Ratgeber

Von Nacktbaden bis Freiluftsex Wann macht man sich strafbar?

Für schamhafte Gemüter ist der Sommer eine Herausforderung. Freizügige Sonnenanbeter holen sich auf der Liegewiese auch gern mal untenrum nahtlose Bräune, Paare vergnügen sich auf dem Balkon oder gleich beim Liebesspiel im Park. Was ist erlaubt und was ein öffentliches Ärgernis?

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Nacktheit per se ist nicht verboten. Es muss sich schon jemand dadurch belästigt fühlen.

(Foto: imago/HiPi)

Eng umschlungen aalt sich ein verliebtes Paar beim Trockensex, ein paar Meter weiter holt sich ein barbusiges Damentrio nahtlose Bräune, während sich ein junger Mann recht unverhohlen am Rand eines Gebüschs erleichtert. Für prüdere Gemüter kann ein Hochsommertag im Park eine echte Zumutung sein. Denjenigen, die unter Einfluss von Sonne, Hormonen und Alkohol ihren Gelüsten nachgehen, ist das freilich ziemlich egal. Wieviel Freizügigkeit ist erlaubt? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was sagt das Gesetz?

Der 13. Abschnitt des Strafgesetzbuchs regelt Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Dazu zählen neben schwerwiegenden Delikten wie sexuellem Missbrauch oder Kinderpornographie auch exhibitionistische Handlungen (Paragraph 183) und die Erregung öffentlichen Ärgernisses (Paragraph 183 a). Auf beide Delikte stehen demnach bis zu ein Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafen. Voraussetzung beim Exhibitionismus ist aber, dass ihn jemand anzeigt, denn es handelt sich um ein sogenanntes Antragsdelikt. Die Tat ist also nur strafbar, wenn sich tatsächlich jemand daran stört.

Rund 7700 Fälle von Exhibitionismus und Erregung öffentlichen Ärgernisses sind in der polizeilichen Kriminalstatistik für 2014 aufgeführt, die Dunkelziffer dürfte ein gutes Stück höher liegen.

Ist es exhibitionistisch, sich nackt in der Öffentlichkeit zu zeigen?

Unter Exhibitionismus versteht man das Entblößen des Penis vor einer anderen Person mit dem Ziel, sich dadurch sexuell zu erregen. Ob das Gemächt erigiert ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Entscheidend für den Exhibitionismus ist allein, dass man damit andere Leute gegen ihren Willen zu Teilnehmern an einem sexuellen Geschehen macht. Wenn ein Mann sein Glied auspackt und sein Gegenüber lacht ihn aus, ist er rechtlich gesehen schon kein Exhibitionist mehr.   

Wer in der Öffentlichkeit pinkelt, legt dabei zwar seinen Penis frei, hat dabei aber keine sexuellen Hintergedanken. Das gleiche gilt für Nacktbaden oder -sonnen. Auch Nudisten, die gern textilfrei wandern, joggen oder radfahren, ziehen normalerweise keinen sexuellen Lustgewinn aus der Tatsache, dass sie gesehen werden. Sie können also nicht wegen Exhibitionismus belangt werden, sondern allenfalls wegen Belästigung der Allgemeinheit. Und die ist nur eine Ordnungswidrigkeit, keine Straftat.

Können auch Frauen Exhibitionisten sein?

Beim Exhibitionismus-Paragraphen ist ausdrücklich nur von Männern die Rede.  Frauen können sich also grundsätzlich nicht wegen Exhibitionismus strafbar machen. Das heißt aber nicht, dass Frauen sich ungehemmt in der Öffentlichkeit entblättern dürften. Präsentiert eine Frau unerwünschterweise ihre Vagina, kann das als öffentliches Ärgernis geahndet werden.

Ist Pinkeln in der Öffentlichkeit erlaubt?

