Ratgeber

Satte Gewinne mit Dispozinsen Aigner gegen Obergrenze

Elf bis zwölf Prozent zahlen Bankkunden in Deutschland im Schnitt, wenn sie mit ihrem Konto in die Miesen geraten. Angesichts dessen, dass das Ausfallrisiko bei Dispokrediten verschwindend gering ist und Banken derzeit so günstig wie nie an Geld kommen, ist das Zinsniveau viel zu hoch. Ändern wird sich wohl trotzdem nichts.

360c2606.jpg8569807777899282971.jpg

Kaum ein Bankkunde weiß genau, was er für seinen Dispo zahlt.

(Foto: dpa)

Banken und Sparkassen kassieren stark überhöhte Dispozinsen von ihren Kunden. Die Erträge der Banken aus dem Geschäft mit Dispokrediten würden die Kosten "deutlich übersteigen", heißt es in der Studie, die das Verbraucherministerium nun veröffentlicht hat. Die Opposition und Verbraucherschützer fordern eine gesetzliche Deckelung der Zinsen, was Ministerin Ilse Aigner (CSU) aber ablehnt.

Die Gewinne der Banken und Sparkassen aus dem Geschäft mit Dispokrediten seien schon jetzt so hoch, dass sie "zur Quersubventionierung anderer Leistungen oder zur Gewinnsteigerung verwendet werden", heißt es in der Untersuchung im Auftrag Aigners. Schon jetzt seien günstigere Konditionen auf dem Niveau von Konsumentenkrediten machbar.

Einer früheren Untersuchung der Stiftung Warentest zufolge verlangen Banken und Sparkassen in Deutschland zwischen sechs und 14,75 Prozent Zinsen für Dispokredite. Der Durchschnitt liegt zwischen elf und zwölf Prozent. Die Institute könnten jedoch mit Zinssätzen von um die zehn Prozent pro Jahr für Überziehungen "profitabel arbeiten", heißt es in der Untersuchung.

Das Zinsniveau vieler Banken und Sparkassen sei deswegen "kritisch" zu bewerten und die Begründungen für die Höhe der Zinsen seien zu bezweifeln, urteilt die Studie. Die Kosten für die Geldbeschaffung liegen auf historisch niedrigem Niveau, der Verwaltungsaufwand habe sich in den vergangenen Jahren nicht erhöht. Die Ausfallquote bei Dispokrediten sei mit 0,3 Prozent deutlich niedriger als bei Ratenkrediten mit 2,5 Prozent.

Jeder Vierte überzieht

Vier von fünf Haushalten verfügen einer ebenfalls vom Ministerium in Auftrag gegebenen Umfrage zufolge über einen Dispo-Kreditrahmen. Jeder sechste Haushalt nehme diesen auch regelmäßig in Anspruch. Nach Angaben der Bundesbank stand im April im Durchschnitt jeder Bundesbürger mit 500 Euro Dispokredit bei seiner Bank in der Kreide. Insgesamt belief sich das Volumen auf 41 Milliarden Euro. Der Umfrage zufolge überzog dieses Jahr fast jeder vierte Deutsche mindestens ein Mal sein Konto. Vier von fünf Verbrauchern empfinden demnach das Kreditniveau als zu hoch.

Gesetzliche Regelungen zum Dispo gibt es schon: Seit 2010 verpflichtet die Verbraucherkreditlinie Banken dazu, ihre Dispozinsen an einen Referenzwert zu koppeln, etwa den EZB-Leitzins oder den Euribor. Solange der Referenzzins nicht steigt, darf auch der Dispozins nicht erhöht werden. Diese Kopplung bringt allerdings weniger als erhofft, denn das Ausgangsniveau war vor zwei Jahren hoch und kaum eine Bank senkt ihre Zinsen freiwillig mehr als sie müsste.

Aigner will nicht regulieren

SPD, Grüne und der Verbraucherzentralen Bundesverband (vzbv) fordern deshalb jetzt eine gesetzliche Obergrenze für die Zinsen. SPD-Chef Sigmar Gabriel warf den Banken in der "Bild"-Zeitung "Abzocke" vor. Für Nicole Maisch von den Grünen machen die überhöhten Zinsen das Marktversagen im Finanzsektor deutlich. Auch der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands Gerd Billen ist der Auffassung, dass sich das Problem nicht durch Transparenz allein lösen lasse.

Verbraucherministerin Aigner setzt aber auf Freiwilligkeit. Eine Obergrenze hätte das Risiko, dass die Zinsen unterm Strich teurer würden, weil auch bisher günstige Banken die Obergrenze ausschöpfen könnten, argumentierte sie. Nötig seien vielmehr mehr Transparenz und mehr Wettbewerb. "Dann sinken auch die Preise." Das habe die Regierung auch bei den Geldautomaten-Gebühren geschafft. Die Deutsche Kreditwirtschaft (DK) erklärte, Bankkunden hätten bereits jetzt die Wahl unter einer "Vielzahl von Angeboten" an Dispokrediten mit unterschiedlichen Konditionen. Die Banken verwiesen zudem auf ihren "Beitrag zur finanziellen Allgemeinbildung" und das Ergebnis der Studie, dass solch gebildete Haushalte seltener einen Dispokredit nutzen.

Wer seinen Dispo ausgiebig nutzt, der sollte auf eine Bank mit günstigem Zins achten. Weit vorn ist hier die Deutsche Skatbank mit gerade mal 5,25 Prozent, gefolgt von der DAB ist mit 6,95 Prozent. Weit unterdurchschnittlich sind die Dispozinsen auch bei verschiedenen PSD Banken, der DKB und der 1822 direkt.

Zum Girokonten-Vergleich

Quelle: n-tv.de, ino/dpa

Mehr zum Thema