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Umstrittene Regelung Beratungsprotokoll wird Pflicht

Viele Anleger fühlen sich von ihrer Bank im Nachhinein falsch beraten. Die Falschberatung tatsächlich nachzuweisen, war bislang aber kaum möglich. Ab dem 1. Januar soll das einfacher werden. Kunden erhalten dann ausführliche Protokolle der Bankberatung, die ihnen im Streitfall als Beweis dienen sollen. Ob die Dokumentation dem Anleger wirklich Vorteile bringt, ist nach Ansicht von Verbraucherschützern aber unsicher.

 

Das Protokoll hält die wesentlichen Inhalte der Beratung fest: Welche Anlageziele verfolgt der Kunde? Hat er bereits Erfahrung mit Aktien, Fonds, Spareinlagen oder Zertifikaten? Der Berater muss im Detail aufführen, welche Anlagen er aus welchen Gründen empfiehlt. Das Protokoll vermerkt zudem, welche Informationen zu dem Finanzprodukt dem Kunden vorgelegt wurden sowie die Höhe möglicher Gebühren und der Provision der Bank. Ein wichtiger Teil ist die Risikoabschätzung: Zum einen muss der Berater den Kunden informieren, ob etwa bei der empfohlenen Anlage ein Komplettverlust möglich ist. Zum anderen wird vermerkt, welche Erfahrungen der Kunde mit Anlageprodukten hat.

Schnell prüfen

Der Kunde sollte das Protokoll vor Abschluss eines Vertrags aufmerksam lesen und prüfen, ob die Empfehlungen wirklich seinem Anlageziel entsprechen. Bei telefonischen Finanzberatungen wird das Protokoll erst nach Erteilen des Auftrags versandt. Kann der Kunde Fehler im Protokoll nachweisen, kann er vorm Kauf zurücktreten. Laut Bankenverband sollte er seine Einwände möglichst innerhalb der ersten Woche äußern.

 

In Streitfällen soll das Schriftstück künftig als Handhabe für Beschwerden dienen. Räumt die Bank keinen Fehler ein, kann sich der Kunde an die Schlichtungsstelle oder den Ombudsmann der Banken wenden. Gibt es auch dort keine Einigung, bleibt der Gang zur Verbraucherzentrale oder zum Anwalt. Ob das Protokoll dem Kunden wirklich mehr Sicherheit vor Falschberatung gibt, ist offen. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) bemängelt das Fehlen einheitlicher Vorgaben für die Formulare. In der Versicherungsbranche, wo Beratungen schon länger protokolliert werden, habe sich gezeigt, dass die Dokumentation eher dem Zweck diene, den Berater von der Haftung freizusprechen.

Quelle: n-tv.de, ino, AFP

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