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Berufsunfähigkeitsversicherung im Test Für viele ist der Schutz zu teuer

Dass Versicherungen gerne Kunden haben, für die sie wahrscheinlich nie zahlen müssen, ist klar. Für Menschen, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung brauchen, kann das ein Problem sein. Laut "Öko-Test" weisen die Assekuranzen schon beim kleinsten Zipperlein ab oder schränken den Versicherungsschutz rigide ein.

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Für Akademiker gibt es oft gute Policen zum Schnäppchenpreis - vorausgesetzt, gesundheitlich ist alles in Ordnung.

(Foto: © Thommy Weiss)

Wer Geld verdient, sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung haben. Da sind sich Versicherungsverbände und Verbraucherschützer einig. Nur beim Zielpublikum scheint sich diese Erkenntnis noch nicht durchgesetzt zu haben: Nur knapp ein Drittel der berufstätigen Männer hat eine entsprechende Police, bei den Frauen ist es nicht einmal jede fünfte, wie TNS Infratest 2010 im Auftrag der Allianz ermittelte. Die Annahme, dass es einen selbst schon nicht treffen wird, spielt dabei sicher eine Rolle. Vielen Berufstätigen bleibt aber auch nicht viel mehr als diese Hoffnung: Sie bekommen bei keiner Versicherung akzeptable Policen oder sie können sich den Schutz schlicht nicht leisten.

Das zeigt eine Untersuchung des Verbrauchermagazins "Öko-Test". Für die April-Ausgabe haben die Tester nicht nur Preise und Bedingungen unter die Lupe genommen, sondern auch die Annahmepolitik der Versicherer untersucht. Das Ergebnis ist bedenklich: Die Assekuranzen pickten sich mittlerweile die guten Risiken heraus, bei denen die Gefahr, zahlen zu müssen, eher unwahrscheinlich ist sei, so Öko-Test. Schon beim kleinsten Zipperlein würden Interessenten abgewiesen, oder der Versicherungsschutz rigide eingeschränkt.

Arztbesuche werden zum Verhängnis

Fünf reale Musterfälle wurden 24 Versicherern im Test anonymisiert zur unverbindlichen Risikovoranfrage vorgelegt. Darunter etwa ein 20-jähriger Auszubildender, dem seine Kiffer-Vergangenheit zum Verhängnis wird: Weil er vor zweieinhalb Jahren wegen Schlafstörungen beim Arzt war, will ihn kaum noch ein Versicherer aufnehmen – obwohl er seitdem "clean" und völlig beschwerdefrei ist. Eine Frau mit leichtem Heuschnupfen bekommt oft nur Policen mit komplettem Allergie-Ausschluss. Und ein kerngesunder Orchestermusiker findet allein wegen seines Berufes keinen Versicherer.

Ist die Antragshürde erstmal genommen, wartet das zweite Hindernis: der Preis. Berufsunfähigkeitsversicherungen funktionieren nicht nach dem Solidarprinzip, sondern richten sich allein nach dem persönlichen Risiko, das der Versicherte mitbringt. Deshalb müssen Menschen mit körperlich anspruchsvollen Berufen in der Regel mehr bezahlen als solche mit Bürojobs, auch wenn sie oft weniger verdienen. Im Test zahlt etwa eine 30-jährige Krankenschwester im Schnitt doppelt so viel wie eine gleichaltrige Krankenhausärztin, im Extremfall sogar das Vierfache. "Diese Preispolitik nährt den Verdacht, dass manche Anbieter für Berufsgruppen, die sie nicht versichern wollen, regelrechte Abschreckungskonditionen kalkulieren", schreibt "Öko-Test. Immerhin: Für Akademiker und Führungskräfte gibt es Schutz mitunter zum Schnäppchenpreis. So muss ein Steuerberater für 1500 Euro Monatsrente bei 35 Jahren Versicherungsdauer im Schnitt knapp 70 Euro zahlen.

Unbekannte Schadensquoten

Wo so streng selektiert wird, halten sich die Risiken der Versicherer in Grenzen. So darf man zumindest annehmen, offizielle Zahlen zur Schadensstatistik der Branche gibt es nämlich nicht. Manfred Poweleit, der das Versicherungsfachblatt Map-Report herausgibt, kann nur vermuten, woran das liegt: "Vielleicht soll verschwiegen werden, wie gut die Branche mit der Berufsunfähigkeitsversicherung verdient." Eine Rente, so schätzt er, müssten die Assekuranzen nur in jedem 400. Fall auszahlen. Beantragt wird sie öfter, gezahlt wird aber nur, wenn der Versicherte dauerhaft zu mindestens 50 Prozent berufsunfähig bleibt. Diese Hürde muss man erst einmal nehmen, die Beweispflicht liegt beim Kunden: Insbesondere bei psychischen und orthopädischen Problemen ist es oft strittig, wie weitreichend die Beeinträchtigung tatsächlich ist.

Keine Versicherung im Test ist wirklich spitze. Denn bietet eine Police erstklassige Bedingungen zu bezahlbaren Preisen und sichert obendrein fast alle Berufe wirklich bis zum Rentenalter ab, hakt es bei der Annahmepolitik. Das ist etwa beim SoloBU-Tarif der Barmenia oder der BV12 Tarif von HDI-Gerling der Fall. Andere Versicherer, etwa die WWK oder die Alte Leipziger, sind weniger selektiv und bieten Schutz zu moderaten Preisen – allerdings nicht bis zum Rentenalter, sondern nur bis zum 55. oder 60. Lebensjahr.

Hilfe von außen holen

Zu einer guten Versicherung gehört noch mehr: Sie soll im Schadensfall zahlen, wenn der Arzt eine Berufsunfähigkeit für die nächsten sechs Monate prognostiziert. Sie soll auch rückwirkend zahlen, wenn die Berufsunfähigkeit erst später gemeldet wird. Zudem soll sie flexibel an die eigenen Bedürfnisse angepasst werden können. Diese und weitere Punkte als Laie zu prüfen, ist schwierig. Wegen der zahlreichen Stolpersteine auf dem Weg zur Police sollten sich Interessenten am besten professionelle Hilfe holen, etwa von einem unabhängigen Versicherungsberater. Der kann einem auch sagen, ob die Versicherung überhaupt sinnvoll ist. Wer nicht genug Geld für eine gute Police mit ausreichender Rente mitbringt, kann sich die Beiträge auch sparen.

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Quelle: n-tv.de, ino

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