Ratgeber

Preis der Mobilität Langer Arbeitsweg belastet am stärksten

Was ist schlimmer: täglich über zwei Stunden mit Arbeitswegen vergeuden oder ständig auf Dienstreisen geschickt zu werden? Eine neue Studie gibt recht eindeutige Antworten. Gerade für Frauen ist langes Pendeln eine Belastung.

imago70128296h.jpg

Unbefriedigend: Im Auto kann man weder richtig entspannen noch richtig arbeiten.

(Foto: imago/Roland Mühlanger)

Langes Pendeln verursacht Stress: Wer über eine Stunde für den Weg zur Arbeit braucht, leidet darunter mehr als Menschen, die aufgrund ihres Jobs viel reisen und auswärts übernachten müssen. Vor allem Frauen und Eltern spüren gesundheitliche Beeinträchtigungen, zeigt eine Studie des Wiesbadener Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung.

Dass ein langer Arbeitsweg der Gesundheit nicht unbedingt förderlich ist, haben in den letzten Jahren schon mehrere Studien belegt. Ziel der neuen Untersuchung war es nun, herauszufinden, ob auch die Art der beruflichen Mobilität eine Rolle spielt und welche Bevölkerungsgruppen besonders betroffen sind. Dabei teilten die Wissenschaftler die befragten Berufstätigen in drei Gruppen ein: Rund sieben Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sind demnach Fernpendler, die für den einfachen Arbeitsweg 60 Minuten oder mehr brauchen. 4,5 Prozent sind sogenannte "Vario-Mobile". Das sind Vielreisende, die über 60 Arbeitstage im Jahr auswärts übernachten. 2,5 Prozent kombinieren als sogenannte "Multi-Mobile" verschiedene Arten von beruflicher Mobilität.

Langes Pendeln ist für viele normal

Für weit mehr als jeden zehnten Erwerbstätigen gehört es also zum Alltag, für den Beruf viel unterwegs zu sein. Das ist für Männer aber offenbar eher machbar als für Frauen. Unter ihnen war der Anteil der beruflich Mobilen nicht einmal halb so hoch wie bei den Männern. Frauen, die lange Abwesenheitszeiten in Kauf nehmen, haben laut Studie oft keinen Partner und keine Kinder. Gründe sehen die Autoren im traditionellen Rollenverständnis bei den familiären Aufgaben: "Wer mehr als zwei Stunden täglich in der Bahn oder im Auto sitzt, kann vielleicht nebenbei schon Mails schreiben oder Bankgeschäfte erledigen, aber Wäscheberge, ungemachte Betten oder dreckiges Geschirr lassen sich in dieser Zeit nicht beseitigen."

Unter den Fernpendlern waren es dann auch vor allem die Frauen, die über einen schlechteren Gesundheitszustand klagten, insbesondere dann, wenn sie Mütter waren. Auch Männer mit Familie waren etwas schlechter dran als ihre kinderlosen Geschlechtsgenossen. Noch deutlicher waren die Effekte des Langstreckenpendelns auf das Stressempfinden. Die allgemeine Belastung empfanden die betroffenen Eltern um 16 Prozent höher als die nicht mobilen Berufstätigen.

Häufige Übernachtungen auswärts sind dagegen offenbar weit weniger kräftezehrend. Ihren Gesundheitszustand stuften die Befragten kaum als schlechter ein als andere Arbeitnehmer und auch der Stress hielt sich für die meisten von ihnen in Grenzen. Auffällig war, dass sich vielreisende Männer sogar stärker unter Druck fühlten als Frauen. Das könnte aber auch an der empirischen Basis liegen, räumen die Studienautoren ein: Vari- oder multi-mobile Frauen seien eine zahlenmäßig recht kleine Gruppe, "die sich ihre beruflichen Bedingungen möglicherweise bewusst gewählt" hätten und damit oft "auffallend zufrieden" seien.

Quelle: n-tv.de, ino

Mehr zum Thema