Aktien- und ETF-Sparpläne So gelingt ein privates Altersvorsorgedepot

Die Bundesregierung will in Sachen Rente große Reformen anstoßen. Wer auf die Ergebnisse der politischen Bemühungen nicht warten will, kann schon heute aktiv werden und für kleines Geld ein großes Vermögen aufbauen, zeigen die Finanzexperten von FMH.
Renditestärker, kostengünstiger, einfacher und flexibler: So wirbt die Bundesregierung für das von ihr geplante Altersvorsorgedepot. Garniert mit einer staatlichen Förderung soll es die Bundesbürger ab Januar 2027 für die private Altersvorsorge begeistern. Schon jetzt bezweifeln Experten allerdings, dass das Produkt tatsächlich einfacher und flexibler sein wird. Und auch die Zulagen sind bei genauem Hinsehen eher mittel attraktiv. Vor allem für all jene, die (zunächst) nur kleinere Beträge erübrigen können.
Doch es gibt auch gute Nachrichten: Wer sein Glück selbst in die Hand nimmt und fürs Alter vorsorgen will, muss keineswegs auf den Staat warten. Ein Altersvorsorgedepot lässt sich nämlich ganz leicht selbst herstellen: Alles, was es dazu braucht, ist eine Depotbank, ein Depot und/oder ein Sparplan, der zu den eigenen Zielen und dem Sicherheitsbedürfnis beziehungsweise der Risikobereitschaft des Sparers passt, so die FMH-Finanzberatung.
Auf die Kosten achten
Gerade wer mit kleinen Beträgen beginnen möchte, sollte auf eine möglichst lange Laufzeit setzen - und auch deshalb die Kosten seines Depots gering halten. Denn auch wenn es überschaubar klingt, ein Prozent der Sparleistung als Gebühr zu zahlen, kann das im Laufe der Jahre durchaus spürbar werden. Wenn etwa bei einem Kunden die gesparten 100 Euro vollständig auf dem Konto landen, während ein anderer nur 99 Euro gutgeschrieben erhält, bedeutet das am Ende von 30 Jahren Anlagedauer und einer unterstellten Rendite von sechs Prozent: Der Kunde, der keine Gebühren zahlt, hat am Ende 97.953 Euro auf dem Konto, der andere nur 96.973 Euro.
Doch wo finden Kleinanleger das perfekte private Altersvorsorgedepot? Welche Angebote machen Geschäfts- und Direktbanken? Und für wen lohnt sich ein Depot bei einem Neo-Broker?
Für jeden Sparer der passende Sparplan
Die FMH-Finanzberatung hat im Auftrag von ntv genau diese Fragen recherchiert und dabei besonders auf zwei wichtige Punkte geachtet. Erstens: auf den Preis des Depots sowie die Transaktionskosten für den Investmentkauf. Und zweitens: auf die Frage, ob die Depotbank auch günstige ETF-Sparpläne anbietet - und zu welchem Preis. Diese ETF-Papiere sind vor allem für sicherheitsbewusste Sparer attraktiv, für die Bank aber kein besonders gutes Geschäft. Der Grund: Die Vergütung für das Unternehmen ist bei ETF-Sparplänen wesentlich geringer als bei allen anderen Investmentprodukten. Vor allem mit normalen aktiv gemanagten Fondssparplänen und Aktiensparplänen lässt sich deutlich mehr Provision verdienen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass Aktiensparpläne besser oder schlechter wären als ETF-Anlageangebote. Sie kosten zwar etwas höhere Trading-Entgelte und bergen höhere Risiken, aber dafür erwirtschaften sie im Idealfall auch höhere Renditen als ETF-Sparpläne. Deshalb hat die FMH bei ihren Recherchen zusätzlich erfragt, welche Banken neben ETF- auch Aktiensparpläne oder aktiv gemanagte Fonds im Angebot haben.
Das Ergebnis: Im Vergleich zu einer Erhebung vor einigen Jahren sind Aktiensparpläne inzwischen klar auf dem Vormarsch. Aktiv gemanagte Fonds gibt es vor allem bei Geschäfts- und Direktbanken. Neo-Broker haben diese seltener im Angebot.
Sechs sehr gute Anbieter für Kleinanleger
Bei den Neo- oder Onlinebrokern sicherten sich dafür gleich vier Anbieter die Bestnote "sehr gut". Kleinleger, die bei Scalable Capital, Smartbroker+, Traders Place oder Trading212 anheuern, profitieren von kostenlosen Transaktionen pro 500 Euro Order. Lediglich bei Scalable Capital fällt hierfür eine (überschaubare) Gebühr von 99 Cent an. Zudem gibt es bei allen "sehr guten" Anbietern kostenlose ETF-Sparpläne. Aktiensparpläne sind ebenfalls bei allen "sehr guten" Neobrokern möglich, Fondssparpläne bieten alle außer Trading 212.
Bei den Geschäfts- und Direktbanken finden Kleinanleger immerhin zwei sehr gute Anbieter: S Broker und ING. Beide bieten kostenlose ETF, Fonds- und Aktiensparpläne an. Die Transaktionskosten der ING sind mit 6,15 Euro pro 500 Euro Order aber deutlich höher als bei S Broker mit 0,95 Cent. Die reinen Depotkosten betragen bei fast allen getesteten Depotbanken null Euro.
Mit "gut" bewertete die FMH in diesem Segment zudem die Consorsbank, Comdirect, die Deutsche Bank, N26, 1822direkt, GenoBroker und die DKB Deutsche Kreditbank.
Kein Bund fürs Leben
Wichtig: Wer bereits ein Depot bei einer schlecht bewerteten Bank besitzt, kann jederzeit zu einem anderen Anbieter wechseln. Bei einem Investmentsparplan ist man weder an die Depotbank noch an die Höhe des Sparbetrags gebunden. Die Sparrate ist freiwillig und nicht Bestandteil eines Vertrags.
Gerade Anfänger am Kapitalmarkt sollten sich bei der Auswahl des passenden Sparplans aber gut beraten lassen, so FMH. Denn auch wenn die Renditen an der Börse regelmäßig üppiger ausfallen als bei festverzinslichen Anlagen: Eine Garantie, dass es immer nach oben gehen wird, gibt es leider nicht.
Auch deshalb ist ein langer Anlagehorizont wichtig. So lassen sich zwischenzeitliche Verluste ausgleichen und das Altersvorsorgedepot schafft am Ende, was es soll: einen guten Kapitalstock für den Ruhestand.