Wildpinkeln ist zwar keine Straftat, aber eine Ordnungswidrigkeit, nämlich Belästigung der Allgemeinheit. Das Bußgeld legen die Kommunen fest, meist liegt es bei 20 bis 40 Euro, kann aber auch deutlich teurer werden, insbesondere zu Großereignissen wie dem Kölner Karneval oder der Münchner Wiesn. Außerdem kommt es darauf an, wo man sich erleichtert. Wer beispielsweise in einen Hauseingang uriniert, zahlt normalerweise mehr als jemand, der seine Notdurft in einem Parkgebüsch verrichtet.

Was ist ein öffentliches Ärgernis?

Erregung öffentlichen Ärgernisses ist ein Straftatbestand und ein sogenanntes Offizialdelikt. Anders als beim Exhibitionismus muss also niemand Strafanzeige stellen, damit die die Staatsanwaltschaft aktiv wird. Entscheidend ist, dass man „öffentlich sexuelle Handlungen vornimmt und dadurch absichtlich oder wissentlich ein Ärgernis erregt“. Anders als beim Exhibitionismus ist es hier unerheblich, ob der oder die Täter sexuelle Erregung verspüren.  Es reicht schon eine „objektive Sexualbezogenheit“. Wer beispielsweise vor der Kulisse des Brandenburger Tors ein ungenehmigtes Aktfotoshooting abhält, könnte sich damit berechtigterweise eine Strafanzeige einhandeln. Schließlich nehmen die Beteiligten in Kauf, dass sie ihr unfreiwilliges Publikum brüskieren. Dieser Punkt ist wichtig, denn wer nicht davon ausgehen kann, dass sein Verhalten von anderen wahrgenommen wird, macht sich auch nicht schuldig.    

Wie weit dürfen Paare gehen?

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Kann denn Liebe Sünde sein? Ja. Aber Paare müssen schon ziemlich weit gehen.

(Foto: imago/Westend61)

Dem wild knutschenden Paar ist die Welt um sich herum in der Regel egal. Doch nicht alle Passanten können dem öffentlichen Austausch von Zärtlichkeiten etwas abgewinnen. Nun ist Küssen allein nicht illegal, auch wenn die Beteiligten dabei ihrer Leidenschaft freien Lauf lassen. Heikel wird es, wenn die Geschlechtsteile ins Spiel kommen. Der Penis sollte in der Hose bleiben, sonst könnte es teuer werden. Penetrationen aller Art und erkennbare Masturbation sind in der Öffentlichkeit auf jeden Fall verboten. Sofern die Hände über der Kleidung bleiben, können sich die Partner aber anfassen wo und wie sie wollen.   

Der Balkon gehört zur Wohnung. Darf man dort Sex haben?

Öffentliche Orte sind alle jene Plätze, an denen es ein gewisses Risiko gibt, dass Unbeteiligte Zeuge des Geschehens werden können. Das können Parks oder Hauseingänge sein, aber auch das Auto, das auf einem öffentlichen Parkplatz abgestellt ist. Nun ist die eigene Wohnung samt Balkon unbestreitbar Privatbereich, trotzdem darf man sich hier nicht alles erlauben. Wer vorm offenen Fenster masturbiert oder die Nachbarschaft mit gut sichtbarem Balkon-Sex unterhält, könnte dafür ebenfalls eine Anzeige kassieren. Voraussetzung ist auch hier, dass man weiß, dass Unbeteiligte behelligt werden könnten.

Umgekehrt wird ein Paar, das sich auf einer abgeschiedenen Waldlichtung amüsiert, nicht wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses strafbar machen, falls völlig unerwartet doch der Förster vorbeikommt. Schließlich mussten sie nicht damit rechnen, entdeckt zu werden.

Wie teuer wird’s?

Das Landgericht Augsburg verbannt zwei Teenager, die sich in der „Erlebnisgrotte“ einer Therme vergnügt hatten, in den Jugendarrest. Solche Freiheitsstrafen sind aber selten. Die Geldstrafen können die Missetäter aber auch empfindlich treffen und liegen üblicherweise im dreistelligen, bisweilen auch im viertstelligen Bereich. Ein Hotelzimmer wäre auf jeden Fall günstiger.

Quelle: ntv.de

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