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Von Service nichts zu spüren Stiftung Warentest rügt Banken

Die Stiftung Warentest wirft den Banken mangelnde Verbraucherfreundlichkeit vor. Sigmar Gabriel geht noch ein ganzes Stück weiter: Abzocke, Erpressung und Gier dominierten die Bankenwelt, klagt der SPD-Chef und fordert eine harte Bankenregulierung in Europa. Ein Anfang könnte eine Obergrenze für Dispo-Zinsen sein. Davon will der Finanzminister allerdings nicht wissen.

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Die Stiftung Warentest soll für Transparenz sorgen. Sie hat aber keine Handhabe gegen schwarze Schafe.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Banken tun sich nach Einschätzung der Stiftung Warentest schwer mit der Verbraucherfreundlichkeit. "Eine stärkere Serviceorientierung ist in der Wirtschaft deutlich zu spüren. Aber bei den Banken ist sie völlig unterentwickelt", sagte Stiftungsvorstand Hubertus Primus der "Südwest Presse".

Ab 2013 können die Tester verstärkt Finanzdienstleistungen unter die Lupe nehmen. Dafür erhält die Stiftung 1,5 Millionen Euro zusätzlich vom Bundesverbraucherministerium. Derzeit erhält die Stiftung 3,5 Millionen Euro im Jahr. Dies soll ein Ausgleich dafür sein, dass ihre "Test"- und "Finanztest"-Publikationen auf Werbeanzeigen verzichten.

Unter anderem will sie sich künftig verstärkt die Beratungsinformationen anschauen. Zudem wollen die Tester demnach nicht nur die Bank-Angebote für Neukunden unter die Lupe nehmen, sondern auch für die Bestandskunden. "Die Nachhaltigkeit von Geldanlagen und ethisch-ökologische Anlageformen sind weitere Schwerpunkte, die methodisch sehr anspruchsvoll sind", so Primus. Längerfristig soll ein System entwickelt werden, um einzelne Formen der Geldanlage vergleichbar zu machen, wobei die Tester auch die Sicherheit berücksichtigen wollen. "Angesichts des sehr unterschiedlichen Angebots ist das eine schwierige Aufgabe", sagte der Stiftungsvorstand.

Streit um Dispozinsen

Unterdessen stößt die am Wochenende geübte Bankenschelte von SPD-Chef Sigmar Gabriel bei der Linkspartei auf offene Ohren: "Wir werden die Nagelprobe machen, ob es der SPD mit der Zähmung der Banken ernst ist", sagte der Linke-Vorsitzende Bernd Riexinger den Zeitungen der "WAZ"-Mediengruppe. Eine Obergrenze für Dispozinsen bei den Sparkassen, bei denen die Politik Einfluss habe, könne ein Anfang sein. Die Linke werde bundesweit entsprechende Initiativen starten und warte gespannt, ob sich die SPD anschließe.

Finanzminister Wolfgang Schäuble sprach sich in der "Bild"-Zeitung indes gegen eine gesetzliche Begrenzung von Dispo-Zinsen aus. "Wir brauchen mehr Transparenz bei den Anbietern und mehr Eigenverantwortung der Verbraucher." Es stehe "nirgendwo geschrieben, dass man sein Konto überziehen muss". Es sei gut, dass sich Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) jetzt auch um dieses Thema kümmere. Es könne jedoch keine Rede davon sein, dass das Bankenwesen in Deutschland außer Kontrolle geraten sei. Zwar habe es "Exzesse und Fehlverhalten" gegeben, doch "dagegen sind wir vorgegangen." Gabriels Thesenpapier sei "Billiger Populismus". Gabriel werde "der Komplexität des Themas nicht gerecht, vor allem, wenn man die laxe Bankenregulierung der Vergangenheit unter SPD-Verantwortung bedenkt", sagte Schäuble.

Gabriel wirft den Banken vor, Staaten zu erpressen, die Politik zu diktieren, Beihilfe zur Steuerhinterziehung zu leisten, unanständige Gehälter zu zahlen, riskant mit dem Geld von Sparern zu spekulieren und Kunden abzuzocken. Sie müssten daher schärfer reguliert werden.

Quelle: n-tv.de, dpa

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