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Entgelte und Gebühren Banken kassieren Privatkunden ab

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Wer knapp eine halbe Million Euro pro Jahr nur damit verdient, dass er Gebühren erhebt, der sinnt natürlich darauf, diese Einnahmequelle noch weiter auszuschöpfen.

(Foto: imago/McPHOTO)

Dank immer neuer Gebühren und Entgelte fürs Girokonto steigert eine deutsche Durchschnittsbank ihre Einnahmen im Schnitt um 1,6 Millionen Euro pro Jahr. Doch es gibt auch Geldhäuser, die gegen den Strom schwimmen.

Arme Banken! Stetig neue nationale und internationale Vorgaben bürden ihnen immer neue, bürokratische Mühen auf. Politik und Wirtschaft wollen unkomplizierte Kredite für Privatkunden und Unternehmen sehen. Und das alles in Zeiten, in denen es eigentlich darum gehen sollte, das eigene Geschäftsmodell so digital und sicher wie möglich zu gestalten. Wie soll da noch Zeit für Kundenfreundlichkeit bleiben?

Viele Banken scheinen auf diese Frage eine Antwort gefunden zu haben. Statt freundlich zu ihren Kunden zu sein, drehen sie den Spieß einfach um – und sorgen dafür, dass die Kunden erst einmal freundlich zu ihnen sind.

Cash-Cow Girokunde

Allein mit ihren Girokunden haben die Geldhäuser in den vergangenen Jahren viel zusätzliches Geld verdient. Um sich die Dimensionen vor Augen zu führen, lohnt es sich, einen intensiveren Blick auf die rund 105 Millionen Girokonten zu werfen, die laut Bundesbankstatistik derzeit in Deutschland geführt werden.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Innerhalb der vergangenen zwölf Monate haben laut FMH-Recherche allein 1250 Banken ihre Kontoführungsgebühren im Schnitt um 2,64 Euro im Jahr erhöht. Pro Bank macht das Mehreinnahmen von satten 221.760 Euro im Durchschnitt aus. Weil im gleichen Zeitraum auch die Kosten für die GiroCard erhöht wurden, liegt der zusätzliche Verdienst pro Institut noch deutlich höher: Wenn man unterstellt, dass jedes Konto mit einer solchen Karte ausgestattet ist, ergeben sich, bezogen auf die besagten 1250 Banken noch mal durchschnittlich 62.520 Euro extra pro Bank - ohne jeden Mehraufwand. Geht man dann noch davon aus, dass die Hälfte der Girokunden eine Kreditkarte dazu gebucht hat, machen unsere Banken im Schnitt nochmal 202.440 Euro pro Jahr gut und bringen es allein durch diese drei Posten im Mittel auf ein Gesamtplus von 489.720 Euro pro Jahr und Bank.

Darf’s ein bisschen mehr sein?

Wer knapp eine halbe Million Euro pro Jahr nur damit verdient, dass er Gebühren erhebt, der sinnt natürlich darauf, diese Einnahmequelle noch weiter auszuschöpfen.

Entsprechend gehen immer mehr Banken dazu über, ihren Girokunden jede Lastschrift und jede Gutschrift gesondert in Rechnung zu stellen. Viele Geldhäuser bepreisen inzwischen sogar beleglose Online-Buchungen. Selbst wenn man unterstellt, dass von allen Girokonten in Deutschland nur zwei Drittel aktiv geführt werden und der durchschnittliche Kunde nur zehn Lastschriften, drei Gutschriften und fünf Online-Buchungen pro Monat braucht, kommen erkleckliche Summen zusammen. Angesichts der Durchschnittswerte von zehn Cent pro Gut- und Lastschrift und die sieben Cent pro Online-Buchung belaufen sich die Einnahmen auf insgesamt 1.108800 Euro pro Jahr. Und zwar für jede einzelne der 1250 Banken. Rechnet man alle Posten zusammen, kommt man sogar auf rechnerische Mehreinnahmen von 1,6 Millionen pro Jahr und Bank – wobei die eine mehr, die andere weniger gutmachen dürfte

Zugegeben: Die Banken erbringen für diese Entgelte auch Dienstleistungen. Jedoch haben sie das vor ein paar Jahren auch schon getan – nur eben unentgeltlich, oder zumindest zu deutlich niedrigeren Preisen.

Kunden können gegensteuern

Die gute Nachricht angesichts der stetig steigenden Kosten: Kunden können sich wehren. Denn der Gesetzgeber hat die Banken verpflichtet, den Wechsel zu einem anderen Geldhaus zu erleichtern und zu unterstützen.

Wer die Zinsvergleiche der FMH Finanzberatung nutzt, der sieht zudem, dass es durchaus noch kostenfreie Konten in Deutschland gibt. Der Schnellcheck im Girovergleich liefert einen ersten Überblick. Wer es genau wissen will, sollte die Detail-Analyse nutzen, maßgeschneidert nach seinem persönlichen Bedürfnis das beste und günstigste Girokonto herauszufiltern. Dann heißt es nur noch den inneren Schweinehund überwinden und den Wechsel zu einer Bank angehen, die es schafft, das Girokonto weiterhin kostenfrei anzubieten. 200 Euro Ersparnis pro Jahr sind dann nicht ausgeschlossen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: n-tv.de

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