Ratgeber

Nach dem Winter - vor dem Winter Können Heizkosten geschätzt werden?

Abrechnung der Heizkosten

Höchstens 25 Prozent der Wohnfläche des Hauses darf der Vermieter schätzen.

(Foto: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa)

Ein Mal im Jahr findet die Heizungsablesung statt. Doch was passiert, wenn das Gerät zu diesem Zeitpunkt defekt ist? In solchen Fällen gilt eine praktische Ausnahmeregel.

Heizkosten in Mehrfamilienhäusern müssen verbrauchsabhängig abgerechnet werden. Das bestimmt die Heizkostenverordnung. Deshalb sind alle Wohnungen beziehungsweise alle Zimmer und Heizkörper mit Erfassungssystemen ausgerüstet. Diese müssen einmal im Jahr abgelesen werden.

Die Werte dienen als Grundlage für die Verbrauchsabrechnung, teile der Deutsche Mieterbund (DMB) in Berlin mit. Was aber, wenn der Verbrauch, zum Beispiel wegen eines Geräteausfalls, nicht abgelesen werden kann? In derartigen Ausnahmefällen darf der Energieverbrauch des Mieters geschätzt werden. Das gilt laut DMB auch, wenn falsch abgelesen wurde - etwa bei Computerfehlern, Verlust der Ablese-Daten oder einer versehentlich unterbliebenen Ablesung. Auch wenn die Ablesung gar nicht erfolgt ist, weil der Mieter trotz mehrfachen Versuchen nicht angetroffen wurde, darf dessen Energieverbrauch geschätzt werden.

Die Heizkostenverordnung gibt vor, wie der Vermieter den Wert schätzen muss. Er kann den Verbrauch vergleichbarer Räume oder Wohnungen im Haus innerhalb der aktuellen Abrechnungsperiode zugrunde legen. Oder er greift auf den Verbrauch der betroffenen Räume oder Wohnungen in einer früheren Abrechnungsperiode zurück. Zulässig - aber oft unzuverlässig - ist es, den Durchschnittsverbrauch im Haus heranzuziehen.

Wichtig: Höchstens 25 Prozent der Wohnfläche des Hauses darf der Vermieter schätzen, um die Verbrauchsabrechnung zu retten. Wird diese Grenze überschritten, ist eine verbrauchsabhängige Abrechnung nicht möglich. Dann muss der Vermieter die Heizkosten nach Quadratmetern, also nach der Wohnfläche, verteilen. Laut DMB haben Mieter dann das Recht, ihren Heizkostenanteil um 15 Prozent zu kürzen.

Ungeachtet dessen befindet sich der Markt für das Ablesen von Heizungen zu rund zwei Dritteln in der Hand von drei Großunternehmen. Verbraucherschützer bemängeln fehlende Konkurrenz und halten die Ablesekosten für zu hoch. Nach einer Schätzung des gemeinnützigen Klimaschutz-Netzwerkes CO2 Online zahlen Mieter jedes Jahr rund 200 Millionen Euro zu viel. Das Bundeskartellamt untersucht seit Sommer 2015 in einer sogenannten Sektoruntersuchung die Branche, demnächst soll der Bericht veröffentlicht werden.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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