Ratgeber

Wider den Burn-out Krank durch den Job?

Ständige Gereiztheit, Wutausbrüche oder plötzlicher Rückzug sind oft Anzeichen für Burnout und psychische Erkrankungen. Viele Chefs jedoch ignorieren diese Vorboten. Dabei ist frühes Handeln geboten.

Die permamente Erreichbarkeit im Job kann erschöpfend sein. Wer nicht aufpasst, erleidet einen Burnout. Foto: Julian Stratenschulte

Die permamente Erreichbarkeit im Job kann erschöpfend sein. Wer nicht aufpasst, erleidet einen Burnout.

(Foto: dpa)

Psychische Erkrankungen sind in Deutschland der häufigste Grund für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung. Die Zahl der entsprechenden Diagnosen wächst nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM). Deren Präsident Professor Hans Drexler sprach über Ursachen und Rezepte:

Lärm, Staub, Stress - ist arbeiten gefährlicher als früher?

Professor Hans Drexler: Das nicht, aber die Gefahren wandeln sich permanent. Dabei sind weniger Menschen den klassischen Gefährdungen ausgesetzt. Lärm, Staub oder chemische Gefahrstoffen gibt es zwar im 21. Jahrhundert auch, aber die Zahl der Betroffenen dürfte deutlich geringer sein als vor 50 Jahren. Dafür ist Neues dazu gekommen wie die E-Mail-Flut. Es wird erwartet, dass man sofort reagiert und in der globalisierten Welt 24 Stunden, also permanent, erreichbar ist. Das ist eine neues arbeitsmedizinisches Problem, das wir noch in den Griff kriegen müssen.

Wird das Problem von Betroffenen und Arbeitgebern übersehen?

Drexler: Es ist lange unterschätzt worden, aber in den vergangenen drei, vier Jahren hat ein massives Umdenken eingesetzt. Burnout oder Frühverrentung und Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Erkrankungen haben es auf die Titelseiten der Magazine geschafft - das zeugt von einer Bewusstseinsänderung. Das Problem ist erkannt, und man versucht schon, gegenzusteuern. Was aber nicht heißt, dass es gelöst ist.

Wie kann die Zunahme gestoppt werden?

Drexler: Betriebsärzte müssen auf derartig belastete Beschäftigte achten. In der klinischen Behandlung ist der Arbeitsmediziner zu spät. Er muss Symptome wie Überforderung frühzeitig erkennen und intervenieren, damit die Erkrankung erst gar nicht ausbricht. Da hilft ein Seminar für autogenes Training, eine betriebsinterne Umsetzung des Betroffenen oder optimiertes Zeitmanagement.

Was ist das beste Konzept?

Drexler: Wir können Geld sparen, wenn Patienten behandelt werden, die noch nicht merken, dass sie ein Problem haben, damit sie gar nicht erst krank werden. Betriebsärzte können dabei Beschäftigte erreichen, die nie zur Vorsorge gehen würden. Diese Leute müssen angesprochen werden, weil sie in aller Regel erst zum Arzt gehen, wenn es zu spät ist. Und wenn man Symptome hat, ist man schon krank.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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