Ratgeber

Abzocke bei Dispozinsen Banken abgemahnt

Verbraucherschützer mahnen zehn Banken wegen Abzocke bei Dispozinsen ab. Die Zinspolitik der Banken sei unverschämt, teilt der Verbraucherzentrale Bundesverband mit. An den Zinsen ändert die Abmahnung - zumindest vorerst - aber nichts.

Ein überzogenes Girokonto kann einem teuer zu stehen kommen. Schuld sind die Dispozinsen. (Bild: dpa)

Verbraucherschützer gehen gegen ihrer Ansicht nach zu hohe und willkürlich festgelegte Dispozinsen vieler deutscher Banken vor. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) teilte mit, er habe zunächst zehn Institute wegen verbraucherunfreundlicher Klauseln abgemahnt. Der vzbv kritisiert dabei - neben der Höhe der Zinsen - vor allem deren Zustandekommen: Die Banken könnten ihre Zinsen zumeist "nach Gutsherren-Art" anpassen, monierte vzbv-Chef Gerd Billen.

Banken räumen Verbraucher meist einen sogenannten Dispositionsrahmen ein, innerhalb dessen sie ihr Konto überziehen können. Dafür fallen die Dispozinsen an. Wer diesen Rahmen überschreitet, muss für diese sogenannte geduldete Überziehung nochmals höhere Zinsen zahlen. Einer Stichprobe der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift "Finanztest" zufolge sind die Dispozinsen "immer noch unverschämt hoch". Im Schnitt fielen über elf Prozent Zinsen für Dispokredite an, in der Spitze bis zu 15 Prozent. An der Spitze liegen demnach Sparkassen, auf Platz drei folgt eine Privatbank. "Akzeptable Dispozinsen" lägen unter zehn Prozent, erklärte die Stiftung Warentest.

Unverständliche Klauseln

"Die Zinshöhe ist das eine Ärgernis, die Willkür bei der Zinsgestaltung das andere", erklärte vzbv-Chef Billen. "Verbraucher müssen nachvollziehen können, wie und wann sich die Zinsen ändern. Die meisten Zinsanpassungs-Klauseln seien für die Bankkunden aber unverständlich. Zum Teil verstießen sie damit gegen Vorgaben des Zahlungsdienste-Rechts, wonach Verbraucher nicht benachteiligt werden dürften. Laut vzbv sei dies aber etwa der Fall, wenn die Vertragsklausel zwar einen Referenzzins für die Dispozins-Anpassung angebe, Umfang und Zeitpunkt der Anpassung aber offen gelassen würden.

Der vzbv erneuerte deshalb seine Forderung, die Gewinnmarge der Banken zwischen Überziehungszinsen und den für die Institute maßgeblichen Zinsen zu deckeln. In der Euro-Zone zahlen Banken, wenn sie sich bei der Europäischen Zentralbank (EZB) Geld zur Finanzierung ihrer Geschäfte leihen, schon seit Monaten einen Zinssatz von nur 1,0 Prozent - ein Rekordtief. Die Bundesregierung strebt nach Angaben vom Januar allerdings keine Deckelung der Marge bei Dispozinsen an. Allerdings übte Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) Kritik an zu hohen Zinssätzen. Ihr Ministerium gab nach eigenen Angaben eine Studie in Auftrag, in der das Zustandekommen der Zinshöhe für Dispokredite systematisch untersucht werden soll.

Die deutschen Banken und Sparkassen hatten Kritik der Stiftung Warentest an ihrem Zinsniveau schon im vergangenen Jahr zurückgewiesen. Dispokredite sei unbesichert und hätten eine erhöhtes Ausfallrisiko. Zudem seien längerfristige Finanzierungen über Verbraucherkredite zu günstigeren Konditionen möglich.

Quelle: ntv.de, AFP