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Tenhagens Tipps So ist das Fahrrad richtig versichert

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Eine Fahrradversicherung ist nicht grundsätzlich notwendig.

(Foto: imago images/Manfred Segerer)

Fahrradfahren hilft nicht nur gegen überflüssige Kilos, es schützt auch vor Viren in Bus und Bahn und ist dazu noch klimafreundlich. Doch auch das Rad will gegen Diebstahl oder Unfallschäden abgesichert sein. In vielen Fällen reicht die Absicherung über die Hausratversicherung. Doch manchmal ist auch eine zusätzliche Fahrradversicherung notwendig. Wann dies der Fall ist, erklärt Finanztip-Chef Tenhagen.

ntv.de: Was leistet eine klassische Hausratversicherung bei Fahrrädern im Vergleich zum Extraschutz?

Hermann-Josef Tenhagen: Wenn man eine Hausratsversicherung hat, übernimmt diese standardmäßig 1 Prozent der Hausratsversicherungssumme. Bei 100 Quadratmeter wären das 65.000 Euro und die Hausratsversicherung würde dann 650 Euro für das Fahrrad zahlen. Wenn Sie jetzt ein etwas teures Rad haben, dann ist das schon die erste Hürde. Die zweite Hürde ist, dass die Fahrräder nur dann geschützt sind, wenn sie im Keller und angeschlossen sind. Sie müssen Ihre Hausratsversicherung mit einer Fahrradklausel versehen, damit das Fahrrad - wenn Sie es an der Laterne angeschlossen haben - wenigstens tagsüber geschützt ist. Wenn die Fahrräder im Haushalt teurer sind, sollten Sie tatsächlich die Versicherungssumme entsprechend erhöhen. Im Zweifel die Hausratsversicherung etwas teurer machen.

Welche Ergänzungen sind innerhalb der Hausratversicherung möglich?

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Hermann-Josef Tenhagen ist Chefredakteur des unabhängigen Geldratgebers Finanztip.

Damit die klassische Hausratversicherung greift, muss der Dieb ins Haus eingebrochen und dann geklaut haben. Mit der Fahrradklausel kann man das Rad auch tagsüber auf der Straße angeschlossen stehen lassen. In dem Fall ist es ein einfacher Diebstahl. Oft gibt es Vorgaben für konkrete Schlösser. Das soll dann nicht so ein billiges Schloss sein. Das Fahrrad muss zudem an einem unbeweglichen Gegenstand befestigt sein, also an einem Baum oder einem Laternenpfahl, nicht an irgendetwas, das man einfach mitnehmen kann. Dann gibt es noch die Nachtzeitklausel. Dann ist das Fahrrad auch noch nach 22 Uhr versichert - etwa nach dem Kinobesuch. Die sollten Sie mit drin haben.

Wie viele Fahrräder aus einem Haushalt werden eigentlich über die Hausratsversicherung mit versichert?

Im Kern sind immer alle versichert und zur oft gewählten pauschalen Versicherungssumme von 650 Euro pro Quadratmeter gehört genauso oft eine Klausel, bei der der Versicherer darauf verzichtet, dem Kunden vorzurechnen, dass er unterversichert sei. In dem Fall ist dann oft jedes einzelne Fahrrad für ein Prozent der Versicherungssumme versichert. Werden zwei Fahrräder gleichzeitig gestohlen, kann es aber ein Problem geben. Am besten schauen Sie in den Vertrag.

Wann lohnt sich eine separate Fahrradversicherung?

Wenn das Fahrrad teuer ist. Ich würde ab 1000 Euro überlegen. Dann würde ich mich wie bei jeder Versicherung fragen, ob mich das hart trifft, wenn das Fahrrad weg ist. Man soll sich vor allem dann versichern, wenn man den Schaden sonst nicht bezahlen kann. Wenn ich Student bin und mir ein 1000 Euro teures Fahrrad gekauft habe von meinem Ersparten, dann würde ich die 70 Euro in die Hand nehmen, um das ordentlich zu versichern. Von der eigenen Hausratversicherung bekomme ich wesentlich weniger wieder. Wenn ich aber Chefarzt mit einem Jahreseinkommen von 150.000 Euro und drüber bin, würde ich das 1000-Euro-Fahrrad nicht extra versichern. Dann reicht mir vermutlich der Rahmen meiner Hausratsversicherung. Wenn ich aber für meine Gattin und mich jeweils ein 3000 Euro teures E-Bike kaufe, dann würde ich das dann doch extra versichern.

Welche Leistungen bietet eine Fahrradversicherung?

Da kann man neben Diebstahl auch Vandalismus, Unfallschäden und Teilediebstahl mit absichern, aber das ist von Vertrag zu Vertrag unterschiedlich.

Wofür leistet die Fahrradversicherung keinen Schutz?

Wenn ich mein 2000 Euro teures Fahrrad unabgeschlossen irgendwo an der Kreuzung stehen lasse und dann warte, dass es mitgenommen wird, ist das natürlich mein Fehler gewesen. Normalerweise wird der Neuwert versichert und das Zubehör, Akku und Motor von E-Bikes. Der Versicherungsschutz gilt immer nur für das konkrete Fahrrad.

Welche Fahrradversicherungen empfehlen Sie?

Ein Fahrrad für 1500 Euro kostet beispielsweise beim guten Vertrag der Ammerländer mit Schutzbrief 72 Euro und bei Waldenburger über Krist Vollkasko 107 Euro. Bei E-Bikes ist es ein bisschen billiger. Meine Daumenregel: Wenn die richtig teuer sind, kostet die Versicherung circa ein Zehntel von dem, was das Fahrrad gekostet hat.

Wann bekommt man die Fahrradversicherung?

Wenn man sie bezahlt. Aber wenn ich eine Fahrradversicherung abschließe, mache ich das ja nicht für ein Modell von 300 Euro. Außerdem gibt es Höchstgrenzen für den Wert des Fahrrads bei einer Versicherung. Die liegt für E-Bikes oft bei 10.000 Euro und bei normalen Fahrrädern bereits bei 6000 Euro.

Werden auch gebrauchte Fahrräder über eine Fahrradversicherung versichert?

Sie sichert auch gebrauchte Fahrräder ab, aber dann ist auch dort die Frage nach dem Wert des Fahrrads entscheidend.

Wie sieht die Situation aus, wenn man beide Versicherungen hat?

Die Hausratversicherung habe ich oft ohnehin. Die Fahrradversicherung kommt dann obenauf. Und im Schadensfall würde ich dann meistens die Fahrradversicherung in Anspruch nehmen, deren Schutz greift ja deutlich eher. Für das teure Fahrrad wird man sich fast immer an die Fahrradversicherung wenden.

Was tun bei einem Schaden?
Erst den Schaden dokumentieren. Beim Unfall oder wenn das Rad geklaut ist, Anzeige bei der Polizei erstatten dann gleich der Versicherung Bescheid sagen, die Vorgangsnummer bei der Polizei mit angeben und dann das Geld zurückbekommen.

Mit Hermann-Josef Tenhagen sprach Isabel Michael

Quelle: ntv.de