Ratgeber

15.000 Altverträge gekündigt Bausparkasse schickt Kunden in die Wüste

Der Kampf um gute Zinsen ist hart. Frohlocken konnten bisher Bausparer mit gut dotierten Altverträge. Doch die Bausparkassen lassen nichts unversucht, um ihren Kunden den einst versprochenen hohen Zins nicht länger zahlen zu müssen. Nun startet Wüstenrot die nächste Offensive.

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Wohl auch Wüstenrot hat Kunden Bausparverträge als Sparprodukt mit attraktivem Guthabenzins verkauft.

(Foto: picture alliance / dpa)

Es ist ja verständlich. In der derzeitigen Niedrigzinsphase kosten alte Bausparverträge mit hohen Bonusversprechen die Bausparka ssen viel Geld. Da liegt es nahe, sich dieser teuren Altlasten entledigen zu wollen.

Noch vor wenigen Jahren lockten Bausparkassen mit lukrativen Verträgen. Kunden, die damals zuschlugen und bis heute ihr Bauspardarlehen nicht in Anspruch genommen haben, erhalten so einen hohen Bonus für jedes Spar­jahr. ­ Dadurch können Renditen von über fünf Prozent p.a. erzielt werden. Und zwar so lange, bis die vereinbarte Bausparsumme erreicht ist. Dann hat die Bausparkasse das Recht den Vertrag zu kündigen. Clevere Sparer stoppten rechtzeitig ihre Einzahlungen, um möglichst lange etwas von ihren Verträgen zu haben.

Doch damit soll nun Schluss sein. Nicht als erste Bausparkasse kündigt Wüstenrot 15.000 solcher Altverträge, bei denen die Summe von Bausparguthaben und Zinsbonus die Bausparsumme übersteigt. Das Unternehmen begründet diesen Schritt wie folgt: "Die Entstehung eines Darlehensanspruchs als dem wesentlichen Zweck des Bausparens ist in diesen Vertragsfällen nicht mehr möglich. Die Verträge gelten somit als überspart und können gekündigt werden. Angesichts des derzeitigen Niedrigzinsniveaus ist es für eine Bausparkasse zudem legitim und geschäftlich notwendig, eine Übersparung von Bausparverträgen abzuwehren." Laut Wüstenrot verfolgen auch andere Bausparkassen diesen Weg. Die eigene Vorgehensweise sei "somit branchenüblich".

Erst kürzlich wurde berichtet, dass die LBS Ostdeutsche Landesbausparkasse AG mit zweifelhaften Begrüdungen versucht, Kunden aus alten Verträgen zu drängen und auch andere Unternehmen Altverträge mit gewagten Interpretationen der Vertragsbedingungen kündigen.

Casus knaxus Bonuszinsen

Ob Wüstenrot tatsächlich im Recht ist, bleibt fraglich, auch wenn der Konzern auf einen entsprechenden Schiedsspruch eines Ombudsmannes verweist. Nach Aussage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg dürfte entscheidend sein, was tatsächlich in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen der einzelnen Verträge steht. Ist dort geregelt, dass die Bonuszinsen dem Guthaben dazugerechnet werden, sieht es für Bausparer schlecht aus ihren Vertrag fortzuführen. Ist eine entsprechende Formulierung nicht vorhanden, dürften die Kündigungen keine Gültigkeit haben, denn die Bonuszinsen sollten dann beim Erreichen der Bausparsumme keine Berücksichtigung finden.

Betroffene Bausparer können ihre Verträge bei den Verbraucherzentralen zunächst auf Vertragsfortführung überprüfen lassen, was schon in einigen Fällen zum Erfolg führte. Darüber hinaus können sie sich auch über die Schlichtungsstelle der Bausparkassen gegen die Kündigung wehren.  Bedacht werden sollte hier allerdings, dass der Ombudsmann von den Bausparkassen bezahlt und besetzt wird.

Mit List gegen Tücke?

Ob im Recht oder nicht, Verbraucherschützer kritisieren das Vorgehen der Bausparkassen scharf. "Man hat den Kunden den Vertrag als Sparprodukt mit attraktivem  Guthabenzins verkauft und sollte jetzt nicht im Kleingedruckten nach Ausflüchten suchen", sagt Niels Nauhauser, Finanzexperte der  Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Einen Joker im Kampf um die Vertragsfortführung könnten eventuell all jene Verbraucher in der Hand haben, die einen umstrittenen Bausparvertrag ihr eigen nennen und auch ein Hypothekendarlehen beim selben Unternehmen haben. Denn viele Widerrufsbelehrungen von Immobiliendarlehen sind nach Recherchen der Verbraucherzentralen falsch, was Kunden noch viele Jahre nach Vertragsschluss das Recht gibt einen Kredit vorzeitig aufzulösen. Dies könnte bei Verhandlungen mit den Unternehmen genutzt werden. Also Auge um Auge, Zahn um Zahn.

So oder so, die Schlacht um die Altverträge wird wohl weiter toben.

Quelle: ntv.de