Ratgeber

Nach der Leitzinssenkung Drohen Negativzinsen für Sparer?

"Investoren schenken Deutschland Geld" oder "Anleger verzichten auf Rendite" - als der Bund vor einigen Monaten erstmals Geldmarktpapiere mit Negativzinsen herausbrachte, sorgte das für Schlagzeilen. Nun senkt die EZB ihren Leitzins auf magere 0,75 Prozent. Werden auch Privatkunden bald Prämien zahlen müssen, wenn sie ihr Geld zur Bank tragen?

Wer seine Freistellungsaufträge richtig eintaktet, spart sich Abschläge. (Foto: Bodo Marks)

Die EZB hat das Geld im Euroraum so billig gemacht wie nie zuvor, darum sind auch viele Banken nicht bereit, ihren Kunden üppige Zinsen zu bieten.

Am 9. Januar dieses Jahres war es zum ersten Mal soweit: Der Bund brachte am Markt Geldmarktpapiere mit sechs Monaten Laufzeit zu einem Durchschnittszins von minus 0,01 Prozent unter. In der Krise gilt Deutschland vielen professionellen Investoren als einer der letzten sicheren Häfen – und um ihr Geld hier anzulegen, sind sie  sie nicht nur bereit, auf Rendite zu verzichten, sondern sogar, dafür zu bezahlen.

Jetzt hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins auf 0,75 Prozent gesenkt – und auch Privatkunden könnten sich fragen, ob sie bald drauflegen müssen, wenn sie Geld zur Bank tragen. Für zwölfmonatiges Festgeld gibt es derzeit im Mittel nur 1,37 Prozent Zinsen, beim täglich verfügbaren Tagesgeld sind es 1,24 Prozent – die Inflationsrare lässt sich damit nicht ausgleichen, so dass Anleger praktisch  schon jetzt Geld verlieren.

Üppige Zinsen sind nicht zu erwarten, nachdem die EZB das Geld im Euroraum so billig gemacht hat wie nie zuvor. Doch ein bisschen was geht immer:  "Ich kenne keine Bank, die ihren Kunden null Prozent Zinsen anbietet. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass eine Bank das machen würde", meint Max Herbst, der mit seiner unabhängigen FMH Finanzberatung regelmäßig ein Auge auf die Entwicklung von Sparzinsen hat. Drei Gründen sprechen - nicht nur nach Herbsts Überzeugung - auch künftig gegen negative Zinsen für Kleinanleger:

Zum einen sind die Banken auf einen stabilen Kundenstamm und verlässliche Einlagen angewiesen - erst recht in Zeiten, in denen Regulatoren dickere Kapitalpolster verlangen. Zum anderen ist der Wettbewerb groß. Schon jetzt buhlen ausländische Banken mit Tagesgeldzinsen weit über dem Marktniveau in Deutschland erfolgreich um Privatanleger. So finden sich schon seit Monaten die Bank of Scotland und die niederländische MoneYou weit oben in allen Tagesgeldvergleichen. Zu guter Letzt dürfte auch der trägste Kunde, der seine Ersparnisse derzeit zu mickrigen Zinsen schmoren lässt, aufmerken werden, wenn ihm seine Bank mitteilt, dass von 1000 Euro auf dem Konto am Jahresende nur noch 995 übrigbleiben. "Wir sind zwar so verrückt, Geld für ein Prozent Zinsen auf dem Sparbuch zu parken. Aber wenn es ins Minus gehen sollte, würden die Sparer doch wach werden", glaubt Herbst.

Innerhalb der nächsten drei bis vier Wochen dürften die Banken reagieren und ihre Tagesgeldzinsen senken, prognostiziert Herbst. Jedoch sei davon  auszugehen, dass viele Kreditinstitute zunächst die Lage und das  Verhalten der Konkurrenz genau beobachteten, um die Angemessenheit  einer Zinssenkung zu bewerten.

Auch Marcus Preu vom Finanzportal Biallo geht davon aus, dass nur Teile der Kreditwirtschaft die Konditionen für Sparer beim Tagesgeld noch weiter verschlechtern. "Letztlich kommt es auf die Zielsetzung der jeweiligen Bank an", sagte Preu. Nutze sie Tagesgeld zur Kundengewinnung, könnten Sparer dort auch weiter mit überdurchschnittlichen Zinsen rechnen. Im Durchschnitt aber werde das Zinsniveau beim Tagesgeld etwas sinken.

Die besten Festgeld-Angebote

Tagesgeldkonten im Vergleich

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen