Ratgeber

Tenhagens Tipps Jetzt alles verkaufen?

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Es besteht Hoffnung, dass es nicht so weit kommt.

(Foto: imago/blickwinkel)

Die Finanzwelt steht vor neuen, heftigen Erschütterungen, heißt es in einer Warnung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Wohin also mit dem Geld und was sollten Besitzer von Aktien- und Rentenfonds jetzt tun? Finanztip-Chefredakteur Tenhagen gibt Rat.

n-tv.de: An den Finanzmärkten soll es wieder knallen. Wie ernst nehmen Sie die Warnung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (Biz)?

Hermann-Josef Tenhagen: Die Warnung der Biz sollte man schon beachten. Die Situation ist allerdings schon seit anderthalb bis zwei Jahren relativ unruhig und man weiß einfach nicht, wann es zu einer richtigen Korrektur kommt. Jetzt haben wir in diesem Herbst die Auseinandersetzung um die Strafzölle, wir haben die weiter steigenden US-Zinsen, deren Folgen nicht klar absehbar sind - auch in Europa. Zudem haben wir noch den Brexit. Es gibt also so einiges, was für Börsenturbulenzen sorgen könnte.

An die ganz große Krise glauben Sie aber nicht?

Nein. Einen Crash des Finanzsystems erwarte ich nicht. Es muss auch beachtet werden, dass wir seit fast einem Jahrzehnt an den Aktienmärkten einen Trend nach oben haben. Hier wäre ja schon eine größere Korrektur bemerkenswert beziehungsweise auch durchaus im Rahmen.

Dennoch, wie sollten sich vorsichtige Anleger aufstellen? Lassen Sie uns mal die verschiedenen Anlageklassen durchgehen. Wie schaut es aus mit …

… Aktien/Aktienfonds?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Aktien sind als Teil einer Geldanlagestrategie ein Langzeitprojekt. Damit meine ich, dass eine Anlage auf Sicht von 15 Jahren getätigt werden sollte. Dann ist es in der Vergangenheit immer so gewesen, dass es tatsächlich nur eine Frage der Zeit war, bis sich etwaige Verluste wieder ausgeglichen beziehungsweise Gewinne eingestellt haben.

Wer sein Geld also nicht kurzfristig braucht, kann etwaige Krisen aussitzen. Abgesehen davon schaffen es die Allerwenigsten, den günstigsten Aus- beziehungsweise Einstiegszeitpunkt am Markt innerhalb so einer 15-Jahres-Periode zu erwischen. Das ist reine Glückssache, so dass es für die meisten Anleger wenig Sinn hat, sich am sogenannten Market-Timing zu probieren. Und wer rausgeht, muss auch wieder reinkommen, wie schon der legendäre SPD-Politiker Herbert Wehner wusste. Gleichzeitig gilt: Hin und her macht Taschen leer, sprich verursacht wieder Transaktionskosten. Also, wenn es zur Gesamtstrategie passt und noch ausreichend Zeit ist, investiert bleiben. 

… Rentenfonds?

Wer Rentenfonds als sichere Anlage gesehen hat, der sollte sich das überlegen. Denn mit steigenden Zinsen fallen die Kurse für Anleihen. Rentenfonds sind in einer Situation, wo die Zinsen arg niedrig sind, keine gute Anlage. Hier drohen zumindest kurzfristig Verluste von bis zu 15 Prozent. Auch wenn diese grundsätzlich als sichere Anlage gelten und wohl auch sind, sagen wir bereits seit 2015, dass Anleger in dieser Niedrigzinsphase besser einen Bogen um die Papiere machen beziehungsweise sich von diesen trennen sollten. Zumindest dann, wenn Rentenfonds als sicherere Bausteine im Depot verwendet werden.

 … also stattdessen Festgeld?

Genau. Und dann mal schauen, was sich in Europa mit den Zinsen tut. Hier ist das sichere 1 Prozent immer noch besser als die erwähnten Kursverluste. Das beste Angebot bietet derzeit aus unserer Sicht die Crédit Agricole Consumer Finance (CA). Für 24 Monate gibt es hier 1,11 Prozent Zinsen pro Jahr und für 36 Monate sind es 1,21 Prozent. Hier stimmt die Einlagensicherung und auch die Bank wird von uns als solide bewertet.

… Gold?

Wenn man die ganz große Krise erwartet - was ich wie gesagt nicht tue - ist Gold sicher eine Alternative zum Schrebergarten. Ich würde hier aber vorsichtig sein. Die Leute, die sich vor einigen Jahren zu einem Kurs von 1900 Dollar eingedeckt haben, die trauern ja immer noch. Ich sehe auch nicht, dass sich an deren Stimmung in nächster Zeit etwas bessert, sprich die Kurse steigen.

Wer unbedingt Gold haben muss, sollte es aber keinesfalls übertreiben. Mehr als 10 Prozent des Vermögens sollten nicht in Edelmetalle investiert sein. Und dann auch nur physisch in Form von Barren oder Münzen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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