Ratgeber
Montag, 06. November 2006

"Unabdingbar": Auslandpraktika immer beliebter

Durch ein Praktikum im Ausland verbessern viele ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt. "Auslandserfahrung ist in vielen Berufen heute unabdingbar", sagt Michael Blank vom Deutschen Industrie und Handelskammertag (DIHK) in Berlin.

"Andere Kulturen und Arbeitsmentalitäten zu kennen, wird zunehmend wichtiger", so der Marketingleiter der Außenhandelskammern. Schwierig sei allerdings schon der Begriff "Praktikum", warnt Gudrun Pieper, Leiterin des Europaservices der sächsischen Arbeitsagentur in Chemnitz. In Deutschland sei er bekannt für einen Weg, in der Arbeitswelt Erfahrungen zu sammeln. Das geht aber nicht in allen Ländern ohne Weiteres. "In den meisten europäischen Ländern ist beispielsweise ein Praktikum nur im Rahmen von Studium und Ausbildung an einer beruflichen Schule möglich", erklärt Pieper. Soll ein solches Praktikum nach dem Studium stattfinden, geht man in einer ganzen Reihe von Ländern davon aus, dass es sich nicht um ein Praktikum handelt, sondern um ein befristetes Arbeitsverhältnis.

"Um missverständliche Deutungen bei Bewerbungen im Ausland zu vermeiden, sollten die Interessenten den Begriff Praktikum nicht für alle Formen von Auslandsaufenthalten verwenden", sagt Regina Schmieg, Beraterin bei Eurodesk in Bonn, dem europäischen Jugendinformationswerk, das beim Internationalen Jugendaustausch-und Besucherdienst der Bundesrepublik (IJAB) angesiedelt ist. Voraussetzung für ein sinnvolles Praktikum im Ausland sei stets, dass der Interessent gute Sprachkenntnisse mitbringt. "Wer vorrangig die Sprache lernen will, sollte eher eine Sprachreise wählen", sagt Regina Schmieg.

Rund zwölf Monate Vorbereitungszeit für ein Praktikum im Ausland empfehlen die Experten. Schon die Suche nach einem Platz kann ziemlich zeitaufwendig werden. Gudrun Pieper empfiehlt für einen ersten Überblick, das Internet-Angebot von Eurodesk und IJAB. Hier finden sich auch Informationen zu Vermittlungsorganisationen, Datenbanken und Hinweise zu Fördermöglichkeiten.

Angesichts der vielen Vermittlungsorganisationen sei eine Qualitätskontrolle schwer, sagt Schmieg. Ein Gütesiegel gibt es nicht. Den Suchenden rät sie unter anderem, sich zum Beispiel danach zu erkundigen, wie lange die Anbieter schon auf dem Markt sind. Auch sollte nach Erfahrungsberichten von ehemaligen Teilnehmern gefragt werden.
Hinweise zu Besonderheiten bei der Bewerbung in anderen Ländern finden sich auf der Internetseite www.eurostage.org. Dort wird beispielsweise empfohlen, in Bewerbungsanschreiben an US-Firmen darauf hinzuweisen, dass sämtliche Formalitäten wie Versicherungen und Visa selbstständig erledigt werden. Um keine böse Überraschung zu erleben, sollten die Interessenten die Finanzierung gut durchrechnen. "Die jungen Leute müssen sich darüber im Klaren sein, dass ein Praktikum Geld kostet. Eine Bezahlung ist leider eher die Ausnahme", sagt Pieper.
Informationen: "Wege ins Auslandspraktikum" heißt eine unter anderen von Arbeitsagentur und IJAB herausgegebene Broschüre, die einen guten Überblick verschafft. IJAB e.V.,Godesberger Allee 142-148, 53175 Bonn (E-Mail: info-ijab@ijab.de).

Quelle: n-tv.de