Ratgeber
Eine Garantie, dass die Hypothekenzinsen in den kommenden Jahren wie erwartet steigen werden, gibt es nicht.
Eine Garantie, dass die Hypothekenzinsen in den kommenden Jahren wie erwartet steigen werden, gibt es nicht.(Foto: dpa)
Freitag, 26. Mai 2017

Die Zeiten ändern sich: Viel Geld sparen mit Forward-Darlehen?

Ein Gastbeitrag von Max Herbst

Forward-Darlehen sind immer eine Wette auf steigende Zinsen. Und die gehen nicht immer gut aus. Wer mittelfristig eine Anschlussfinanzierung braucht, hat aber gute Chancen, auf diese Weise eine Menge Geld zu sparen.

Die FMH-Finanzberatung ist traditionell sehr zurückhaltend mit der Empfehlung, ein Forward-Darlehen abzuschließen. Das basiert nicht auf hellseherischen Fähigkeiten, sondern auf Erfahrungen. Forward-Darlehen sind nur dann vorteilhaft, wenn die Zinsen zum Ende der aktuellen Zinsfestschreibung deutlich höher sind als der Zinssatz inklusive Forward-Aufschlag. Und weil niemand weiß, wie genau sich die Zinsen entwickeln werden, kann eine solche Wette auch schon einmal danebengehen – wie die folgenden Beispiele beweisen.

Hinterher ist man immer schlauer

Nehmen wir zunächst einen Bauherrn, der im März 2016 ein Forward-Darlehen mit einem Jahr Vorlaufzeit abgeschlossen hat. Er hatte Glück und günstiger finanziert, als er dies im März 2017 hätte tun können. Die Differenz ist zwar nicht weltbewegend: Im Durchschnitt ließen sich auf diese Weise 0,03 Prozentpunkte sparen. Aber immerhin.

Pech hatte hingegen, wer bereits im März 2015 ein Forward-Darlehen abschloss und eine Vorlaufzeit von 24 Monate vereinbarte. In diesem Fall fiel für das Forward-Darlehen ein Effektivzins von 1,68 Prozent an. Hätte der Kunde stattdessen im  März 2017 ein normales Anschlussdarlehen aufgenommen, hätte er nur 1,33 Prozent bezahlen müssen. Bei einer Kreditsumme von 100.000 Euro und zehnjähriger Zinsbindung macht das einen Unterschied von 2700 Euro – bei gleicher monatlicher Rate.

Vorausschauende Planung lohnt sich nicht immer

Bauherren, die besonders vorausschauend agieren wollten und im März 2014 mit 36 Monaten Vorlaufzeit abgeschlossen haben, hatten noch mehr Grund zum Ärger: Sie zahlten 3,20 Prozent für ihr Forward-Darlehen, die klassische Anschlussfinanzierung hätte es zu 1,33 Prozent gegeben. Das entspricht einem Zinsunterschied von 1,87 Prozent. Bei gleicher Rate und zehn Jahren Laufzeit hat der Kunde dank Forward-Finanzierung eine Restschuld, die 16.400 Euro höher ist als ohne.

Den größten Schaden hatten jedoch Forward-Kunden, die 2011 mit 36 Monaten Vorlaufzeit abgeschlossen haben. Zu diesem Zeitpunkt kostete das Forward-Darlehen ganze 2,51 Prozent mehr, als ein Anschlussdarlehen 2014 gekostet hätte. Dies macht bei 100.000 Euro Darlehen und einer Zinsbindung von zehn Jahren 25.000 Euro Differenz.

Die Zeiten ändern sich - vermutlich

Der Zeitverlauf zeigt: Besonders vorsichtige Bauherren hatten in der Vergangenheit oftmals Pech mit Forward-Darlehen. Daraus zu folgern, dass das Instrument grundsätzlich nicht geeignet ist, um Geld zu sparen, wäre allerdings falsch.

Seit einiger Zeit mehren sich die Faktoren, die darauf hinweisen, dass ein deutlicher Anstieg der Baugeldzinsen anstehen könnte. Die Inflationsrate erreicht zwischenzeitlich relativ stabile Steigerungsraten, die Wahlen in den Niederlanden und auch in Frankreich sind wirtschaftlich gesehen positiv ausgefallen. Auch die EZB hat angedeutet, dass sie eine Reduzierung der Anleihekäufe ab 2018 nicht mehr kategorisch ablehnt.

Hinzu kommt, dass die durchschnittlichen Forward-Aufschläge aktuell so niedrig sind wie seit 2008 nicht mehr. Zusammen mit den noch immer ausgesprochen niedrigen Hypothekenzinsen ergibt sich so eine günstige Kombination für Bauherren, die mittelfristig eine Anschlussfinanzierung benötigen.

Ein Restrisiko bleibt

Eine Garantie, dass die Hypothekenzinsen in den kommenden Jahren wie erwartet steigen werden, gibt es natürlich nicht. Allerdings befinden wir uns aktuell auf einem Zinsniveau, das wenig Luft nach unten, wohl aber Spiel nach oben lässt. Eigentlich gute Voraussetzungen für ein Forward-Darlehen.

Kunden, die sich dafür interessieren, sollten allerdings nicht nur die aktuellen Zinsen im Auge behalten, sondern auch die Forward-Aufschläge der einzelnen Anbieter vergleichen. Nur wenn beide Faktoren stimmen, ist eine Unterschrift zu empfehlen.

Am schnellsten und einfachsten klappt ein solcher Marktüberblick mit unserem Zinsvergleich. Er berechnet neben den Aufschlägen für unterschiedliche Beleihungsausläufe auch die Abschläge für höhere Tilgungs- und Darlehensbeträge. Forward-Aufschläge sind monatsgenau in den Zinssatz eingearbeitet.

Max Herbst ist Inhaber der FMH-Finanzberatung, die seit 1986 unabhängige Zinsinformationen erstellt.

Quelle: n-tv.de