim Putzen oft vernachlässigt – kamen zu kurz. Im Schnitt entfernten die Fachkräfte hier nur die Hälfte der Beläge, wie sich in der Nachkontrolle zeigte. Von der Plaque auf den glatten Zahnflächen blieb ein Drittel zurück. "Kein befriedigendes Ergebnis", so "Warentest". 

Test per Färbelösung

Um verbliebenen Belag sichtbar zu machen, verwendeten die Tester eine Färbelösung. Solche Färbetabletten gibt es auch für den Hausgebrauch, mit ihnen kann man nicht nur den Erfolg einer Zahnreinigung kontrollieren, sondern auch zwischendurch prüfen, wie viel Plaque sich auf den Zähnen angesammelt hat.

In der professionellen Zahnreinigung kommen Färbemittel normalerweise nicht zum Einsatz. Die Zahnreiniger verschaffen sich zunächst mit dem bloßen Auge einen Überblick über den Zustand des Gebisses, danach bestimmt sich das weitere Vorgehen. Zahnstein, also verkalkte Plaque, erkennt man recht leicht an gelblicher bis schwarzer Farbe. Er sitzt meist innen an den unteren Frontzähnen und wird mit einem Schallgerät entfernt oder mit Handinstrumenten abgekratzt. Das klappte im Test auch ganz gut, fast alle Reiniger beseitigten mindestens 70 Prozent des Zahnsteins.

Plaque ist die Vorform von Zahnstein, sie entsteht täglich neu, wenn Essensreste von den Bakterien im Mundraum zersetzt werden. Um sie loszuwerden, wird mit kleinen Bürsten und Gummikelche geschrubbt. Sofern es keine Karies oder empfindlichen Zahnhälse gibt, kann auch ein Pulver-Wasserstrahlgerät zum Einsatz kommen. Für Zahnzwischenräume verwenden die Zahnreiniger ganz normale Zahnseide oder eine Art Schleifpapier. Am Ende wird das Gebiss mit rotierenden Bürstchen poliert, eine Paste mit kleinen Schleifkörnern und Fluoriden soll die letzten rauen Stellen glätten, damit sich Beläge nicht so leicht festsetzen können.

30 Minuten reichen nicht

Wird die ganze Prozedur gründlich ausgeführt, dauert das seine Zeit. Auf jeden Fall länger als eine halbe Stunde. So schnell waren die oberflächlichsten Zahnreiniger fertig, mit entsprechend unzureichendem Ergebnis. Bei einem durchschnittlichen Preis von 73 Euro für die individuelle Gesundheitsleistung sollte man mehr erwarten, Privatversicherte zahlen im Durchschnitt sogar 112 Euro.

Einige Krankenkassen beteiligen sich an den Kosten, manche übernehmen sie auch komplett, manchmal aber nur, wenn man die Reinigung bei einem bestimmten Praxisnetzwerk vornehmen lässt. So können sich beispielsweise SBK-Kunden einmal im Jahr beim Kooperationspartner die Zähne kostenlos schrubben lassen, AOK Plus und AOK Bayern zahlen 40 Euro Zuschuss bei freier Zahnarztwahl, bei der Big Direkt gibt es 50 Euro dazu.

Und wenn man zu Hause feststellt, dass die Leistung fürs Geld doch etwas dürftig war? Die Warentester raten, sich an die Praxis zu wenden und im Zweifelsfall eine Nachbehandlung zu verlangen. Wenn die Reinigung mangelhaft war, hat der Zahnarzt nämlich eine Nachbesserungspflicht.

Quelle: n-tv.de, ino

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