Ratgeber

Angst um den Job Ist das Coronavirus ein Kündigungsgrund?

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Auch in Coronavirus-Zeiten muss man eine Kündigung nicht einfach so hinnehmen.

(Foto: imago images / Panthermedia)

Aufgrund der Maßnahmen im Rahmen der Coronavirus-Pandemie bangen viele Arbeitnehmer zurzeit um ihren Arbeitsplatz. Und das zu Recht. Doch ist eine Kündigung wegen der Corona-Krise überhaupt gerechtfertigt?

Der Schaden für die Wirtschaft wird mit jedem Tag größer, an dem die strengen Regelungen der Bundesregierung wegen der aktuellen Corona-Krise gültig sind. Laut der Bundesagentur für Arbeit haben mehr als 76.000 Betriebe in Deutschland Kurzarbeit angekündigt. Nicht wenige Firmen kündigen ihren Mitarbeitern sogar fristlos. Lohnt sich die Einreichung einer Kündigungsschutzklage überhaupt, wenn Corona als Grund genannt wird?

Fristlose Kündigungen meist unwirksam

Zunächst einmal gilt auch in Zeiten der Corona-Krise der übliche Kündigungsschutz. Eine fristlose Kündigung ist daher laut dem Fachanwalt für Arbeitsrecht Alexander Bredereck in den meisten Fällen unwirksam: "Wenn der Arbeitnehmer länger als ein halbes Jahr dabei war und der Arbeitgeber mehr als zehn Mitarbeiter hat, gilt das Kündigungsschutzgesetz. Dann darf der Arbeitgeber nicht einfach so kündigen", erklärt er gegenüber ntv.de.

Eine fristlose Kündigung ist nur dann gerechtfertigt, wenn eine schwerwiegende Pflichtverletzung seitens des Arbeitnehmers vorliegt. Das heißt, sie ist immer nur verhaltensbedingt. So eine fristlose Kündigung ist zum Beispiel wirksam, wenn ein Mitarbeiter der Arbeit aufgrund der Angst vor dem Coronavirus fernbleibt oder Atemschutzmasken stiehlt. In allen anderen Fällen muss der Chef einen Kündigungsgrund angeben.

Erkrankte haben kein erhöhtes Risiko

Eine krankheitsbedingte Kündigung, weil ein Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet wurde und in Quarantäne muss, ist ebenso unzulässig. "Wenn jemand an Corona erkrankt, dann hat er ja noch gar nicht die benötigte Zeit, also mindestens sechs Wochen im Jahr, erreicht", sagt Bredereck. Zusätzlich müsste bei einer krankheitsbedingten Kündigung auch noch abzusehen sein, dass sich der gesundheitliche Zustand des Mitarbeiters auch in Zukunft nicht bessert. Auch wenn jemand bereits öfter krank war, ist eine fristlose Kündigung daher meist unwirksam. Der Arbeitgeber muss hier außerdem erst einmal nachweisen, dass er ein betriebliches Eingliederungsmanagement durchgeführt hat.

Auszubildende müssen ebenso nicht um ihren Ausbildungsplatz fürchten. "Nach Ablauf der Probezeit von vier Monaten können Ausbildungsverhältnisse nur noch fristlos gekündigt werden. Das heißt, da braucht der Arbeitgeber einen sehr heftigen Kündigungsgrund. Den hat der nicht bei Corona", erklärt der Anwalt.

Erfolgschancen trotz Krise nicht schlechter

Die aktuelle wirtschaftliche Talfahrt führt dazu, dass bei vielen Arbeitnehmern betriebsbedingte Kündigungen ins Haus flattern. Das sollte man keineswegs einfach hinnehmen, so Bredereck: "Es ist doch ein Irrglaube, zu denken, dass alle Unternehmen gleich pleite sind. Zwar haben sie keine Aufträge, aber wir haben Hilfszahlungen in Ankündigung. In einigen Monaten kann es wieder besser sein". Wie bei allen anderen Kündigungen auch sollten Arbeitnehmer also in so einem Fall nicht zögern und sofort einen Anwalt einschalten. Innerhalb von drei Wochen muss bereits nach dem Kündigungsschutzgesetz eine Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht eingereicht werden. Wird die Frist nicht eingehalten, ist die ausgesprochene Kündigung automatisch wirksam.

Die Chancen, mit der Klage erfolgreich zu sein, stehen nicht unbedingt schlecht. Handelt es sich um eine betriebsbedingte Kündigung in einem größeren Betrieb aufgrund fehlender Aufträge oder drohender Insolvenz, wird in Zeiten der Hektik unter Umständen oft gegen arbeitsrechtliche Vorgaben verstoßen. Zum Beispiel unterzeichnet eine nicht berechtigte Person die Kündigung und nicht der Chef, weil dieser sich in Quarantäne befindet. Wer seinen Job trotz aller Bemühungen nicht retten kann, hat dennoch gute Chancen auf eine angemessene Abfindung. Schon allein deswegen lohnt es sich, einen Rechtsanwalt hinzuzuziehen.

Quelle: ntv.de, imi