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Es wird besser, aber nicht gut Banken senken Dispozinsen

Geht doch: Viele Banken haben ihren Dispozins im Laufe des Jahres deutlich herabgesetzt. Im Schnitt zahlen Kunden jetzt 10,65 Prozent Zinsen, wenn ihr Konto ins Minus rutscht. Doch von günstigen Zinsen allein sollten sich Kunden nicht blenden lassen.

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Wer den Disporahmen sprengt, zahlt Überziehungszinsen. Doch immer mehr Banken verzichten auf den Zuschlag.

(Foto: imago stock&people)

"Die Räuberbanken" titelte die Stiftung Warentest, als sie 2009 zum ersten Mal gezielt die Dispokonditionen von Banken betrachtete. Die Institute langten "schamlos beim Kunden zu", so das Fazit der Tester. Bei den Untersuchungen der Folgejahre fielen die Urteile kaum besser aus. Doch langsam scheint die Kritik zu wirken: Im Vergleich zum Vorjahr hätten fast 250 von über 1500 untersuchten Banken ihren Dispozins um mindestens einen Prozentpunkt gesenkt, heißt es in der neuesten "Finanztest"-Ausgabe.

Anfang August haben die Tester die Daten der Banken ermittelt. Der Refinanzierungszins lag damals noch bei 0,15 Prozent, der 3-Monats-Euribor, zu dem sich Banken untereinander Geld borgen, bei 0,21 Prozent. Doch von diesen Tiefstständen bekommen die Kunden nicht viel mit. Sie zahlen im Schnitt 10,65 Prozent Zinsen, wenn ihr Konto ins Minus rutscht. Das sind immerhin 0,66 Prozent weniger als im Vorjahr, aber immer noch deutlich zu viel, findet Stiftungsvorstand Hubertus Primus: "Ein fairer Zins müsste nach unserer Einschätzung deutlich unter 10 Prozent liegen."

Viele Institute kriegen das hin. Die Deutsche Skatbank zum Beispiel, deren Dispo mit 4,9 Prozent günstiger ist als viele Ratenkredite. Sie hatte schon in den letzten Jahren die Spitzenposition im Test inne. "Auch viele PSD Banken haben mit Zinssätzen von gut 5 bis 7 Prozent sehr gute Konditionen", lobt die Studienleiterin Stephanie Pallasch. Bei Direktbanken wie DAB, ING-Diba oder DKB kommen Kreditnehmer mit Zinsen unter 8 Prozent immer noch recht günstig weg. Am oberen Ende der Preisskala liegen die Volksbank Westenholz und der Raiffeisenbank Weil und Umgebung. Abhängig von ihrer Bonität zahlen Kunden hier bis zu 14,25 Prozent.

Niedriger Dispo, hohe Gebühren

Einige Banken betrieben Augenwischerei, um im Vergleich gut dazustehen, warnt "Finanztest": Sie böten zwar günstige Dispozinsen - aber nur bei Girokonten mit hoher Kontoführungsgebühr. "Wer solche Konten nutzt, um beim Dispo zu sparen, trifft eine schlechte Wahl", sagt Primus. Als Rechtfertigung für hohe Zinsen wird oft das angeblich hohe Ausfallrisiko genannt. Schließlich sei nicht sicher, ob Kunden ihr Konto je wieder auffüllen. Tatsächlich scheint an dieser Befürchtung aber wenig dran zu sein: Die meisten Banken wollten die Frage nach dem Ausfallrisiko gar nicht beantworten. Bei denen, die es getan haben, lag die Quote zwischen 0 und 3,91 Prozent.

Nicht nur bei Interna wie den Kreditausfallquoten lassen sich Banken ungern in die Karten schauen. Viele treiben auch Geheimniskrämerei um Informationen, die jedem zugänglich sein sollten: Ein Drittel der überprüften Banken veröffentlichte den aktuellen Disposatz nicht im Internet. Über 500 Mal mussten Testkunden deshalb in die Filialen reisen, um die Konditionen den dortigen Preisaushängen zu entnehmen. Doch nicht einmal das funktionierte immer. Die Ausreden der Mitarbeiter waren abenteuerlich: Man kenne den Dispozins selbst nicht oder verrate ihn nur im Beratungsgespräch oder auch erst nach der Eröffnung eines Kontos. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt: Oft seien es teure Banken, die den Kunden den Dispozins verschwiegen, so die Stiftung Warentest.

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Quelle: n-tv.de, ino

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