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Gleiches Recht wie für Autofahrer Entschädigung für Fahrradausfall

Immer mehr Menschen fahren mit dem Rad zur Arbeit. Dennoch wird das Zweirad nicht überall als vollwertiges Verkehrsmittel angesehen. So ist es für Haftpflichtversicherer bislang unüblich, Radfahrern nach einem Unfall eine Ausfallentschädigung für ihr Gefährt zu zahlen. Das könnte sich nach einem Urteil des Landgerichts Lübeck nun ändern.

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Wer auf sein Rad angewiesen ist, hat auch Anspruch auf Ausfallentschädigung.

(Foto: picture alliance / dpa)

Autofahrer, die nach einem unverschuldeten Unfall auf ihren Wagen verzichten müssen, bekommen üblicherweise ein Leihfahrzeug oder eine entsprechende Entschädigung für den Nutzungsausfall. Dieses Recht gilt aber nicht nur für motorisierte Verkehrsteilnehmer, entschied das Landgericht Lübeck. Auch ein Radler, der einige Zeit ohne sein Zweirad auskommen muss, kann neben einem Ersatzrad unter Umständen auch noch eine Ausfall-Entschädigung verlangen. (Az. 1 S 16/11).

Im konkreten Fall war der Kläger vor dem Crash regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Er selbst überstand den Unfall ohne größere Blessuren, das teure Fahrrad wurde jedoch schwer beschädigt. Der Mann musste sich ein neues Rad bestellen, das aber erst nach 35 Tagen geliefert werden sollte. Für die Zwischenzeit forderte er Nutzungsausfall-Entschädigung. Damit blitzte er bei der Haftpflichtversicherung des Unfallverursachers aber ab. Schließlich könne er als Inhaber einer Autovermietungsfirma auf einen Mietwagen zugreifen, außerdem besitze er noch mehrere Rennräder.

Für die Lebenshaltung nötig

Das Lübecker Landgericht ließ diese Argumentation aber nicht gelten. Die Rennräder seien schließlich – anders als das hochwertige Stadtrad – nicht verkehrssicher. Als Autoverleiher müsse der Mann auch keine Mieteinbußen hinnehmen, indem er ein eigenes Fahrzeug nutze. "Es gibt keinen rechtlichen Grund, jemanden, dessen für die Fahrt zur Arbeitsstätte genutzter Pkw beschädigt wurde, anders zu behandeln als denjenigen, der dafür ein Fahrrad benutzt", erklärt Rechtsanwalt Jörg-Matthias Bauer von der Deutschen Anwaltshotline. Bei dem beschädigten Rad handele es sich schließlich um einen Gegenstand, auf dessen ständige Verfügbarkeit das Unfallopfer unbestreitbar für die Lebenshaltung angewiesen sei.

Weil es für den Nutzungsausfall von Fahrrädern aber keine Standard-Tabellen gibt, musste ein Sachverständiger den Schaden schätzen. Dabei orientierte er sich an den Mietpreisen für ein entsprechendes Fahrrad. Für die fünf Wochen ohne eigenes Rad bekommt der Kläger nun knapp 200 Euro.  

Quelle: n-tv.de, ino

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