Ratgeber

Ärgernis beim Onlineshopping Wann muss man Pakete beim Zoll abholen?

Der Shoppingtrip im Internet endet mitunter unerfreulich: zwischen wartenden Massen im Hauptzollamt, wo man die bestellte Ware gegen Gebühr auslösen kann. Womit muss man rechnen?

Technik aus den USA, Kleidung aus Frankreich, Lebensmittel aus Kanada oder Kosmetik aus Australien – kein Problem, wenn man einen Onlineshop findet, der auch nach Deutschland liefert. Bestellen im Ausland liegt nahe, wenn es um Ware geht, die man in Deutschland entweder überhaupt nicht oder nur deutlich teurer bekommt. Dafür nimmt man dann auch höhere Versandkosten und lange Lieferzeiten in Kauf. Einen argen Dämpfer erhält die Vorfreude jedoch, wenn statt der bestellten Ware ein Benachrichtigungsschreiben vom Zoll im Briefkasten landet. Dann wird die Sache unbequem – und mitunter auch teuer.

Wo drohen Extrakosten?

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Wer seine Sendung beim Zoll abholen muss, sollte nicht nur Geld, sondern auch Zeit mitbringen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Zoll interessiert sich grundsätzlich nur für Ware, die aus Ländern außerhalb der EU kommt. In Großbritannien, Frankreich oder anderen Unionsstaaten kann man also ohne Extrakosten bestellen. Einige Gebiete gehören zw ar zur EU, aber nicht zum gemeinsamen Steuerraum. Das gilt etwa für Helgoland, die Kanarischen Inseln oder die Jersey-Inseln. Versendet ein Händler von dort, fallen also gegebenenfalls zusätzliche Steuern an.  

Für Bestellungen aus Drittländern gilt: Sobald der Gesamtwert über 22 Euro liegt, wird es teurer. Ausschlaggebend ist nicht allein der Preis der Ware, sondern der gesamte Rechnungsbetrag inklusive Porto. Ein T-Shirt für umgerechnet 21 Euro kann also trotzdem beim Zoll landen, wenn noch Versandkosten hinzukommen.

Geschenke und andere Sendungen von Privat an Privat müssen als solche deklariert werden. Sie bleiben abgabenfrei – aber nur, wenn der Warenwert unter 45 Euro liegt. Teurere Ware wird voll besteuert. Lässt man sich beispielsweise von einem Freund aus den USA ein paar Turnschuhe für umgerechnet 90 Euro schicken, werden Einfuhrabgaben für den Gesamtbetrag berechnet. Handelt es sich dagegen um zwei Jeans für jeweils 40 Euro, sind 40 Euro die Grundlage.

Welche Gebühren werden fällig?

Zoll wird für Bestellungen bis 150 Euro grundsätzlich nicht berechnet. Bezahlen müssen die Empfänger meistens aber trotzdem, denn wenn der Warenwert über 22 Euro liegt, wird Einfuhrumsatzsteuer fällig. Sie entspricht der Mehrwertsteuer von 19 Prozent. Bei bestimmten Waren ist sie auf sieben Prozent ermäßigt. Das betrifft zum Beispiel Bücher und bestimmte Lebensmittel, aber auch orthopädische Hilfsmittel oder Kunstgegenstände. Wer die 22 Euro nur knapp überschreitet, kommt normalerweise um die Steuer herum. Um Aufwand zu sparen wird Einfuhrumsatzsteuer nur ab fünf Euro erhoben. Sendungen bis zu 26,30 Euro bleiben also in der Praxis steuerfrei.

Zusätzlich zur Einfuhrumsatzsteuer fällt bei Sendungen über 150 Euro Zoll an.  Wie viel, hängt von der Produktgruppe und dem Wert der Ware ab und davon, aus welchem Land das Paket versendet wurde. Die Zolltabelle ist stark ausdifferenziert, so gilt beispielsweise für normale Textilien ein Zollsatz von zwölf Prozent, für Lederbekleidung werden dagegen nur vier Prozent fällig. Analoge Fotoapparate werden mit 4,2 Prozent bewertet, Digitalkameras bleiben hingegen zollfrei. Auch Smartphones, Spielekonsolen, Notebooks oder Bücher kommen ohne Zoll durch. Monitore hingegen schlagen mit bis zu 14 Prozent zu Buche. Auch Turnschuhe und andere Schuhe, die nicht aus Leder sind, werden mit bis zu 17 Prozent Zoll deutlich teurer.

Wann muss man zum Zollamt?

Alle Sendungen aus Nicht-EU-Staaten müssen vom Zoll abgefertigt werden. Der Absender sollte dafür außen eine sogenannte Zollinhaltserklärung anbringen, aus der hervorgeht, was im Paket ist und wie hoch der Zollwert ist. Um das zu kontrollieren, darf der Zoll Pakete auch öffnen. Ist alles in Ordnung, stellt die Post das Paket zu und kassiert gegebenenfalls auch die Steuern und Gebühren.

Nicht immer läuft die Abwicklung so unkompliziert. Fehlen Angaben zum Inhalt der Sendung oder gibt es Zweifel, ob die Erklärung korrekt ist, landet die Ware beim örtlichen Zollamt und muss dort abgeholt werden. Das ist beispielsweise oft der Fall, wenn Sendungen von einem erkennbar kommerziellen Absender als Geschenk deklariert sind. Auch wenn keine korrekte Handelsrechnung beiliegt, wird der Zoll skeptisch. Wer Ware vom Zollamt holt, sollte die entsprechenden Nachweise, also Rechnungen oder Zahlungsbestätigungen, auf jeden Fall dabei haben.

Der Besuch im Zollamt ist meist ziemlich langwierig, denn in den letzten Jahren hat der Andrang von Online-Käufern stark zugenommen. Die Wartezeiten können lang werden. Wer sich den Aufwand ersparen möchte, kann sich auch von der Post vertreten lassen. Dafür schickt man das Benachrichtigungsschreiben zusammen mit den fehlenden Unterlagen zur Zollstelle. Die fälligen Kosten entrichtet man dann beim Postboten. In der Regel ist das bequemer, aber meist muss man dann noch etwas länger auf die Ware warten.

Egal ob man die Verzollung selbst erledigt oder der Post überlässt: Allzu lange sollte man sich nicht Zeit lassen. Nach 14 Tagen senden die Zollämter die Ware nämlich zurück an den Absender.

Quelle: ntv.de

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