Ratgeber

BGH stärkt Immobilienfondsbesitzer Schadenersatz für Falschberatung

Wer in einen offenen Immobilienfonds investiert, geht zumeist davon aus, dass es sich dabei um eine sichere Geldanlage handelt. Dass dem nicht immer so ist, muss auch beim Verkaufsgespräch Erwähnung finden, wie der Bundesgerichtshof urteilt.

Offene Immobilienfonds: Wer wegen Fehlberatung Ansprüche geltend machen will, muss die Verjährungsfrist beachten. Foto: Patrick Pleul

Offene Immobilienfonds: Wer wegen Fehlberatung Ansprüche geltend machen will, muss die Verjährungsfrist beachten.

(Foto: dpa)

Banken müssen Schadenersatz zahlen, wenn sie bei Beratungen zu offenen Immobilienfonds versch weigen, dass die Fonds in Notfällen zeitweise geschlossen werden können und Anleger ihr Geld dann nicht zurückbekommen. Diese Beratungspflicht gilt auch für Verträge, die bereits vor der Finanzkrise von 2008 geschlossen wurden, wie der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil entschied. Über solch ein Risiko müssten Anleger grundsätzlich vor Vertragsabschluss informiert werden, hieß es zur Begründung. (Az. XI ZR 130/ 13 und XI ZR 477/12 u.a.)

Mit der Entscheidung dürfen all jene Anleger auf Schadenersatz hoffen, die in der Finanzkrise mit offenen Immobilienfonds Geld verloren und innerhalb der dreijährigen Verjährungsfrist geklagt haben.

In einem der beiden verhandelten Fälle bekommt nun eine Anlegerin insgesamt 30.000 Euro zurück, die sie aus einem Erbe für sich und ihre beiden Brüder auf Anraten der Commerzbank im Juli 2008 in einem offenen Immobilienfonds von Morgan Stanley angelegt hatte. Die Commerzbank hatte bei dem Beratungsgespräch aber verschwiegen, dass der Fonds in Notsituationen zeitweise geschlossen werden könnte. Dieser Fall trat dann während der Finanzkrise im Oktober 2008 ein. Der Fonds wurde für insgesamt ein Jahr geschlossen und dann abgewickelt.

Anleger könnten ihre Anteile an einem offenen Immobilienfonds zwar auch während einer Aussetzung der Anteilsrücknahme weiterhin an der Börse veräußern. Dies stellt angesichts der dort möglichen Beeinflussung des Preises durch spekulative Elemente aber kein Äquivalent zu der Möglichkeit dar, die Anteile zu einem gesetzlich geregelten Rücknahmepreis an die Fondsgesellschaft zurück zu geben, urteilte der BGH.

Die Klägerin, die zuvor einige Anteile ausbezahlt bekommen hatte, klagte auf Rückzahlung von weiteren 27.500 Euro - mit Erfolg. Nach Auffassung des BGH hätte die Commerzbank "ungefragt" auf das Risiko hinweisen müssen, dass solche Fonds über die gesamte Anlagezeit geschlossen werden können: "Ein Anleger muss bereits bei Erwerb der Anlage wissen, worauf er sich einlässt", hieß es zur Begründung.

Quelle: ntv.de, awi/AFP