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Ferrero vor Gericht Jedes einzelne Raffaello muss genannt sein

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Bei dieser Verpackung kann man noch leicht zählen ...

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Bei Pralinen, die einzeln verpackt sind, ist es nicht ausreichend, wenn nur das Gewicht auf der Verpackung ausgewiesen ist. Laut Gerichtsurteil ist dann die genaue Mengenangabe jedes einzelnen Zuckerwerks erforderlich.

Möglicherweise spielt es für Süßschnäbel eine Rolle, mit einem Blick zu erkennen, wie viele Pralinen sich in der Verpackung befinden. Schließlich lässt sich dann der Zuckerrausch besser einteilen. Zumindest erhöht die Nennung der genauen Stückzahl zusätzlich zum Gesamtgewicht des Produkts die Transparenz.

Wie auch immer, Süßwarenhersteller Ferrero wurde vom Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt dazu verdonnert, die genaue Anzahl für seine innerhalb der eigentlichen Verpackung einzeln, mit einer verschweißten Plastikfolie ummantelten, weißen Pralinenkugeln Raffaello, anzugeben (Az. 6 U 175/17).  Laut OLG ist die gewählte Art der Umhüllung der einzelnen Kugeln im Sinne der entsprechenden EU-Verordnung als Einzelpackung einzustufen. Die Verordnung verpflichte Hersteller, neben der Nettofüllmenge auch die Stückzahl offenzulegen, wenn sie mehrere einzeln verpackte Pralinen, Schokoriegel oder Eisportionen in einer Verpackung anbieten.

Daher müsse auf der äußeren Verpackung von Raffaelo auch die Anzahl der enthaltenen Einzelpackungen angegeben werden, so das Gericht. Verbraucher müssen die genaue Anzahl entweder sehen können oder sie muss auf der Verpackung stehen. Nur so können sie die Menge richtig einschätzen.

In dem verhandelten Fall hatte sich ein hessischer Verbraucher geärgert, dass auf dem Karton mit Raffaello nur das Gesamtgewicht von 230 Gramm zu finden war. Wie viele Pralinen in der Verpackung steckten und wie viel eine Kokoskugel wiegt, erfuhr er nicht und beschwerte sich bei lebensmittelklarheit.de, dem Portal der Verbraucherzentralen. Die hessische Verbraucherzentrale mahnte Ferrero zunächst ab und suchten dann die Entscheidung vor Gericht.

Ferrero hatte unter anderem argumentiert, dass es sich bei der Umhüllung um eine Trennhilfe - vergleichbar etwa mit dem Einwickelpapier von Bonbons - und keine Einzelverpackung handelt.

Auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, bietet es doch vielleicht für den Hersteller Ferrero eine gute Gelegenheit, über den ökologischen Sinn und Zweck von Einzelverpackungen oder Trennhilfen innerhalb einer Verpackung nachzudenken - insbesondere dann, wenn diese aus Plastik sind.  

Quelle: n-tv.de, awi

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