Ratgeber

Verwirrende Testsiegel und mehr Privatpatient für 49 Euro

Wer im Internet nach einer Krankenversicherung sucht, stößt auf zweifelhafte Angeobte. Zum Super-Sparpreis soll man angeblich zum Patienten 1. Klasse werden. Die Wahrheit sieht wahrscheinlich anders aus.

pkv_vergleich.jpg

Der Anbieter wirbt mit vollmundigen Versprechen.

Man nehme eine Suchmaschine und tippe das Wort "Krankenversicherung" ein. Eingeblendet werden dann nicht nur Suchergebnisse, sondern auch Anzeigen. Der erste Anzeigentreffer verspricht uns die Testsieger im Gratisvergleich ab 49 Euro. Das macht neugierig, denn damit wäre der monatliche Beitrag deutlich günstiger als bei der gesetzlichen Krankenversicherung.

Das Impressum der Seite verrät, dass es sich hierbei um einen Versicherungsmakler handelt. Die zahlreichen Testsiegerlogos verschiedener Zeitschriften sollen wahrscheinlich für Seriosität sorgen. Da gibt es einen ersten Platz ausgelobt von "DMEuro", die schon lange nur noch "Euro" heißt. Wofür das Siegel vergeben wurde, ist quasi nicht lesbar. Jedenfalls ging es nicht um die private Krankenversicherung sondern um Kapital-Lebensversicherungen. Bei der Zeitschrift "Geld-Idee", die inzwischen eingestellt wurde, wurden Risiko-Lebensversicherungen getestet, die Stiftung Warentest nahm Comfort-Berufsunfähigkeitsschutz unter die Lupe und Öko-Test bewertete ebenfalls Risiko-Lebensversicherungen. Kurz gesagt: Die Test-Siegel haben auf der Seite eigentlich nichts verloren.

Preisgabe persönlicher Daten

Für den Vergleich werden viele persönliche Daten angefangen von Name und Anschrift bis hin zur E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Geburtsdatum gefordert. Vergleichen kann man auf der Seite allerdings nichts, sondern nur ein Angebot anfordern. "Wir haben Ihre kostenlose und unverbindliche Anfrage erhalten und werden uns schnellstmöglich mit Ihnen in Verbindung setzten!", heißt es nach Absenden des Formulars kurz.

Für 49 Euro pro Monat ist allerdings laut Bund der Versicherten keine Krankenvollversicherung zu haben. Ein solcher Beitrag kann nur zu Lasten des Versicherungsumfangs gehen. Selbst bei Tarifen für 100 Euro im Monat sind in der Regel hohe Selbstbeteiligungen von mehreren tausend Euro pro Jahr enthalten. Ein späterer Tarifwechsel innerhalb der gleichen Versicherungsgesellschaft gestaltet sich ebenfalls schwierig. Bessere Leistungen erhält man oft nur, wenn ein neuer Vertrag abgeschlossen wird, der eine neue Gesundheitsprüfung nach sich zieht. Wer dann inzwischen Vorerkrankungen mitbringt, muss hohe Beiträgen einkalkulieren.

Beiträge steigen drasitisch

16123886.jpg

Wer sparen will, muss auf Extras verzichten.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Doch auch reguläre Bestandskunden haben in der privaten Krankenversicherung Jahr für Jahr mit satten Beitragszuschlägen zu kämpfen. Das zeigt auch eine Umfrage der Stiftung Warentest. Allein zum Jahreswechsel berichten Kunden von Beitragserhöhungen von 30 Prozent und mehr. Von 400 Kunden haben nur zehn Prozent stabile oder leicht sinkende Beiträge verzeichnet. Die Mehrheit zahlt auch in diesem Jahr wieder drauf.

Als Gründe für die Beitragssteigerungen führen die Versicherungsgesellschaften die höhere Lebenserwartung und die gestiegenen Ausgaben – vor allem im ambulanten Bereich – an. Die Versicherungen sind dazu verpflichtet, die Beiträge zu erhöhen, wenn die Ausgaben zehn Prozent über den vorab errechneten Beträgen liegen.

Mittlerweile werden Stimmen laut, dass die private Krankenversicherung langfristig nicht überleben kann, sondern die Versicherer sich auf Zusatzleistungen konzentrieren werden, die über den Basisschutz in der gesetzlichen Krankversicherung hinausgehen.

Leistungen abspecken

Wer in der privaten Krankversicherung gefangen ist und wem die Beiträge über den Kopf steigen, dem bleibt nur eine Lösung: Leistungen abspecken. Eine wirksame Kostenbremse ist beispielsweise die Wahl eines Hausarzttarifes oder der Verzicht auf Zusatzleistungen wie Chefarztbehandlung, Einbettzimmer und teure Extras beim Zahnersatz. Allerdings sollte man sich bewusst sein, dass es bei einem Vertragswechsel keinen Weg zurück ohne Gesundheitsprüfung gibt. Alle Schritte müssen sorgfältig abgewogen werden.

Quelle: n-tv.de