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So schlimm war's nicht Ergo klärt Betriebsrenten-Affäre

Lange nichts gehört von der Ergo, dabei waren die Vorwürfe nicht ohne: Versicherungsvertreter sollen Arbeitnehmern systematisch zu teure Betriebsrenten verkauft haben. Die Versicherung versprach Aufklärung und präsentiert nun wenig spektakuläre Ergebnisse.

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Für die PR-Abteilung der Ergo geht ein hartes Jahr zu Ende.

(Foto: dapd)

Die skandalgebeutelte Ergo wehrt sich gegen den Vorwurf systematischer Fehlberatung in der betrieblichen Altersvorsorge. Eine Untersuchung der Wirtschaftsprüfer PWC habe kein Hinweise darauf geliefert, allerdings einzelne Verstöße aufgedeckt. Die festgestellten Unregelmäßigkeiten würden nun mit den Kunden besprochen und gelöst, versprach Ergo-Chef Torsten Oletzky. "Fehler passieren bei uns und in anderen Unternehmen." Wichtig sei es, daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen und zu lernen.        

Ergo hat mit Unternehmen günstige Rahmenverträge zur betrieblichen Altersvorsorge für Mitarbeiter abgeschlossen, sogenannte Kollektivverträge. In Einzelgesprächen sollen provisionsgierige Ergo-Vertreter den Angestellten dann aber trotzdem teurere Einzelverträge zu den normalen Konditionen verkauft haben, so der Vorwurf. Verbraucherschützer hatten das als strafrechtlich relevante Täuschung bezeichnet und kritisiert. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat im August Anzeigen gegen Ergo-Mitarbeiter und Versicherungsvertreter erstattet. Man wolle nicht alles der Innenrevision der Ergo überlassen.

Unsauber aber kaum strafbar

Die prüfte nun mithilfe von PwC in den vergangenen fünf Monaten, ob bei Kollektivverträgen auch die richtige Zahl der Arbeitnehmer in Firmen versichert worden ist. Bei den über 40.000 Kontrakten seit 2002 habe es in 285 Fällen Abweichungen gegeben. Bei 0,4 Prozent oder 330 Arbeitgebern seien einzelne Policen vertrieben worden, obwohl ein für die Kunden günstigerer Kollektivvertrag möglich gewesen wäre. In wenigen Fällen habe es zudem eine unzulässige Beeinflussung von Entscheidungsträgern gegeben. In drei Fällen könnte es tatsächlich strafrechtlich relevant werden, dies werde nun weiterverfolgt.        

Um künftig sauberer zu arbeiten, will die Ergo die in Verruf geratene Vertriebsorganisation der Hamburg-Mannheimer (HMI) umbauen. Ende Januar 2012 soll die Tochter einen neuen Namen bekommen. Dabei werde die Hauptmarke Ergo verwendet. Zudem würden Maßnahmen zur besseren Beratung, Kundenbetreuung und zentraleren Steuerung eingeleitet. Die wichtigsten HMI-Mitarbeiter - die Ergo sprach selbst von drei "Alt-Generälen" - würden das Haus zum Jahresende verlassen.        

Die Misere der Ergo, die ihr Image dieses Jahr eigentlich durch eine breit angelegte Werbekampagne aufpolieren wollte, begann mit der Berichterstattung und immer neuen delikaten Details über eine Sex-Reise für HMI-Vertreter nach Budapest. Danach standen immer weitere Unregelmäßigkeiten und noch mehr Vorwürfe im Raum. Wegen falsch berechneter Riester-Policen beispielsweise musste Ergo Kunden entschädigen.      

Quelle: ntv.de, ino/dpa/rts