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Tester erhalten Ware gratis Produktbewertungen oft zu positiv

Viele finden die Urteile über Produkte von anderen Verbrauchern sehr hilfreich. Für bare Münze sollten sie die Kommentare aber nicht nehmen: Denn zum Teil bekommen deren Verfasser die Produkte umsonst, um über sie zu schreiben.

Gute Bewertungen für Produkte im Internet müssen nicht immer stimmen. Foto: Andrea Warnecke

Gute Bewertungen für Produkte im Internet müssen nicht immer stimmen.

(Foto: dpa-tmn)

Verbraucher sollten die Kommentare von privaten Produkttestern besser nicht zu ernst nehmen. Denn oft sind sie zu positiv. Darauf weist die Verbraucherzentrale in Nordrhein-Westfalen hin. Bei den Produkttestern handelt es sich zum Beispiel um Kommentarschreiber in Onlinegeschäften oder Blogger. Die Hersteller geben ihnen Produkte gratis, damit diese darüber schreiben. Die Verbraucherzentrale NRW bezog sich in ihrem Beispiel auf den Vine Club von Amazon, in dem Mitglied werden kann, wer häufig Kommentare schreibt, die als hilfreich bewertet wurden.

Laut Verbraucherzentrale wird mit dem Viner-Status  ausgezeichnet, wer sich unter den ersten 10.000 Bewertern auf der Liste der Top-Rezensenten befindet. Ein Hindernis für die Aufnahme ist es demnach nicht, wenn lediglich erst 50 Rezensionen vorliegen. Mitunter scheinen selbst 17 Beiträge mit zumeist weniger als zehn Zeilen zu reichen, getippt innerhalb von fünf Jahren.

Einmal aufgenommen bestücken die Hersteller die Mitglieder mit Produkten, die unter Umständen mehrere tausend Euro wert sein können. Anhand eines Beispiels stellte die Verbraucherzentrale fest, dass ein Vine-Mitglied in sechs Monaten auf 57 Artikel kam - im Gesamtwert von knapp 9000 Euro.

In einigen Stichproben stellte die Verbraucherzentrale fest, dass die getesten Produkte vom Vine-Club einen Bewertungs-Boost bekamen - der mit vielen vergebenen Sternen in der Regel sehr gut ausfiel. Nicht-Vine-Mitgliedern falle es so schwer, mit einer eher negativen Bewertung aus dem Rahmen zu fallen.  

In einem Fall fand die Verbraucherzentrale aber mutige Nicht-Viner: Sie gaben einem 2000 Euro teurem Notebook ein und zwei von maximal fünf Sternen - die Vine-Mitglieder hatten das Produkt mit ihren Bewertungen zuvor knapp unter das fünf-Sterne-Maximum gehievt.

Auch Blogger, die eine relativ hohe Leserzahl haben, bekommen häufig Anfragen, Produkte zu testen - die sie anschließend behalten dürfen. Wirklich unabhängig sind die Tester so nicht.

Dabei sind die Kommentare von anderen Verbrauchern sehr wichtig. Laut der Verbraucherzentrale stellen sie für eine Mehrzahl der Online-Shopper ein wesentliches Entscheidungskriterium dar.

Quelle: n-tv.de, awi/dpa

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