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Arm im Alter? Selbstständige müssen selbst vorsorgen

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Viele der Solo-Selbstständigen haben keine ausreichende Altersvorsorge.

(Foto: imago/Christian Ohde)

Für das Alter vorzusorgen, ist für viele Selbstständige bisher keine gesetzliche Pflicht. Die Folge: Etliche sind unterversichert. Private Vorsorge sollte daher Standard sein.

Was haben selbstständige Erzieher, Lehrer oder Pflegekräfte gemeinsam? Sie sind ebenso wie einige Handwerker gesetzlich verpflichtet, für das Alter vorzusorgen. Dieser Personenkreis der pflichtversicherten Selbstständigen zahlt in der Regel 18,6 Prozent ihres Einkommens in die Rentenversicherung.

Bei Selbstständigen mit unsicheren oder wechselnden Einkünften kann das eine Belastung sein. Zudem ergibt auch dieser Betrag nur eine geringe Rente. "Die Absicherung der pflichtversicherten Selbstständigen ist oftmals nur unzureichend, denn der Regelbeitrag führt häufig nur zu einer Rente in Höhe von 900 Euro", sagt Sally Peters vom Institut für Finanzdienstleistungen (iff).

Freiberufler, die in sogenannten Kammerberufen arbeiten, sind dort pflichtversichert. Dazu gehören Ärzte, Apotheker, Architekten oder Rechtsanwälte. "Angehörige dieser Berufe zahlen einkommensabhängige Pflichtbeiträge und bauen damit über die Jahre in der Regel auskömmliche Altersrenten auf" erklärt Peters.

Altersvorsorgepflicht für nicht abgesicherte Selbstständige?

Anders als die gesetzliche Rentenversicherung legen Versorgungswerke die Beiträge ihrer Mitglieder am Kapitalmarkt an. "Dabei zahlt jeder Versicherte für seine eigene Rente ein", erklärt Sara Zinnecker vom Verbraucherportal Finanztip. Wenn die Niedrigzinsphase anhält, könnten die Renten aus den Versorgungswerken niedriger ausfallen.

Eine deutlich höhere Anzahl von Selbstständigen muss sich freiwillig versichern. Ihnen bleibt es selbst überlassen, ob sie ihre Vorsorge frei gestalten oder in die gesetzlichen Rentenversicherung einzahlen. Künftig soll sich das ändern: Bundesarbeitsminister Hubertus Heil von der SPD will eine Altersvorsorgepflicht für nicht abgesicherte Selbstständige einführen und dafür Ende des Jahres einen Gesetzentwurf vorlegen.

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Derzeit gilt: "Selbstständige, die sich für die gesetzliche Rente entscheiden, haben die Wahl", erklärt Katharina Henrich von der Stiftung Warentest. "Sie können sich freiwillig in der Rentenversicherung versichern oder auf Antrag pflichtversichern." Beides hat Vor- und Nachteile.

Wer sich in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert, erhält Riester-Förderung, und seine Beitragszeiten zählen ohne Einschränkungen für eine Frührente. Außerdem sichert er sich Ansprüche auf eine Erwerbsminderungsrente. Diese sei besonders interessant für Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen keinen privaten Berufsunfähigkeitsschutz bekommen, sagt Henrich.

Zwischen Mindest- und Höchstbeiträgen wählen

Dafür fehlt Flexibilität: Der Antrag auf Pflichtversicherung kann nur innerhalb der ersten fünf Jahre der Selbstständigkeit gestellt werden. Zudem ist der Beitrag fix - entweder 18,6 Prozent des Arbeitseinkommens oder der Regelbeitrag. Und es gilt: einmal in der Pflicht, immer in der Pflicht. Wer sich einmal für die Pflichtversicherung entschieden hat, muss darin bis zum Abschluss seiner Selbstständigkeit bleiben.

Nur mit freiwilligen Beiträgen in die gesetzliche Rentenkasse können sich Versicherte keinen Anspruch auf Riester-Förderung oder eine Erwerbsminderungsrente sichern, haben dafür aber mehr Flexibilität. "Sie können zwischen Mindest- und Höchstbeiträgen wählen und können, wenn das Geld sehr knapp wird, die freiwillige Versicherung auch wieder beenden", erklärt Henrich.

Eine weitere Möglichkeit: die Rürup-Rente. Diese Verträge werden meist in Form einer klassischen oder fondsgebundenen Rentenversicherung angeboten. Der Unterschied: "Die Rürup-Rente nährt sich aus eigenen Beiträgen", erklärt Zinnecker. "Die eigene gesetzliche Rente speist sich dagegen aus dem, was Beitragszahler dann gerade einbezahlen. Das nennt sich auch Umlageverfahren."

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Die Rürup-Rente gilt als Basisrente und wird staatlich gefördert. Der Beitragszahler kann die Vorsorgeaufwendungen in 2019 mit 88 Prozent von der Steuer absetzen. Das macht die Rürup-Rente für gut verdienende Selbstständige interessant. Zudem gibt es die Möglichkeit, deutlich höhere Beiträge einzuzahlen als bei der gesetzlichen Rentenversicherung und damit seine zukünftige Rente aufzubessern. In diesem Jahr lassen sich Beiträge bis rund 24.300 Euro ansetzen.

Keine ausreichende Altersvorsorge

Rürup-Verträge sind nicht kündbar und Sparer können sich Guthaben auch nicht auszahlen lassen. Sie können Beiträge jedoch anpassen. "Möglich ist es, Beiträge auszusetzen oder auf einen Mindestbeitrag zu reduzieren", sagt Sara Zinnecker. "Selbstständige, die am Ende des Jahres Geld übrig haben, können den Höchstbetrag auch per Einmalbeitrag auffüllen." Rürup-Verträge sind zudem in der Regel pfändungssicher.

Viele der Solo-Selbstständigen haben keine ausreichende Altersvorsorge. Ein Problem, das wächst - durch die neuen Jobs rund um das Internet und die neuen Formen des Arbeitens überall auf der Welt. "Das Kernproblem liegt wohl darin, dass es für Kleinunternehmer keine richtige Lösung gibt", sagt Peters. "Selbstständigkeit ist und bleibt ein Armutsrisiko. Selbst ein gutes Konzept und hohe Rücklagen schützen nicht davor, dass es zu finanziellen Engpässen kommen kann."

Privat vorsorgen sollten deshalb alle Selbstständigen. Sie können das mit Sparplänen, Lebensversicherungen, Aktien- oder Immobilienanlagen. Doch Vorsicht: Solche Anlagen können gepfändet werden und teuer sein. Die monatlichen Kosten dafür sollte man nicht aus den Augen verlieren. Denn bei finanziellen Engpässen im Betrieb müssen häufig diese Verträge aufgelöst werden. Und die entstandene Lücke im späten Arbeitsleben wieder zu schließen, ist meist unmöglich.

Da gerade bei Selbstständigen die persönliche und finanzielle Situation aber sehr unterschiedlich ist, empfehlen die Experten eine gute individuelle und unabhängige Beratung.

Quelle: n-tv.de, Beate Kaufmann, dpa

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