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Tenhagens Tipps Mit Baukindergeld zur eigenen Immobilie?

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Wer drei Kinder hat, erhält insgesamt 36.000 Euro Baukindergeld.

(Foto: imago/Westend61)

Die Eigenheimzulage soll noch in diesem Jahr recycelt werden, um mehr Familien zum Eigenheim zu verhelfen. Noch sind nicht alle Details zu der Förderung bekannt, Finanztip-Chef Tenhagen gibt aber schon mal eine Einschätzung. 

n-tv.de: Familien sollen mithilfe des Baukindergeldes bei der Immobilienfinanzierung unterstützt werden. Gute Sache, oder?

Hermann-Josef Tenhagen: Ja, im Prinzip schon. Aber mit 1200 Euro pro Kind und Jahr - für 10 Jahre - kommen Sie in Großstädten mit hohen Immobilienpreisen nicht arg weit. Wer hingegen die Förderung für eine Immobilie in der Uckermark oder der Eifel nutzen möchte, also da, wo Immobilien erschwinglich sind, kann sich über das Baukindergeld tatsächlich freuen. Bei besonders preiswerten Immobilien und entsprechend vielen Kindern könnte der Immobilienerwerb dann sogar komplett von der Förderung bezahlt werden. Beispiel: Wer drei Kinder hat, erhält insgesamt 36.000 Euro. Da ist in so manchem Brandenburger Dörfchen schon was zu holen.

Welche Einkommensgrenzen gelten?

Die Grenze liegt nach dem Koalitionsvertrag bei 75.000 Euro zu versteuerndem Haushaltseinkommen plus 15.000 Euro pro Kind. Mit drei Kindern könnte eine Familie also bis zu 120.000 Euro zu versteuerndes Einkommen verdienen und würde dennoch die Förderung erhalten. Dann sollten die Eltern nur noch ein solches Baukindergeld in ein ordentliches Finanzierungskonzept einbauen.

Die Zahl der Kinder, für die es Förderung gibt, ist nicht begrenzt, oder?

Nein. Zumindest ist Gegenteiliges bisher nicht bekannt.

Gibt es das Geld auch, wenn bereits eine Immobilie vorhanden ist?

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur der unabhängigen Verbraucher-Webseite Finanztip.

Nein, das Baukindergeld ist für den Ersterwerb einer Neubau- oder Bestandsimmobilien. Außerdem muss darin dann auch gewohnt werden.

Müssen die Eltern verheiratet sein?

Vermutlich nicht. Hier wird wohl die Frage sein, wie die Einkommensgrenzen berechnet werden. 

Was passiert denn bei einer Scheidung oder Trennung?

Die Idee ist ja, dass Familienwohnungen finanziert werden – also nach der Scheidung die Wohnung des Elternteil mit den Kindern. Von daher läuft die Finanzierung dann ja normal weiter. Ich kenne aber den Gesetzentwurf noch nicht.

Gibt es das Baukindergeld auch für Modernisierungen oder Erweiterungen oder Anbauten?

Kann ich mir nicht vorstellen. Die genaue Ausgestaltung des Baukindergeldes ist aber noch nicht bekannt.

Was ist mit Ferienimmobilien?

Nein, glaube ich eher nicht. Was ich viel spannender finde, ist die Frage, ob ich mit dem Geld auch Anteile an einer Wohnungsbaugenossenschaft kaufen kann. Könnte ich mir aber dann vorstellen, wenn die Genossenschaft für Neubauten in der Stadt sorgen würde.

Gibt es die Förderung auch rückwirkend?

Nein, kann ich mir auch nicht vorstellen. In der Koalitionsvereinbarung heißt es: "Wir führen einen Zuschuss aus dem Bundeshaushalt ein".

Wer wird den vom geplanten Baukindergeld am meisten profitieren?

Familien auf dem Land. Für die ist das ein relevanter Finanzierungsbeitrag.

Wird die Förderung zu einem "Landboom" führen? 

Das ist sicher auch die Idee dahinter. Um den Trend entgegenzuwirken, dass die Leute in die Städte ziehen und die Dörfer "eingehen". Boom ist in dem Zusammenhang sicherlich übertrieben. Aber es ist durchaus vorstellbar, dass derart gefördert die eine oder andere Familie vielleicht doch dazu beiträgt, dass so manches Dorf überleben kann.

Befürchten Sie, dass dadurch die Immobilienpreise noch weiter steigen?

Erfahrungsgemäß führt eine Förderung dazu, dass diejenigen, die ein entsprechend Produkt verkaufen, einen Teil dieser Förderung auch einsacken. Also leider ja.  

Wie sieht es mit der Sorge aus, dass sich Familien eine Immobilie zulegen, die sie sich eigentlich gar nicht leisten können?

Das kann es sicherlich geben, ist hierzulande aber ein zu vernachlässigendes Problem. Die beiden Hauptrisiken lauten eher: ich verliere meinen Arbeitsplatz oder ich lasse mich scheiden.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Axel Witte

Quelle: n-tv.de

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