Ratgeber

Sinkende Preise - höhere Zinsen Immobilien: Auswirkungen der Coronakrise

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Aktuelle Krisen können auch für den Immobilienmarkt einen Wendepunkt markieren.

(Foto: imago stock&people)

Es sind historische Zeiten: Wegen Covid-19 kommt das gesellschaftliche Leben zum Erliegen. Die Börsen sacken ab und die Wirtschaft schaltet auf Krisenmodus um. Das hat weitreichende Folgen – auch im Bereich der Immobilienfinanzierung.

Manchmal wünscht man sich, nicht recht zu behalten. Bereits Anfang Februar hat die FMH-Finanzberatung als erstes Unternehmen einen Bezug zwischen Coronavirus und Bauzinsen [M1] hergestellt. Damals war die Zahl der in Deutschland Infizierten noch überschaubar – die Vorboten der Pandemie zeigten sich aber schon deutlich. Wie fast immer in Krisenzeiten hatten Anleger auch diesmal die Bundesanleihe als sichere Geldanlage identifiziert. Die Rendite des Papiers rutschte weiter ins Minus und drückte damit (indirekt) auch die Hypothekenzinsen nach unten.

Inzwischen befindet sich die gesamte Welt im Ausnahmezustand, Deutschland eingeschlossen. Das bleibt nicht ohne Folgen auf den Immobilienmarkt – und die Zinsen.

Ein neuer Schutzschirm für die Wirtschaft

Die Bundesregierung tut derzeit viel, um der Panik auf den Märkten und in der Realwirtschaft etwas entgegenzusetzen: Den von der Corona-Krise betroffenen Unternehmen soll mit unbegrenzten Kreditprogrammen geholfen werden. Bei der Staatsbank KfW könnte über einen erhöhten Garantierahmen eine halbe Billion Euro zur Verfügung stehen. Das ist einerseits beruhigend, bedeutet aber auch: Die Krise wird nach Ostern nicht vorbei sein, sondern könnte sich noch über Monate hinziehen.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Was bedeutet das für Verbraucher, die gerade eine Baufinanzierung planen oder nach einem Eigenheim suchen? Die FMH wird gerade oft gefragt, ob sich die jüngste Krise langfristig auf die Zinsen und die Immobilienpreise auswirken könnte. Hier unsere Thesen.

Preise für Häuser und Wohnungen könnten sinken

Auch wenn die Menschen in Zeiten des sozialen Shut-Downs viel Zeit haben, um am Rechner zu sitzen und zu recherchieren: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mehrzahl ausgerechnet nach Immobilien-Schnäppchen sucht und schnell unterschreiben will, ist eher gering. Die meisten Immobilieninteressenten müssen genau kalkulieren und einige Jahre vorausplanen, bevor sie die wohl größte Investition ihres Lebens vornehmen. Hinzu kommt – auch wenn es zynisch klingt – dass der eine oder andere Kaufinteressent seine Pläne wohl vorerst auf Eis legt, weil ihn andere Probleme quälen. Was ist, wenn meine Firma längere Zeit kurzarbeiten muss? Was ist, wenn in den nächsten Monaten Stellen abgebaut werden? Bin ich dann mit dabei? Wann habe ich wieder einen neuen Job? All das sind berechtigte Fragen, die eine so hohe Investition und langjährige Ratenverpflichtung wie beim Immobilienkauf beeinflussen können - und beeinflussen müssen.

Somit könnte die aktuelle Krise auch für den Immobilienmarkt einen Wendepunkt markieren. Wenn viele Kaufwillige die Unterschrift erst mal hinauszögern und die Objekte folglich länger auf dem Markt sind, dürfte das den Anstieg der Preise zumindest verlangsamen. Denkbar ist zudem, dass der eine oder andere Verkäufer, der auf weiter steigende Preise spekuliert hat, sein Objekt nun doch zum Kauf anbietet, bevor die Preise wegen Corona in den Keller rutschen.

Beide Entwicklungen zusammen könnten den Immobilienmarkt mit den aktuellen Mondpreisen – deutlich zurechtstutzen. Das mag den einen oder anderen Käufer freuen, volkswirtschaftlich betrachtet leistet diese Tendenz aber natürlich keinen Beitrag zur Krisenbewältigung. Wenn Hauspreise fallen, warten viele Immobilieninteressenten auf noch niedrigere Preise. Und wenn die Krise noch länger dauert, spüren dies auch die Baufirmen im Neubau Segment.

Zinsen könnten leicht steigen

Während wir bei den Immobilienpreisen einen Abwärtstrend erwarten, könnten die Zinsen sich auf absehbare Zeit leicht nach oben entwickeln. Das hat mehrere Gründe.

Zum einen sehen auch die Investoren weltweit, dass der deutsche Staat für seine Hilfsprogramme enorm viel Geld aufwenden muss: Das mindert den Run auf die deutsche Staatsanleihen. Seit ihrem Tiefstand von 0,83 Prozent ist die Minusrendite inzwischen wieder auf minus 0,63 Prozent gestiegen. Und wenn die Bundesanleihe zulegt, machen das auch die Bauzinsen.

Verstärkt wird dieser Trend durch die Situation der Banken. Ihnen geht es in Krisen selten gut. Deshalb müssen sie nun mehr denn je auf ihre Margen achten. Und auf überlebensfähige Gewinne aus dem sicheren Baufinanzierungsgeschäft. Daher erwarten wir, dass die Zinsen sich in den kommenden Wochen flächendeckend nach oben entwickeln werden. Ein (realistisches) Plus von 0,25 Prozent bedeutet bei einem Darlehen von 250.000 Euro innerhalb von 20 Jahren Mehrkosten von knapp 10.000 Euro. Bei einem Kredit von über 500.000 Euro sind es sogar 20.000 Euro.

Wer bereits kurz vor einem Kaufvertragsabschluss steht, sollte jetzt nicht unbedingt alles abblasen und abwarten. Die Immobilienpreise stürzen nicht ab wie die Aktienkurse in der letzten Woche, vielmehr werden wir graduell und wahrscheinlich auch nicht überall eine Normalisierung des Preisniveaus erleben. Der Zinsvorteil ist zwischen Bank A und Anbieter B meist wesentlich größer als eine generelle Zinsveränderung. Nutzen Sie den Vergleichsrechner der FMH-Finanzberatung, der Ihnen für Ihren Kaufpreis und Darlehensbetrag die besten Zinsen ausrechnet und auch gleich die besten Anbieter benennt.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: ntv.de