Ratgeber

Girokonten im Test Gebühren kann man sich sparen

Wer für die Girokontoführung Geld bezahlt, ist selbst schuld - oder hat besonders hohe Ansprüche an den Service. Die Stiftung Warentest hat Angebote von 77 Banken und Sparkassen geprüft und tatsächlich viele gebührenfreie Möglichkeiten gefunden.

Fremdgehen kann teuer werden. Richtig viel kostet es allerdings nur, wenn man ein dauerhafter Wiederholungstäter ist. Anders als in der Ehe wird beim Abheben am Geldautomaten nämlich der Betrag bei jedem Seitensprung fällig.

Eine Gang ins Ungewisse ist der Weg zum Geldautomaten inzwischen nicht mehr. Laut einer aktuellen Erhebung der Stiftung Warentest kostet das Fremdgehen am Geldautomaten zwischen 1,75 und 7,50 Euro. Den genauen Betrag zeigt der Geldautomat an, bevor er das Geld ausspuckt.

Vier große Automatenverbünde

Entscheidend für die Höhe der Gebühren an Geldautomaten ist zum einen, bei welcher Bank oder Sparkasse man sein Konto hat, zum anderen, zu welchem Bankenverbund der Geldautomat gehört. Das größte Netzwerk mit über 25.000 Geldautomaten stellen die Sparkassen zur Verfügung. Dahinter folgen mit über 19.000 Automaten die Volks- und Raiffeisenbanken.

Auch die privaten Banken haben sich zu zwei Verbünden zusammengeschlossen. Allianz Bank, Berliner Bank, Commerzbank, comdirect bank, DAB Bank, Deutsche Bank, HypoVereinsbank, norisbank und Postbank gehören zur Cash Group mit 9000 Geldautomaten, wovon sich 1300 an Shell-Tankstellen befinden. BBBank, Degussa Bank, netbank, Santander Consumer Bank, Sparda-Banken, Südwestbank, Targobank und Wüstenrot Bank bilden den Cashpool mit 2800 Geldautomaten. Wer in ländlichen Gebieten wohnt, hat da meist nicht viel Auswahl. Sparkassen und Volksbanken sind mit Geldautomaten gut vertreten, ansonsten sieht es mau aus.

Die Wahl des Girokontos hängt allerdings nicht nur vom Geldautomatennetz ab. Hier spielen Kontoführungsgebühren, Gebühren für Girokarten für den bargeldlosen Zahlungsverkehr und die Höhe der Überziehungs- und Guthabenzinsen eine entscheidende Rolle. Einige legen auch noch Wert auf einen persönlichen Ansprechpartner vor Ort in einer Filiale.

Kostenloser Filialservice selten

Bestnoten in jeder Disziplin bekommt keine Bank oder Sparkasse, wie eine aktuelle Erhebung der Stiftung Warentest zeigt. Ein flächendeckend breit gestreutes Filialnetz bieten nur die Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken an, das allerdings auch seit Jahren schrumpft. Kostenfreie Konten gepaart mit Filialservice sind rar. Kostenfrei heißt nach der Definition der Stiftung Warentest, dass keine Kontoführungsgebühren anfallen und auch die Girocard nicht extra berechnet wird - und dass keine Bedingungen an die Kostenfreiheit geknüpft sind.

Üblich sind hier bei einigen Banken monatliche Gehalts- oder Geldeingänge in bestimmter Höhe und die Nutzung der Girocard. So verlangt beispielsweise die Postbank auf ihrem Konto Giro Plus einen monatlichen Geldeingang in Höhe von 1000 Euro. Für das Konto Giro Extra Plus sind sogar 4000 Euro monatlich erforderlich. Einige Sparda-Banken setzen für die Kostenfreiheit voraus, dass die Girocard mindestens 50 Mal pro Jahr für den bargeldlosen Zahlungsverkehr genutzt wird. Ansonsten wird eine Kartengebühr fällig.

Kostenlos an jedem Automaten

Wer auf die Filiale verzichten kann, kommt allerdings ohne Probleme zum kostenfreien Girokonto. Hier sollte man allerdings genau hinschauen, wie man sich auch ohne Kosten an Geldautomaten mit Bargeld versorgen kann. Eine sehr kundenfreundliche Lösung bieten hier beispielsweise die DKB, Cortal Consors und die Wüstenrot Bank an. Bei diesen Direktbanken können Kunden an allen Geldautomaten mit der Visa Card kostenlos Bargeld ziehen. Dabei spielt es keine Rolle, zu welchem Bankenverbund der Geldautomat gehört.

Das führte in der Vergangenheit zu viel Streit. Mehrere Sparkassen und Volksbanken hatten Direktbankkunden die Auszahlungsmöglichkeit mit der Visa Card einfach gesperrt. Der Bundesgerichtshof hat allerdings ein Urteil des Landesgerichts München bestätigt, wonach dies nicht erlaubt ist.

Skatbank trumpft mit Dispo-Zins

Wer sein Konto öfter mal in den Miesen führt, sollte besonders auf einen günstigen Dispo-Zins achten. Hier langen viele Banken und Sparkassen richtig zu und stellen oft über zehn Prozent Zinsen für den eingeräumten Überziehungskredit in Rechnung. Die niedrigsten Dispo-Zinsen im Test verlangt die Deutsche Skatbank. Die genossenschaftliche Direktbank, die zur Volksbank Altenburger Land gehört, verlangt gerade mal sechs Prozent Zinsen von den Kontosündern.

Immerhin 23 gebührenfreie Girokontenmodelle hat die Stiftung Warentest unter den Angeboten von 77 Banken gefunden. Das individuell beste Angebot findet man leicht mit unserem Girokonten-Vergleichsrechner.

Beim Wechsel des Girokontos muss man sich um die regelmäßigen Geldein- und -ausgänge allerdings selbst kümmern. Der Arbeitgeber benötigt die neue Kontoverbindung für die Überweisung des Gehalts. Und über die Jahre sind viele Einzugsermächtigungen an Versicherungen, Energieversorger und andere Stellen gegangen. Diese müssen alle über die neue Kontoverbindung informiert werden, um Fehlbuchungen zu vermeiden.

Quelle: ntv.de