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Helmpflicht durch die Hintertür Radfahrer-Lobby will Urteil anfechten

Ein Urteil des schleswig-holsteinischen Oberlandesgerichts sorgt bei Radfahrern für Empörung: Radler sollen Helm tragen, sonst sind sie grundsätzlich mitschuld, wenn sie bei einem Unfall Kopfverletzungen davontragen. Der ADFC will gegen die umstrittene Entscheidung vorgehen.

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Radfahren sei gefährlich und Radler müssten sich deshalb schützen, findet das Oberlandesgericht.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) will das Urteil zur indirekten Helmpflicht für Radfahrer zu Fall bringen. "Das ist nicht in Ordnung und darf auch nicht so stehen bleiben", sagte der ADFC-Bundesvorsitzende Ulrich Syberg der "Rheinischen Post".

Nach einer Entscheidung des schleswig-holsteinischen Oberlandesgerichts (OLG) in Schleswig hat ein Radfahrer, der bei einer Kollision mit einem Auto keinen Helm trägt, bei einem Sturz eine Mitschuld – jedenfalls dann, wenn das Tragen eines Helms die Kopfverletzungen vermieden oder gemindert hätte (Az. 7 U 11/12). Nach Ansicht des OLG gilt das auch dann, wenn sich der Unfallgegner verkehrswidrig verhalten hat.

Im konkreten Fall hatte sich die Klägerin eine schwere Schädel-Hirn-Verletzung zugezogen, als sie wegen einer plötzlich geöffneten Autotür stürzte. Die Richter sahen einen Mitverschuldensanteil von 20 Prozent, weil sie keinen Helm getragen hatte.

Radler als "störende Hindernisse"

Der gegenwärtige Straßenverkehr sei besonders dicht, "wobei motorisierte Fahrzeuge dominieren und Radfahrer von Kraftfahrern oftmals nur als störende Hindernisse im frei fließenden Verkehr empfunden werden", schrieben die Richter in ihre Urteilsbegründung. Es könne "grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass ein verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens beim Radfahren einen Helm tragen wird", hieß es.

Dann seien 90 Prozent der Radfahrer keine verständigen Menschen, hält Syberg entgegen. Der ADFC will die Klägerin nun dabei unterstützen, die Entscheidung per Revision beim Bundesgerichtshof aufheben zu lassen.

Mit dem OLG-Urteil werde eine Teilschuld auf eine schwächere Verkehrsteilnehmerin abgewälzt, obwohl diese sich nicht falsch verhalten habe, kritisierte Syberg. Der ADFC wehre sich gegen die Einführung einer Helmpflicht durch die Hintertür. Studien aus anderen Ländern belegten, dass eine Helmpflicht viele Menschen vom Radfahren abbringe und es für die verbliebenen Radler noch gefährlicher werde. Das Bundesverkehrsministerium hält derweil an seiner Linie fest, ausschließlich auf ein freiwilliges Helmtragen zu setzen.

Quelle: n-tv.de, ino/dpa

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