Ratgeber

Punktesammeln auf zwei Rädern Diese Radlersünden kosten den Führerschein

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Radfahrverbote sind in der Rechtsprechung sehr selten.

(Foto: imago/Westend61)

Wer mit dem Auto über eine rote Ampel rauscht, ist für einen Monat den Führerschein los. Aber was, wenn man die gleiche Ordnungswidrigkeit mit dem Fahrrad begeht? Können auch Regelverstöße beim Radfahren die Fahrerlaubnis kosten?

Die Ampel der Fußgänger springt auf Grün, reflexhaft tritt die Radfahrerin in die Pedale. Dabei befindet sie sich auf der Straße und dort dauert die Rotphase noch etwas länger. Dumm, dass an der Ampel auch ein Streifenwagen steht. Die Polizisten winken die vorschnelle Radlerin heraus und nehmen die Personalien auf. Das wird teuer, so viel ist schon klar. Aber zu Hause beginnt die Frau zu grübeln. Sie fährt auch Auto. Und ein Rotlichtverstoß am Steuer kann zum Fahrverbot führen. Muss sie jetzt um ihren Führerschein bangen?

Sie kann sich beruhigen: Es gibt nur wenige Fälle, in denen man als Radfahrer die Fahrerlaubnis riskiert. Zeitlich beschränkte Fahrverbote sind nur für Autofahrer vorgesehen. Alles andere wäre auch ungerecht, schließlich wären Radfahrer mit Führerschein dann härter gestraft als diejenigen, die keinen haben.

Halbes Autofahrer-Bußgeld

Normalerweise sind die Bußgelder für Radfahrer halb so hoch wie die für Kraftfahrer. Für Ordnungswidrigkeiten, die nur Radler begehen können, gibt es eigene Bestimmungen. Wer mit dem Rad über die rote Ampel rauscht, zahlt demnach 60 Euro. Wenn die Rotphase schon länger als eine Sekunde gedauert hat, wie im geschilderten Fall, sind es 100 Euro. Hat man andere mit der Aktion gefährdet, kann das bis zu 160 Euro kosten. Dazu kommen dann noch knapp 30 Euro Bearbeitungsgebühren. Finanziell mag das wehtun, doch den Führerschein darf man behalten – vorausgesetzt, man lässt sich nicht zu oft bei derlei Aktionen erwischen.

Denn auch Radfahrer werden als Verkehrssünder in Flensburg geführt. Ein Rotlichtverstoß bringt einen Punkt im Fahreignungsregister. Bei mehr als acht Punkten ist der Führerschein weg - und so schnell bekommt man ihn auch nicht wieder. Erst nach einer Sperrfrist von mindestens sechs Monaten und erfolgreich abgelegter MPU ist an eine Rückgabe zu denken. 

Für Radfahrer gibt es neben dem Missachten roter Ampeln aber nicht viele Gelegenheiten, in Flensburg auffällig zu werden. Ist das Rad in einem Zustand, durch den die "Verkehrssicherheit wesentlich beeinträchtigt" wird, gibt es einen Punkt. Zwei Punkte (und sein Leben) riskiert man, wenn man einen Bahnübergang trotz geschlossener Schranke überquert. Kritisch kann es natürlich werden, wenn man als Autofahrer auch schon ein paar Punkte angehäuft hat.       

Im Vollrausch zur MPU

Ein überfülltes Punktekonto ist aber nicht die einzige Variante, wie Radler den Führerschein loswerden können. Auch Alkohol und andere Drogen können den "Lappen" kosten. Beim Alkohol ist die Sache klar geregelt:  Ab 1,6 Promille gilt man als fahruntauglich. Wer sich sturzbetrunken aufs Rad setzt, begeht eine Straftat, egal ob er nachts auf einem leeren Feldweg Schlangenlinien fährt oder sich wacker durch den Stadtverkehr laviert. Das gibt auf jeden Fall drei Punkte in Flensburg, außerdem wird sich sehr wahrscheinlich die Fahrerlaubnisbehörde einschalten und eine MPU anordnen. Wenn man die nicht besteht, ist der Führerschein passé.

Auch geringere Alkoholpegel können problematisch werden, wenn die Fahrtüchtigkeit auffällig beeinträchtigt ist. Das kommt eher selten vor, ist aber möglich. Wenn man beispielsweise zweimal im angeheiterten Zustand angehalten wird, weil man sein Rad offenbar nicht mehr ganz unter Kontrolle hat, kann das ebenfalls die Führerscheinstelle auf den Plan rufen.

Bei Drogen ist der Lappen weg

Wer neben dem Fahrrad seinen Alkoholrausch ausschläft, hat nichts zu befürchten. Bei illegalen Drogen ist das etwas anders. Hier muss man gar nicht am Steuer oder auf dem Sattel erwischt werden. Es reicht schon, dass ein einmaliger Drogenkonsum aktenkundig geworden ist. Ein Radfahrer kann also auch stocknüchtern sein, wenn er in eine Polizeikontrolle gerät. Wenn nachgewiesen wird, dass er vor einigen Tagen Amphetamine oder andere verbotene Substanzen konsumiert hat, wird das die Führerscheinstelle erfahren. Und die wird dann eine MPU einfordern, denn Drogenkonsumenten gelten per se als ungeeignet für das Führen von Fahrzeugen.

Der Führerschein ist dann für mindestens ein Jahr weg, denn so lange muss die Abstinenz nachgewiesen werden. Nur bei Cannabis sind die Regeln nicht so streng. Wer sich ab und zu eine Tüte gönnt, muss nicht gleich um die Fahrerlaubnis bangen. Und ein Trost bleibt den führerscheinlosen Drogenkonsumenten: Sie können immer noch Radfahren. Fahrrad-Fahrverbote sind in der Rechtsprechung bislang jedenfalls die Ausnahme.  

Quelle: n-tv.de

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