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WC statt Meerblick Preisminderung wegen Noro-Virus?

Entspannt mit dem Kreuzfahrtschiff durchs Mittelmeer schippern - aus diesem Traum wurde nichts. Ein Ehepaar fing sich einen Magen-Darm-Virus ein. Später verlangte es Schadensersatz und den Reisepreis zurück. Zu Unrecht, befand das Gericht.

So soll die «Harmony of the Seas» von Royal Caribbean aussehen, wenn sie im April 2016 vom Stapel gelassen wird. Zunächst wird sie dann im westlichen Mittelmeer unterwegs sein. Illustration: Royal Caribbean International Foto: Royal Caribbean International

Beliebt, aber bisweilen mit Tücken: Der Aufenthalt auf einen Kreuzfahrtschiff.

(Foto: dpa-tmn)

Kreuzfahrten erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Umso ärgerlicher, wenn der Passagier an Bord erkrankt. Ob die Erkrankung einen Reisemangel darstellt, hatte das Amtsgericht Rostock (Az.: 47 C 210/14) zu entscheiden.

Demnach gehört eine Magen-Darm-Erkrankung durch das Noro-Virus auf einem Kreuzfahrtschiff gehört zum allgemeinen Lebensrisiko. Sie rechtfertigt daher keine Minderung des Reisepreises oder Schadenersatz.

In dem verhandelten Fall reiste der Kläger mit seiner Frau auf einem Kreuzfahrtschiff im Mittelmeer. Im ersten Hafen beobachtete er, wie mehrere Kabinen von Mitarbeitern mit Mundschutz leergeräumt wurden. Ein Mitreisender erklärte, eine Vielzahl von Passagieren leide unter Magen-Darm-Beschwerden. Schließlich bekamen auch der Kläger und seine Frau Durchfall, sie hatten sich mit dem Noro-Virus angesteckt. Es folgte eine ärztliche Behandlung für rund 190 Euro, Landgänge waren nicht mehr möglich. Obgleich verängstigt, rügte das Paar an Bord keinen Reisemangel.

Das Kreuzfahrtunternehmen zahlte dem Kläger und seiner Frau einen Betrag von 200 Euro für die Unannehmlichkeiten. Das Paar forderte jedoch die Rückzahlung des Reisepreises und Schadenersatz. Zu Unrecht, wie das Gericht entschied. Die Erkrankung des Klägers und seiner Frau seien nicht dem Unternehmen zuzurechnen, somit liege auch keine mangelhafte Leistung vor. Die Renovierung der Kabinen war nach Aussage der Beklagten nicht wegen des Virus erfolgt und begründet keinen Minderungsanspruch. Auch sei nicht erwiesen, dass das beklagte Unternehmen bereits von einer Vielzahl an Erkrankten wusste, als der Kläger und seine Frau an Bord gingen.

Grundsätzlich können sich auf Kreuzfahrten bei Reisemängeln Gewährleistungsansprüche des Reisvertragsrechts sowie weitergehende Schadensersatzansprüche für den Passagier ergeben. Dem Reisenden steht dann neben einem Anspruch auf Reisepreisminderung eventuell auch die Möglichkeit der Kündigung des Reisevertrages, ein Schadenersatz und ein Schmerzensgeldanspruch wegen vertaner Urlaubszeit zu. 

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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